Bogota. (dpa) Juan Manuel Santos ist ein Mann mit ausgesuchten Manieren. Nach dem Wahlsieg von Ivan Duque in Kolumbien ruft der Amtsinhaber seinen gewählten Nachfolger an, beglückwünscht ihn höflich zu seinem Erfolg und bietet ihm seine Hilfe bei einer geordneten Übergabe der Regierungsgeschäfte an. Dabei will Duque die Axt an Präsident Santos Lebenswerk legen - das historische Friedensabkommen mit der linken Guerillaorganisation Farc.

"Der Wahlsieg von Duque bedeutet große Veränderungen für den Friedensprozess", warnt Gimena Sanchez-Garzoli vom Forschungsinstitut Washington Office on Latin America (Wola). "Zwar wird die Farc-Führung bei einer Modifizierung des Abkommens nicht sofort wieder zu den Waffen rufen, allerdings könnten die einfachen Kämpfer das Vertrauen verlieren und sich abtrünnigen Rebelleneinheiten oder kriminellen Banden anschließen."

Auf der ganzen Welt wurde der Friedensvertrag mit den Rebellen vor eineinhalb Jahren gefeiert, doch in Kolumbien selbst ist das Abkommen ausgesprochen umstritten. Präsident Santos wurde für die historische Einigung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, zu Hause erhielt es nichts als Prügel und scheidet als einer der unbeliebtesten Staatschefs der Geschichte aus dem Amt.

Milde Strafen für Rebellen

Die Vorteile des Friedensvertrags lassen sich nicht leugnen. Mit ihrer Unterschrift zogen Santos und Farc-Chef Rodrigo "Timochenko" Londono nach mehr als einem halben Jahrhundert einen Schlussstrich unter die Gewalt. In dem Konflikt waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen und Millionen vertrieben worden. Die Farc haben inzwischen die Waffen niedergelegt und wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten.

Der Frieden hat allerdings seinen Preis. Für ihre schweren Verbrechen haben die ehemaligen Rebellen nach dem Vertrag nur mit relativ milden Strafen zu rechnen. Zudem erhalten sie für zwei Legislaturperioden zehn Sitze im Kongress garantiert. Das schmeckt nicht allen. Viele Kolumbianer wollen sich nicht damit abfinden, dass die Guerilleros nach all dem Leid, den Toten und der Gewalt nun fast ungeschoren davonkommen sollen. Duque will nun einige Punkte im Friedensabkommen ändern. Vor allem soll festgeschrieben werden, dass die Farc-Mitglieder keine öffentlichen Ämter antreten können, solange sie ihre Strafen noch nicht verbüßt haben. "Wir werden den Vertrag nicht in Stücke reißen, aber wir werden sicherstellen, dass der Frieden allen Kolumbianern zugutekommt", sagte er nach seinem Wahlsieg. "Wir werden Korrekturen vornehmen, damit die Opfer wirklich im Mittelpunkt stehen und wir Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und keinen Rückfall haben."