An der Gedenkfeier nahmen auch Mandelas Witwe Graca Machel und Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa teil. - © ap
An der Gedenkfeier nahmen auch Mandelas Witwe Graca Machel und Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa teil. - © ap

Johannesburg. (rs) Der große Rummel hatte schon Monate vor dem Mandela-Tag begonnen. In ganz Südafrika wurden mit großem Eifer T-Shirts bedruckt, um den Übervater der Nation zu ehren, die Zentralbank präsentierte eine Sonderserie mit goldenen Gedenkmünzen, und wer wollte, konnte zumindest für kurze Zeit bei einer später doch noch gestoppten Auktion mitmachen, bei der eine Übernachtung in Nelson Mandelas Gefängniszelle auf Robben Island an den Höchstbietenden versteigert werden sollte.

Den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der am 5. Dezember 2013 verstorbenen Freiheitsikone sollte allerdings die Gedenkzeremonie am Dienstag mit tausenden Teilnehmern darstellen - schließlich konnte die Veranstaltung im Cricket Stadion von Johannesburg mit Barack Obama als Festredner aufwarten.

Der frühere US-Präsident hatte bereits auf der Trauerfeier von Mandela im Jahr 2013 eine bewegende Lobrede für den Anti-Apartheid-Kämpfer gehalten. In seiner Ansprache am Dienstag betonte Obama, der erste schwarze US-Präsident der Geschichte, vor allem, dass der einst von Mandela angeführte Kampf gegen die Diskriminierung weitergeführt werden müsse: "Der Kampf um Gerechtigkeit ist nie vorüber." Diskriminierung wegen der Hautfarbe sei sowohl in den USA als auch in Südafrika weiter eine Tatsache. Es gebe immer noch zu viele, die sich von Menschen bedroht fühlten, die nicht wie sie selbst aussähen oder sprächen. Und im Westen würden inzwischen mehr Parteien eine offen nationalistische Agenda vertreten.

Spitze gegen Trump


Mandela habe hingegen die "Hoffnung der Besitzlosen in der ganzen Welt auf ein besseres Leben dargestellt", sagte Obama. "Ich glaube an Nelson Mandelas Vision (. . .) von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit." Der "Gigant der Geschichte" habe aus seiner kleinen Gefängniszelle heraus viele Menschen - darunter auch Obama - inspiriert. In einer kaum versteckten Anspielung an seinen Nachfolger Donald Trump, den er nicht namentlich nannte, forderte Obama, Politiker müssten "an Fakten glauben" und dürften nicht einfach "Sachen erfinden". Zum Gelächter des Publikums sagte er: "Ich dachte nie, dass ich ein großer Politiker sei, nur weil ich keine Sachen erfinde."

All der Trubel und die vielen Lobpreisungen können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mandela in Südafrika heute anders gesehen wird als noch vor fünf Jahren. Nach seinem Tod 2013 wurde vor allem seine Vision der Regenbogennation gewürdigt, die alte Gräben überwindet und in der Hautfarbe, Herkunft und Stand keine Rolle mehr spielen. Und fast überall am Kap war die Sorge spürbar, nach dem Tod des großen alten Mannes könnte alles auseinanderfallen. Denn der Friedensnobelpreisträger, der von vielen nur Madiba genannt wurde, galt auch knapp 15 Jahre nach seinem Rücktritt als Staatsoberhaupt als wichtigste moralische Instanz und Kompass Südafrikas.