Der angebliche Kopf des Killerkommandos kurz vor Betreten des Konsulats. - © ap/SUB
Der angebliche Kopf des Killerkommandos kurz vor Betreten des Konsulats. - © ap/SUB

Washington/Riad. (is/reu/apa) Für Saudi-Arabien wird es nach der Ermordung des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi allmählich ungemütlich auf diplomatischem Parkett. Dass mit Ölmilliarden nicht alle Probleme beiseite geschafft werden können, ist für die Führung des erzkonservativen Golfstaates eine neue Erfahrung. Eine durchaus bittere. Riad wird derzeit wie ein Pariastaat behandelt; möglichst nicht anstreifen, ist die Devise. Bei einer mit viel Aufwand hochgezogenen Wirtschaftskonferenz, bei der die Saudis kommende Woche um Milliardeninvestitionen aus dem Ausland werben wollten, um die Abhängigkeit von Öleinnahmen zurückzufahren, hagelte es lauter Absagen. Am Donnerstag erklärten der französische Finanzminister Bruno Le Maire und der britische Handelsminister Liam Fox, nicht nach Riad zu reisen. Zuvor hatten unter anderem IWF-Chefin Christine Lagarde und die Vorstandschefs der Großbanken HSBC, Standard Chartered und Credit Suisse ankündigt, einen weiten Bogen um die "Future Investment Initiative" zu machen.

Zu guter Letzt ließ auch noch US-Finanzminister Steven Mnuchin seine Teilnahme platzen - und konterkariert damit die Linie des Weißen Hauses. Denn US-Präsident Donald Trump stemmt sich aus wirtschaftlichen Interessen - staatlichen und offenbar auch privaten - dagegen, die Glacéhandschuhe gegenüber dem saudischen Königshaus abzustreifen: Er wolle dem Nahost-Verbündenten noch einige Zeit einräumen, um die Vorkommnisse um das Verschwinden Khashoggis aufzuklären, erläuterte Trump.

Doch der innenpolitische Druck auf den Präsidenten nimmt zu. Eine Gruppe demokratischer Senatoren hat Trump am Donnerstag aufgefordert, binnen eines Monats alle "finanziellen Verbindungen" zu Saudi-Arabien offenzulegen. Insbesondere die seiner Firmengruppe, der Trump-Organisation, zu Riad soll genau unter die Lupe genommen werden.

Türkische Ermittler durchsuchten das saudische Konsulat nach Blut- und Giftspuren. - © apf/Rubinel
Türkische Ermittler durchsuchten das saudische Konsulat nach Blut- und Giftspuren. - © apf/Rubinel

Im Wahlkampf hatte sich Trump selbst damit gebrüstet, dass die Saudis um dutzende Millionen Appartements von ihm gekauft haben. "Sie gaben 40, 50 Millionen Dollar" aus. "Wie soll ich sie nicht mögen? Ich mag sie sehr", gab der Immobilienmogul im August 2015 bei einer Wahlkampfveranstaltung zum Besten. Ein anderes Mal twitterte er: "Die kaufen von mir alle Arten von Dingen. Alle Spielsachen von Trump. Sie zahlen mir Millionen und hunderte Millionen Dollar." Laut US-Medienberichten verkaufte Trump 2001 etwa das gesamte 45. Stockwerk seines Trump World Towers in Manhattan an das Königreich.

Auch nach dem Amtsantritt soll Trump von den Saudis profitiert haben: Die "Washington Post" berichtete, im Frühjahr vergangenen Jahres habe eine Lobbyfirma eine Rechnung über fast 270.000 Dollar (circa 234.000 Euro) in Trumps Hotel in Washington auflaufen lassen. Bezahlt habe das Königreich. Wenige Monate später absolvierte Trump dort seine erste Auslandsreise. Wirtschaftsdeals im Wert von hunderten Milliarden Dollar wurden dabei ausgehandelt - darunter mit 110 Milliarden Dollar der größte Waffendeal der US-Geschichte.