Kasachstan liegt eingebettet zwischen Russland und China.
Kasachstan liegt eingebettet zwischen Russland und China.

Neben den Ministerien befindet sich in Astana auch der Hauptsitz des staatlichen Mineralölunternehmens KazMunayGas und das Railways Building der mächtigen staatlichen Eisenbahngesellschaft, Kasachstan Temir Scholy (KTZ). Ihr gehören zahlreiche Immobilien, Häfen, 51 Prozent des Terminals in Khorgos, ein Eishockeystadion mit 12.000 Plätzen. Mit 175 Metern ist es das höchste Gebäude in Kasachstan. Im 38. Stockwerk präzisiert der Vize-Präsident des Eisenbahn-Vorstands, Sanzhar Yelyubayev, die möglichen Wege der Seidenstraße durch Kasachstan. "Der eine Strang führt von Khorgos über Astana nach Moskau und dann weiter nach Europa. Ein weiterer von Khorgos über den kaspischen Hafen in Aqtau nach Baku, Istanbul und Piräus."

Die nächsten Pläne wurden bereits aus der Schublade geholt. Die Strecke Shanghai nach Khorgos wird nächstes Jahr eröffnet, in zehn Jahren soll ein Schnellzug mit 300 km/h die Strecke von Shanghai nach Duisburg in drei Tagen überwinden. Derzeit liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 45 km/h. In Zukunft sollen die Waggons auch verplombt werden, damit die Ware auf dem Weg zum Kunden nicht verloren gehen kann. Zuletzt sind einige Fälle aufgetreten. "Russland möchte 2019 ein Gesetz verabschieden, dass eine Verplombung möglich macht. Damit wäre das Problem gelöst", sagt Yelyubayev.

Die fragile Abhängigkeit von Öl und Gas

Den Aufschwung Kasachstans ermöglichen die großzügigen Öl- und Gasvorkommen, die für 60 Prozent der gesamten Exporteinnahmen verantwortlich sind. Wie fragil die Abhängigkeit von den Rohstoffen ist, erfuhr der Staat jedoch vor vier Jahren. Der Verfall der Öl- und Rohstoffpreise verursachte einen bedeutenden Knick in der bis dahin stets nach oben zeigenden Kurve. Zwei Jahre lang durchlebte das Land eine Wirtschaftsflaute. Bis die Preise wieder stiegen.

Auch die Beziehungen mit Österreich basieren vor allem auf dem Ölgeschäft. 2017 machten die österreichischen Exporte aus Kasachstan 944,8 Millionen Euro aus. Knapp 99 Prozent entfiel dabei auf Erdöl, andere Einfuhrwaren waren Fisch, unedle Metalle. Damit ist Kasachstan einer der wichtigsten Lieferländer für Öl. Umgekehrt exportiert Österreich Pharmazeutika, diverse Maschinen und Anlagen, Mess- und Prüfinstrumente, Papier und Pappe und Waren aus Eisen und Stahl, die ebenso vor allem in der Ölindustrie verkauft werden. Mit dem Ausbau der Neuen Seidenstraße möchte Kasachstan nun ein Stück unabhängiger von seinen Rohstoffen werden.

Der sowjetische Einfluss ist in Aqtau noch spürbar. - © Vasari
Der sowjetische Einfluss ist in Aqtau noch spürbar. - © Vasari

Die Hafenstadt Aqtau am Kaspischen Meer wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Über sie soll die Route von Kasachstan über Baku in die Kaukasus-Region, den Nahen Osten und über den Balkan nach Europa führen. Es ist der südlichste Strang der Neuen Seidenstraße. Der einzige Strang, der nicht durch Russland geht. Dabei ist Aqtau jene Stadt, wo man am deutlichsten spürt, dass Kasachstan und Russland einmal gemeinsam einem Land angehörten, der Sowjetunion.

Häftlinge erbauten die Stadt in den 50er und 60er Jahren. Graue, einförmige Plattenbauten. Ein ausgestellter Kampfflieger, der scheinbar von einem Betonsockel abhebt. In der Sowjetzeit war Aqtau eine geschlossene Stadt. Russische Bürger und Ausländer hatten Zutrittsverbot, durften sich nur in Ausnahmefällen beschränkt darin aufhalten. Grund dafür ist die Uranmine, die eine große Bedeutung für die sowjetische Nuklearindustrie hatte. Noch heute gehört Kasachstan zu den weltweit größten Uranproduzenten.