Im bereits 7. "Fundort Wien" wird auf 280 Seiten und anhand zahlreicher Farb-Abbildungen und -Skizzen all das dokumentiert, was für die Stadtarchäologie im abgelaufenen Jahr wichtig war und bleibt. Längst ist dieses gleichermaßen informative wie übersichtliche Werk zum beliebten Standardwerk für die einschlägige Wien-Forschung geworden. Idee und Konzept stammen ebenso wie Layout und graphische Gestaltung aus dem vielseitigen Mitarbeiterkreis.

Die Bände selbst gliedern sich in einen umfangreichen Aufsatzteil zu den laufenden Wien-Forschungen, ein Forum, das auch gerne von externen Wissenschaftlern genutzt wird. Es folgt die Fundchronik aus kurzen Vorberichten zu den Ausgrabungen und Fundbeobachtungen des vergangenen Jahres. Im Anschluss daran sind Tätigkeits- bzw. Tagungsberichte und ähnliches gereiht.

"Mit diesem Jahresbericht wollen wir nicht nur das Fachpublikum ansprechen, sondern auch den interessierten, angesichts des Konzepts müsste man fast sagen, den emanzipierten Leser", erklärt dazu Wiens Stadtarchäologin Karin Fischer Ausserer. Dieser sollte sich darauf verstehen, geschichtliche Zusammenhänge, kulturhistorische Details oder besondere Funde wie Rosinen aus dem Fließtext und den zahlreichen Abbildungen herauszupicken.

Hilfestellung dabei bietet das lockere Layout, das die wissenschaftlich unverzichtbaren Anmerkungen, Tabellen, Kataloge und Literaturzitate graphisch leicht erkennbar macht. Darüber hinaus führen anschauliche Pläne und Graphiken in die Materie ein und allfällige Glossare zum Fachvokabular erleichtern das Verständnis.

Der soeben erschienene Band 7 sticht schon durch das auffallende Lila ins Auge, wie sich überhaupt die ganze Reihe fröhlich wie ein Regenbogen präsentiert. Er ist heuer erstmalig unter der Leitung der neuen Stadtarchäologin Karin Fischer Ausserer erschienen und wird ab jetzt - entsprechend der Integration der Abteilung in das Referat "Kulturelles Erbe" der MA 7 – vom Magistrat der Stadt Wien herausgegeben. Der Leitartikel ist dieser Wende gewidmet und bilanziert die wechselhafte, über 100-jährige Geschichte der Stadtarchäologie.

Rütteln am Schulwissen

Mit der Entstehung des geologischen Reliefs des Wiener Stadtgebiets, den sich ständig verlagernden Flussläufen von Donau und Wien und den damit aufs Engste verbundenen Konsequenzen für die Siedlungstätigkeit befassen sich zwei weitere, interdisziplinär angelegte Aufsätze. Geologen, Informatiker und Archäologen konnten durch diese Zusammenarbeit ein extremes Hochwasserereignis etwa im letzten Drittel des

3. Jahrhunderts nachweisen. Dieser Katastrophe fiel vermutlich die Nordwestecke des römischen Legionslagers, fast ein Drittel seiner Gesamtfläche, zum Opfer. Illustriert wird die antike Geländesituation durch hervorragende digital erstellte dreidimensionale Abbildungen, die der Vorstellungskraft des Lesers sehr entgegenkommen.

Einen weiteren Schwerpunkt der Aufsätze bieten die Keramikfunde: So wurden unter anderem sehr qualitätsvolle, hallstattzeitliche Stücke aus einer Altbergung in Oberlaa vorgestellt und die Existenz von Töpferwerkstätten in der Lagervorstadt von Vindobona, die pannonische Glanztonware produzierten, diskutiert. An unserem Schulwissen rütteln neu aufgeworfene Fragen zum Zeitpunkt der Planierung der ersten mittelalterlichen Stadtbefestigung, die zumindest im Bereich des heutigen Platzes Am Graben auf dem antiken Lagergrabensystem fußte.

Feuer und Waffen

Militär- und wirtschaftshistorisch interessant gestaltet sich der Aufsatz über ein in Schloss Neugebäude geborgenes Flintsteindepot. Die Entwicklung von sogenannten Steinschlosswaffen im 17. Jahrhundert, für deren Zündung der Flintstein unabdingbar war, revolutionierte das Waffenwesen. Kein Wunder, dass sich die österreichische Monarchie aus der Importabhängigkeit von den marktbestimmenden Produktionszentren in Frankreich zu lösen versuchte.

"Schon diese Streiflichter zeigen, wie vielfältig unser Forschungsgebiet in der Stadtarchäologie ist", betont Fischer Ausserer. Dessen reiche Ausbeute kann überdies in der gleichzeitig existierenden Monographienreihe "Wiener Archäologische Studien (WAS)" ausführlich nachgelesen werden. Letztere dient der Publikation von größeren Ausgrabungen oder Themenbereichen und umfasst mittlerweile schon sechs Bände. Wie "Fundort Wien" sind die "Studien" entweder über den Buchhandel oder direkt beim Phoibos Verlag (Tel.: 01/544 03 191, office@phoibos.at) zu bestellen.

Mehr Info zu Büchern und Inhaltsverzeichnis:

Tel.: 01/40 00/811 59 oder www.wien.gv.at/archaeologie/publikationen

w.grotte@wienerzeitung.at