Seit dem Amtsantritt Trumps Anfang 2017 hat es kein eigenes, bilaterales Treffen zwischen Trump und Putin gegeben. Die beiden Staatschefs sprachen lediglich beim G-20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 länger direkt miteinander. Auf dem Gipfel Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Vietnam im November des Vorjahres schüttelten sie einander die Hände. Ein ausführliches Gespräch wurde damals vom Weißen Haus unter Verweis auf Terminprobleme abgesagt.

In einem Interview, das Putin rund um seinen Wien-Besuch dem ORF gab, hatte sich der russische Präsident diese Woche auch dazu geäußert, warum es noch immer zu keinem Gipfel zwischen ihm und Trump gekommen ist. Die Verantwortung dafür sah Putin auf US-amerikanischer Seite. "Meiner Ansicht nach ist das die Folge des heftigen innenpolitischen Kampfes in den USA." Aber man telefoniere "regelmäßig" und sei sich darüber einig, dass man einen "Rüstungswettlauf" verhindern müsse, sagte Putin. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter berichtete, hielt sich der US-Botschafter in Russland, Jon Huntsman, bereits vorige Woche in Washington auf, um mit Angehörigen der Trump-Administration die Gipfel-Pläne zu erörtern.

Das Verhältnis zwischen Washington und Moskau ist denkbar schlecht. In zahlreichen internationalen Krisenfeldern sind sich die beiden Mächte uneinig, etwa im Syrien-Krieg, in dem Russland den syrischen Machthaber Bashar al-Assad unterstützt, oder in punkto Atom-Deal mit dem Iran, das die USA aufgekündigt haben, oder dem Weg der kriegsgebeutelten Ukraine Richtung EU und NATO, wo Moskau die pro-russischen Separatisten im Donbass unterstützt. In der Affäre um die Vergiftung des russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien wiesen beide Länder heuer Dutzende Diplomaten aus. Im April verhängten die USA neue Sanktionen gegen 38 russische Firmen und Einzelpersonen, darunter sieben Oligarchen. Betroffen waren einige der reichsten Russen und deren Firmen, die eng mit Putin verbunden sind. Damit machten die USA Oligarchen offiziell dafür verantwortlich, dass sie sich an einer autoritären und gegen den Westen gerichteten Politik des Kremls bereicherten.

Im eigenen Land macht Trump die sogenannte Russland-Affäre zu schaffen. Der frühere FBI-Chef Robert Mueller untersucht die mutmaßliche russischen Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 und eine mögliche Verwicklung des Trump-Wahlkampfteams. Außerdem geht er dem Verdacht der Justizbehinderung durch Trump nach. Muellers Ermittlungen richteten sich zuletzt verstärkt auf den Präsidenten persönlich.