Brasilia. Rund 147 Millionen Brasilianer sind am kommenden Sonntag (28. Oktober) zur Wahl ihres neuen Staatsoberhauptes aufgerufen. Dem Rechtsaußen-Kandidaten Jair Messias Bolsonaro scheint das Präsidentenamt kaum mehr zu nehmen sein: Aktuelle Umfragen sehen den Ex-Militär derzeit bei mindestens 57 Prozent - sein Konkurrent Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei (PT) käme demnach höchstens auf 43 Prozent.

Schon in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober musste sich Haddad Bolsonaro klar geschlagen geben: Der Rechtsaußen-Kandidat kam auf rund 46 Prozent und landete damit weit vor dem Zweitplatzierten PT-Kandidaten mit rund 29 Prozent. Bolsonaro holte vor allem Stimmen aus den reicheren, gebildeteren und bessergestellten Regionen im Süden und Südosten des Landes, Haddad punktete hingegen primär bei der ärmeren Bevölkerung und bei Frauen.

Bolsonaro provoziert immer wieder mit abfälligen Bemerkungen über Frauen, Schwarze und Schwule sowie mit extremistischen Parolen und seiner Sympathie für die Militärdiktatur (1964-1985). Die Mitgliedschaft in der UNO hält er genauso entbehrlich wie das Pariser Klimaabkommen. Allerdings profitiert er viel von der Wut der Wähler auf die von Korruptionsskandalen belastete traditionelle Polit-Elite. Außerdem kommen seine Forderungen nach einem harten Durchgreifen gegen Kriminelle angesichts der ausufernden Gewalt im größten Land Lateinamerikas gut an.

Der PT muss sich unterdessen vor allem mit Korruptionsskandalen herumschlagen. Der frühere Langzeitpräsident Luiz Inacio Lula da Silva ist nach wie vor beliebt; er befindet sich allerdings wegen Korruptionsvorwürfen hinter Gitter. Ersatzkandidat Haddad, der frühere Bürgermeister der Millionenmetropole Sao Paulo und ehemalige Bildungsminister, hatte nur einen Monat Zeit für den Wahlkampf.

Haddad gibt sich dennoch kämpferisch. Mit Blick auf seinen Konkurrenten sagte Haddad zuletzt, er wolle den "Faschismus" in Brasilien verhindern. Bolsonaros Pläne würden "wirklich Angst machen". Dem Rechtsaußen-Kandidaten wirft er zudem unrechtmäßige Wahlkampfhilfen vor. Bolsonaro soll über den Nachrichtendienst WhatsApp von Unternehmen Falschinformationen verbreiten lassen. Die Bundespolizei ermittelt. Erst am Sonntag gingen tausende Anhänger Bolsonaros auf die Straße.