Infolge der großen Not konnten die Menschen erst ab den 1950er Jahren daran denken, sich mit neuen Möbeln zu versorgen. Bis dahin hatte man einrichtungsmäßig, wie es auf gut Wienerisch so schön heißt, mehr oder minder "dahingewurschtelt".

Ein Meilenstein der nachkriegszeitlichen Wohnungsmöblierung war die von der SPÖ-Frauenbewegung initiierte Ausstellung "Die Frau und ihre Wohnung" im Wiener Messepalast gewesen, die vom 2. bis 26. Dezember 1950 stattgefunden hatte. Binnen kurzer Zeit konnten mehr als 117.000 Besucher gezählt werden. Die gezeigten Mustereinrichtungen fanden beim Publikum großen Anklang. Wie sich herausstellte, wurden die neu entworfenen Möbel zunächst vor allem von der weniger begüterten Bildungsbürgerschicht angenommen.

Es entstand sehr rasch eine Initiative, auch für die Arbeiter und Angestellten erschwingliche Möbel zur Verfügung zu stellen. Freilich stand von vornherein fest, dass das nur im Wege einer Serienproduktion gelingen könne.

Nach entsprechenden Vorarbeiten wurde 1954 der Verein "Soziale Wohnkultur" (SW) gegründet. Um die SW-Aktionen entsprechend abzusichern, kam es zur Einrichtung eines mit 10 Millionen Schilling dotierten Risikofonds, an dem sich vor allem die Gemeinde Wien und die Arbeiterbank (nachmals BAWAG), aber auch der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Gewerkschaft Bau-Holz beteiligten.

Nach der Einrichtung dieses Risikofonds stand der SW-Möbelproduktion nichts mehr im Wege. An der Produktion beteiligten sich viele Firmen, die nun durch Serienherstellung niedrige Preise garantierten. Auf der anderen Seite konnten den Kunden - abgesichert durch den Risikofonds - ziemlich günstige Möbelbeschaffungskredite eingeräumt werden.

Ab 1956 gab es am Wiener Lerchenfelder Gürtel eine ständige Möbelausstellung. Kaufanreiz war nicht nur der günstige Preis, sondern auch die vielfältige Kombinationsmöglichkeit. Je nach Finanzlage konnte man aus dem reichhaltigen SW-Programm nach und nach Möbel auswählen, die stets zusammenpassten. Als praktisch hinsichtlich der Raumpflege erwies sich die ausgesprochene Bodenfreiheit der Möbel. Auffallend war vor allem die Buntheit mancher SW-Möbel, was ein völlig neues Lebensgefühl bedeutete.

Ab 1968 ging es mit der SW-Möbelaktion steil bergab, wofür unter anderem das Ende der Kreditaktion ausschlaggebend war.

Das SW-Projekt. möbel.zeit.formgefühl

Sonderausstellung im Bezirksmuseum

Josefstadt (noch bis 29. März 2006)

1080 Wien, Schmidgasse 18

Mi. 18 bis 20 Uhr, So. 10 bis 12 Uhr

Tel. 01 / 403 64 15

Info im Web: www.bezirksmuseum.at

Eintritt frei