Athen/Brüssel. (rs/reuters) Offizielle Feierlichkeiten gab es weder in Athen noch in Brüssel. Für die Eurozone und für Griechenland war der Montag dennoch ein äußerst denkwürdiger Tag. Mehr als acht Jahre, nachdem die griechische Regierung ihre europäischen Partner erstmals um finanzielle Hilfe gebeten hat, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden, ist nun das dritte und letzte milliardenschwere Rettungspaket ausgelaufen. Frisches Geld bekommt Griechenland damit künftig nur noch auf den Kapitalmärkten.

- © M. Hirsch
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Dafür, dass kein weiteres Hilfspaket folgen wird, will derzeit zwar niemand die Hand ins Feuer legen, doch vor allem in Brüssel bemüht man sich in diesen Tagen augenscheinlich darum, die Hilfsmaßnahmen als Erfolg zu verkaufen. "Für Griechenland ist die Zeit gekommen, ein neues Kapitel (...) zu beginnen. Sein Platz im Herzen der Euro-Zone und der Europäischen Union ist gesichert", schreibt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der sich als Chef der Euro-Gruppe selbst so manche Verhandlungsnacht im griechischen Drama um die Ohren schlagen musste, etwa in einem EU-Überblick zum Programmende. Und auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici betont am Montag die positiven Seiten des Reformprogramms. So hätten die oft schmerzhaften Maßnahmen, die die internationalen Geldgebern gefordert hatten, mitgeholfen, das Pensions-, Sozial- und Gesundheitssystem neu aufzustellen. Griechenland sei nun aus dem Schlimmsten heraußen, zeigt sich Moscovici überzeugt.

Kein Vertrauen, kein Geld

Als Griechenland 2010 seine Partner um Hilfe bat, stand das Land direkt vor der Pleite. Der damalige Premierminister Giorgos Papandreou musste Geld auftreiben, um die laufenden Rechnungen noch bezahlen zu können. Am Markt bekam er so kurz nach der globalen Finanzkrise allerdings kaum mehr Kapital, auch nicht zu hohen Zinsen. Denn Griechenland hatte über Jahre hemmungslos Schulden gemacht und finanzierte schließlich im Jahre 2009 weit mehr als 15 Prozent seines Staatshaushalts über teure Kredite. Die sechs Prozent Defizit, von den kurz zuvor in offiziellen Dokumenten die Rede war, hatten sich bei genauerem Hinschauen als Schönfärberei entpuppt.

Die hohen Budgetdefizite, die die Gesamtverschuldung auf gut 125 Prozent der Wirtschaftsleistung getrieben hatten, waren aber bei weitem nicht das einzige Problem des griechischen Patienten. Auch die Arbeitslosenquote war mit gut zwölf Prozent vergleichsweise hoch, und vom Wachstum gab es bereits keine Spur mehr. Die Wirtschaft befand sich 2010 bereits mit minus fünfeinhalb Prozent auf Schrumpfkurs.