Istanbul/Washington/Berlin. Saudi-Arabien erwägt Medienberichten zufolge, einen gewaltsamen Tod des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi einzuräumen. Der US-Nachrichtensender CNN meldete am Montag, Saudi-Arabien bereite einen Bericht vor, demzufolge der Regierungskritiker während eines schief gelaufenen Verhörs gestorben sei. US-Außenminister Mike Pompeo wird am Dienstag in Riad erwartet.

Unterdessen durchsuchten türkische und saudische Ermittler in der Nacht auf Dienstag stundenlang das saudi-arabische Konsulat in Istanbul, wo Khashoggi vor zwei Wochen zuletzt gesehen worden war. Die Ermittler hätten das Gebäude nach neun Stunden wieder verlassen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag. Demnach haben die Ermittler auch Proben aus dem Garten des Konsulats mitgenommen. Außerdem seien zwei Müllwagen der Gemeinde ins Konsulat gefahren, unklar war zunächst warum.

Entführung geplant

Der US-Fernsehsender CNN sowie die Zeitungen "New York Times" und "Wall Street Journal" berichteten, dass Saudi-Arabien in Kürze eine Erklärung zum Schicksal Khashoggis abgeben wolle. Demnach soll sein Verhör schiefgegangen sein. CNN berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, der Plan sei gewesen, den Saudi zu entführen, aber nicht zu töten. Eine Quelle sagte, in dem Bericht dürfte festgehalten werden, dass die gegen Khashoggi gerichtete Operation ohne Genehmigung von oben abgelaufen sei - und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Die US-Zeitung "Wall Street Journal" berichtete, das Königreich erwäge zu erklären, Khashoggi sei versehentlich während eines Verhörs von "schurkenhaften" Agenten getötet worden. Damit wolle das Königshaus eine direkte Verantwortung von sich weisen.

Von Khashoggi fehlt jede Spur, seit er am 2. Oktober das saudiarabische Konsulat in Istanbul besuchte. Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der im US-Exil lebende Journalist und Regierungskritiker in dem Gebäude von Agenten seines Heimatlandes ermordet wurde. Saudi-Arabien bestreitet dies.

Durchsuchung verzögert

Das Versprechen zur Durchsuchung des Konsulats hatte die saudi-arabische Regierung nach türkischen Angaben schon vergangene Woche gegeben, zunächst aber nicht erfüllt. Am Montagabend dann hatte die Durchsuchung begonnen. Die Ermittler betraten das Gebäude am Montagabend und verließen es in den frühen Morgenstunden des Dienstag nach rund neun Stunden. Sie nahmen dabei mehrere Proben mit - unter anderem von Erde des Konsulatsgartens, wie ein Behördenvertreter vor Ort sagte.