Berlin. (dpa) Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Zahl der Atomwaffen von 70.000 auf knapp 15.000 geschrumpft. Gleichzeitig haben allerdings die potenziellen Konfliktherde für einen Atomkrieg zugenommen. Das größte Problem ist aber: Die Verlässlichkeit in der internationalen Politik und damit auch zwischen den Atommächten hat dramatisch abgenommen, seit Donald Trump vor knapp zwei Jahren ins Weiße Haus eingezogen ist.

US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg aus gleich zwei Abkommen erklärt, die einem neuen atomaren Wettrüsten entgegenwirken sollen. Dabei handelt es sich um das Atomabkommen mit dem Iran und den INF-Vertrag über das Verbot atomarer Mittelstreckenraketen in Europa. Nach Ansicht von Experten ist die atomare Bedrohung damit heute wieder so groß wie zur Zeit des Kalten Krieges.

Hier die fünf größten Gefahren:

1. USA und Russland

Die angedrohte Aufkündigung des INF-Vertrags durch Trump kam plötzlich, aber nicht überraschend. Die USA werfen Russland seit mehr als drei Jahren offen Vertragsbruch vor. Ihrer Einschätzung nach entwickeln und erproben die russischen Streitkräfte eine neue landgestützte Mittelstreckenrakete. Russland wirft den USA im Gegenzug vor, den Vertrag mit der Errichtung einer Raketenabwehrstation der Nato in Rumänien verletzt zu haben. Ein amerikanisch-russischer Gipfel soll 2019 eine Lösung bringen.

Vertragsunterzeichner und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow prophezeite bereits im vergangenen Jahr dramatische Auswirkungen für den Fall einer Aufkündigung des Vertrages: "Wenn das System der Atomwaffenbegrenzung zusammenbräche (. . .), wären die Folgen katastrophal." Der Vertrag gilt als Basis einer 30-jährigen Phase atomarer Abrüstung. Die Aufkündigung könnte in der Tat die Wende zu einem neuen Wettrüsten in Europa bedeuten.

2. China

Der geplante Rückzug der USA aus dem INF-Abrüstungsabkommen hat mindestens so viel mit China zu tun wie mit Russland. Nach US-Angaben hat Chinas Volksbefreiungsarmee das weltweit größte Arsenal von mehr als 2000 ballistischen Raketen und Marschflugkörpern. Davon würden 95 Prozent unter das Abkommen fallen, wenn China Vertragspartner wäre.

Die Atommacht China ist mit rund 280 nuklearen Sprengköpfen zwar klein im Vergleich zu den USA mit 6450. Aber es geht den USA genauso um konventionelle Schlagkraft. Denn die Raketen können China im Kriegsfall dazu dienen, die US-Streitkräfte im Pazifik zu stören und ihnen den Zugang zu strategisch wichtigen Gebieten zu verwehren.