Islamabad/Quetta. Nach dem Beginn der Parlamentswahl in Pakistan sind bei einem Selbstmordanschlag im Südwesten des Landes mindestens 30 Menschen getötet worden. Unter den Opfern in der südwestpakistanischen Stadt Quetta befänden sich auch Kinder, sagte Mohamed Jafar vom Civil Hospital in Quetta. Mindestens 40 weitere Menschen seien verletzt worden.

Der Selbstmordattentäter habe seine Bombe nach ersten Erkenntnissen inmitten einer Wählerschlange und neben einem Polizeiauto gezündet, sagte der Sprecher der Polizei in Quetta, Mohamed Ramzan. Der Anschlag habe einem hochrangigen Polizisten gegolten, der die Sicherheitsvorkehrungen des Wahllokals habe prüfen wollen.

Bei einem weiteren Vorfall in Baluchistan war zuvor ein Polizist getötet worden, als eine Handgranate auf ein Wahllokal geworfen wurde. Drei weitere Menschen wurden verletzt.

Rund 106 Millionen Wähler sind aufgerufen, am Mittwoch ein neues Parlament zu wählen. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Partei des ehemaligen Cricket-Stars Imran Khan und der noch regierenden Partei des inhaftierten Ex-Ministerpräsidenten Nawaz Sharif erwartet. Keine Partei dürfte aber eine absolute Mehrheit erreichen. Die Wahllokale schließen um 15.00 Uhr MESZ. Der Wahlsieger dürfte gegen 24.00 Uhr MESZ feststehen.

Gewalt überschattete Wahlkampf

Schon der Wahlkampf war in Baluchistan von Gewalt und Anschlägen überschattet. Baluchistan grenzt an den Iran und an Afghanistan und ist seit längerem von Unsicherheit und Gewalt geprägt. In der Provinz halten sich Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates (IS), der Al-Kaida und der Taliban auf

Mehr als 370.000 Militärs und 450.000 Polizisten sichern die Wahl. Erstmals werden Soldaten die Wahllokale nicht nur außen bewachen, sondern es werden in sogenannten heiklen Wahllokalen auch Militärs in den Stimmabgabezentren postiert. Damit soll das Sicherheitsgefühl der Wähler erhöht werden. Rund 20.000 der 85.000 Wahllokale wurden von der Wahlkommission als heikel eingestuft. Der Wahlkampf wurde von Gewalt, aber auch Vorwürfen der Einmischung des Militärs überschattet. Im Vorfeld der Wahlen wurden mehr als 180 Menschen bei Angriffen auf Wahlveranstaltungen getötet.

106 Millionen Wahlberechtigte

Cafes, Restaurants und Fahrtendienste wie Careem oder Uber bieten für den Wahltag Gratisgetränke oder Rabatte für Fahrten zu den Wahllokalen an.

Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr lokaler Zeit (15 Uhr MESZ) geöffnet. Erste inoffizielle Resultate werden am Abend (Ortszeit) erwartet. Insgesamt sind 106 Millionen Pakistaner wahlberechtigt. Es ist die elfte Wahl in dem 207-Millionen-Einwohner-Land, aber erst das zweite Mal, dass eine zivile Regierung die Macht nach einer vollen Legislaturperiode an demokratisch gewählte Nachfolger übergibt. Fast die Hälfte seiner Geschichte seit der Staatsgründung 1947 wurde Pakistan vom Militär geführt.