Washington. (apa/afp/reu) US-Präsident Donald Trump hat plötzlich ein ernstes Problem: Sein Ex-Anwalt Michael Cohen rückt ihn in die Nähe krimineller Verfehlungen. Seine Gegner denken an Amtsenthebung, aber sprechen noch nicht darüber. Es braucht mehr Munition - und noch ein bisschen Zeit.

In Washington ist eine Neuschöpfung das Wort der Woche - das I-Wort. I für "Impeachment", auf Deutsch Amtsenthebung. Wenige wollen es in den Mund nehmen, aber viele haben es im Kopf. Das Schuldeingeständnis von Donald Trumps Ex-Anwalt hat den Präsidenten der Vereinigten Staaten so stark ins Wanken gebracht wie noch nie in seinen bald 600 Amtstagen. Viele sprechen von der schlimmsten Woche der Präsidentschaft Trumps.

Die Demokraten im Kongress halten sich aber noch weitgehend bedeckt. Die Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, erklärte, die Partei müsse sich vor den Parlamentswahlen im November auf eine gerechte Wirtschaftspolitik konzentrieren.

Die Demokraten wollen die Mehrheit in der Parlamentskammer erlangen. Dies wäre de facto die Voraussetzung für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Diese Woche war Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort in acht Anklagepunkten unter anderem des Steuer- und Bankbetrugs schuldig gesprochen worden. Praktisch zeitgleich bekannte sich Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen schuldig, zur Vermeidung von Schaden für den Wahlkampf Schweigegeld an zwei Frauen gezahlt zu haben, die behaupten, eine Affäre mit Trump gehabt zu haben.

Das Geld sei nicht Wahlkampfgeld gewesen, erklärte Trump in einem Fox-Interview. Insofern habe er sich nichts vorzuwerfen.

Trump versuchte, die Verfehlungen seines früheren Wahlkampfmanagers herunterzuspielen. "Vermutlich tut jeder Lobbyist und Berater in Washington das Gleiche", sagte er. Es tue ihm leid für Manafort. Trump erklärte, er habe beschlossen, nicht in die Ermittlungen einzugreifen. Mit Kritik an den Ermittlungsbehörden, insbesondere an Justizminister Jeff Sessions, sparte er jedoch nicht.

Doch in der Affäre um Schweigegeldzahlungen an zwei mutmaßliche Ex-Geliebte will offenbar ein weiterer Vertrauter von US-Präsident Trump mit den Ermittlern zusammenarbeiten. Der Chef des Boulevardblatts "National Enquirer", David Pecker, wolle der Staatsanwaltschaft Informationen liefern, berichteten das "Wall Street Journal" und die "New York Times".

Die Staatsanwaltschaft verlieh Pecker als Gegenleistung für Informationen über Trumps Ex-Anwalt Cohen und über Trump selbst Immunität, berichteten die beiden Blätter unter Berufung auf vertraute Kreise. Auch der Chefredakteur des "National Enquirer", Dylan Howard, erhielt demnach Immunität.

Pecker und Howard könnten Beweise zu Trumps Wissen hinsichtlich der Zahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und das "Playboy"-Model Karen McDougal liefern, berichteten die beiden Zeitungen und der Sender CNN. Laut "Wall Street Journal" sollen Pecker und Howard in beide Deals involviert sein.

Zwar sind Schweigegeldzahlungen als solche nicht illegal - die US-Justiz argumentiert aber, dass es sich dabei de facto um Wahlkampfausgaben gehandelt habe, die als solche hätten deklariert werde müssen.