Washington. (apa) Kommende Woche wählen die US-Amerikaner einen neuen Kongress, die Demokraten könnten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus erlangen. Der Senat wird wohl in Händen der Republikaner bleiben, weil hier die Ausgangsposition für die Demokraten ungünstig ist.

Der US-Politikexperte Bob Shrum ist der Ansicht, dass selbst ein Teilsieg im Unterhaus die Chancen der Demokraten bei der Präsidentenwahl 2020 verbessern würde. "Ich glaube nicht, dass ein demokratisches Repräsentantenhaus gut für eine Wiederwahl Donald Trumps wäre. Es würde den Demokraten die Gelegenheit geben, die politische Agenda zu bestimmen und einen Kontrast zum Präsidenten zu schaffen", zieht der Experte einen Vergleich zur Zwischenwahl 2006, als der damalige republikanische Präsident George W. Bush die Kontrolle des Parlaments verlor und 2008 die Demokraten auch die Präsidentschaft zurückeroberten.

"Glaube nicht an Amtsenthebungsverfahren"

Eine Absetzung durch ein demokratisches Repräsentantenhaus muss Trump nicht unmittelbar fürchten. "Ich glaube nicht, dass die Führung der Demokraten eine Amtsenthebung einleiten wird", so Shrum. Man werde zunächst den Bericht von Sonderermittler Robert S. Mueller abwarten, "bevor man sich auf dieser Front bewegt".

Shrum war seit den 1970er Jahren zunächst als Redenschreiber und dann als Wahlkampfmanager für zahlreiche demokratische Politiker tätig, darunter die Präsidentschaftskandidaten Ted Kennedy, John Kerry, Al Gore, Joe Biden und Bernie Sanders. Im Jahr 2009 zog er sich aus der Politikberatung zurück und ist Professor für Politikwissenschaft am Dornsife College der University of Southern California (USC) in Los Angeles, deren Meinungsforscher im Jahr 2016 als Einzige den möglichen Wahlsieg Trumps vorhergesagt haben.

"Unsere Umfrage hat beständig vorhergesagt, dass Trump eine Siegeschance hat, und die Leute dachten, dass es ein Ausreißer ist", erinnert Shrum. "Aber es stellte sich als richtig heraus."

Auch diesmal könne man das Wahlergebnis nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen, aber die Umfragen zeigten eine "bemerkenswerte Stabilität". Im September hätten die Demokraten einen Vorsprung von 14 Prozentpunkten gehabt, bei einer neuen Erhebung in der Vorwoche 13 Prozent, was im Bereich der statistischen Fehlerquote sei.

"Vorhersagen sind immer gefährlich, aber wenn ich eine Schätzung abgeben müsste, dann würde ich sagen, dass die Demokraten 30 Sitze im Repräsentantenhaus dazugewinnen, wodurch sie die Mehrheit hätten", so Shrum. Derzeit haben die Republikaner mit 235 zu 193 Sitzen die Mehrheit im 435-köpfigen Abgeordnetenhaus, das jedes zweite Jahr komplett neu gewählt wird.