Nun wird der überdimensionale Hafen kräftig ausgebaut. Er soll künftig aus zwei Teilen bestehen. Aus dem alten Hafen in der Stadt und dem 70 Kilometer südlich gelegenen neuen Hafen. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Bauarbeiter wickeln Stacheldraht um einen Zaun, Presslufthammer bearbeiten den felsigen Boden. Der Geschäftsführer des Hafens, Turikpenbaev Abay Nogaevich, lädt zum Rundgang. "Der Hafen ist eisfrei und windgeschützt", erklärt er die Vorteile. "Wir arbeiten rund um die Uhr, das ganze Jahr über, der Wellengang ist kein Problem." 54 Waggons können von großen Schiffen aufgenommen werden. 18 Stunden sind es nach Baku auf der anderen Seite des Binnenmeeres.

Über den Hafen Aqtau führt die Süd-Route der Seidenstraße. - © Vasari
Über den Hafen Aqtau führt die Süd-Route der Seidenstraße. - © Vasari

Die erste Lieferung über Aqtau nach Europa erfolgte Anfang des Jahres. Ein Container mit Tomaten aus China wurde nach Italien transportiert, wo die Tomaten zu Paste verarbeitet werden sollen. In Zukunft führen die Schiffe aber vor allem Erdöl, Metall, Getreide und Zement, sagt Nogaevich.

In Chinas Entwürfen für die Neue Seidenstraße wird Wien derzeit nicht berücksichtigt. Der nördliche Strang führt über Moskau nach Warschau, Duisburg und Madrid, der südliche über den Balkan nach Budapest. Von ungarischer Seite gibt es zudem starke Bemühungen, um China von diesem Planstand zu überzeugen. Immer wieder werden hochrangige chinesische Delegationen eingeladen, Ministerpräsident Viktor Orban reiste immer wieder persönlich nach China.

Kritik aus Österreich

In Österreich selbst gibt es Kritik an einer Anbindung Wiens. Könnte man das Geld für den Breitspurausbau zwischen Wien und Kosice nicht für Ausbau des europäischen Normalnetzes verwenden? Müsste Europa nicht mit einer Sprache sprechen, um als gleichwertiger Partner Chinas aufzutreten?

Alexander Biach lässt sich nicht beirren: "Wir erwarten uns in vier Industriebereichen Impulse für Österreich", sagt er. "Die Automobilzulieferung, Bau, Papier-Verpackungssektor, Pharma- und der Maschinenbereich." Der Endterminal würde bis zu 5000 Arbeitsplätze bringen, Wertschöpfungseffekte von über 12 Milliarden Euro erzielen.

Österreichs Mister Seidenstraße: Alexander Biach. - © Vasari
Österreichs Mister Seidenstraße: Alexander Biach. - © Vasari

Der Vorteil des Standortes Wien liege für ihn auf der Hand. Er verweist auf die beiden Transeuropäischen Schienennetze, die durch Österreichs Hauptstadt führen werden. Zum einen die Magistrale von Paris über Wien nach Budapest, zum anderen die Baltisch-Adriatische Achse von Danzig über Wien nach Bologna. Damit könne der Weitertransport auf Schiene gewährleistet, Emissionen gesenkt werden.

Zurück in Khorgos. Der letzte Waggon wurde verladen, der gleichmäßig schlagende Ton des Krans verstummt. Alexander Biach steht auf einem Breitspurgleis, das sich endlos in Richtung Horizont erstreckt. Er blickt den Schienen nach. Dann sagt er: "Die Alternative für Österreich, nichts zu tun, ist keine Alternative."