Dass es China ernst meint mit den Beziehungen zu seinem Nachbarn, zeigte Präsident Xi Jinping eindrucksvoll vor fünf Jahren. Damals kündigte er das Megaprojekt der Neuen Seidenstraße nicht etwa in Peking, Shanghai oder in Chongqing an. Er wählte stattdessen die kasachische Hauptstadt Astana, zwei Flugstunden nördlich von Khorgos. Bei seiner Rede in der nach dem kasachischen Staatschef benannten Nasarbajew-Universität hob er den friedlichen Austausch zwischen den Völkern hervor.

Um die Seidenstraße bis in den Großraum Wien zu führen, ist die Zustimmung der Slowakei notwendig. "Der nächste große Schritt wäre ein Staatsvertrag zwischen Österreich und der Slowakei", sagt Alexander Biach. Über das "wäre" ist man aber noch nicht hinausgekommen. Sollte sich Österreich ein Beispiel an China nehmen? Wäre es vorstellbar, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an der Hauptuniversität in Bratislava eine Rede hält und über die Pläne Österreichs zur Seidenstraße spricht? Würde er den friedlichen Austausch der Völker betonen, seine Politik der geschlossenen Grenzen und Routen ändern? Schwer vorstellbar. Und so schleppen sich die Verhandlungen der beiden Kleinstaaten von Jahr zu Jahr über die Verlängerung von 420 Kilometer Breitspurbahn.

Zurück in Astana. Roman Sklyar, Kasachstans erster Vizeminister für Investitionen und Entwicklung, empfängt die österreichische Delegation in seinem Büro. Schnellen Schrittes betritt er den Raum. 30 Milliarden Dollar hat Kasachstan in den Ausbau der Schieneninfrastruktur investiert, erzählt er. Innerhalb von zehn Jahren, fügt er hinzu. "Nun sind die Eisenbahnstrecken für die Neue Seidenstraße fertig." 2500 Kilometer Schienen wurden verlegt. Ab 2020 soll der Staat mit dem Transit verdienen, erklärt er. Sklyar: "Unser Ziel sind jährliche Mauteinnahmen von fünf Milliarden Dollar." Zweifel, dass dieses Ziel verfehlt wird, hat er nicht. Die Vorgabe des autoritär regierenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew gilt es zu erreichen. Ohne wenn und aber.

Kasachstans Zutaten für ein schnelles Wachstum

Gehorsam, Schnelligkeit, Investitionen. Mit diesen drei Zutaten entwickelte sich Kasachstan in den knapp 27 Jahren seit seiner Gründung nach dem Zerfall der Sowjetunion zu einem prosperierenden Staat. Als Symbol dafür steht die Hauptstadt, die in den Norden des Landes verlegt wurde. Sumpfgebiete, endlose Steppe, hartes Klima. Hier kann es schon mal Minus 40 Grad im Winter haben. Der ursprüngliche Name Aqmola - auf Deutsch: Weißes Grab - verweist darauf. 1998 musste die Regierung auf Anordnung von Nasarbajew in diese Gegend ziehen. Zu stark war der russische Einfluss im Norden des jungen Staates, zu weit weg die damalige Hauptstadt Almaty, um dagegen halten zu können. Aqmola hieß ab sofort Astana - auf Deutsch: die Hauptstadt -, die Siedlung wurde auf dem Reißbrett zu einer Metropole umgewandelt.

Alleegesäumte Boulevards, Wolkenkratzer von internationalen Architekten, das 150 Meter hohe Zelt Khan Shatyr, unter dem sich ein Strandresort mit echtem Sand aus den Malediven verbirgt, der monumentale Turm Bajterek, auf dessen Spitze eine goldene Kugel thront, der massive Präsidentenpalast Ak Orda aus italienischem Marmor mit blauer Kuppel und goldener Spitze. Errichtet wurde mit der weißen Hazrat-Sultan-Moschee auch Zentralasiens größtes muslimisches Gebetshaus. Religion spielt in Kasachstan eine untergeordnete Rolle, als Unterscheidungsmerkmal zum christlich-orthodoxen Russland kommt dem Gebäude aber eine große Bedeutung zu.