Bei Untersuchungen des Lagers durch die Stadtarchäologie Wien fiel seine ungewöhnliche Form auf: Die Nordfront zeigt einen für mittelkaiserzeitliche Lagergrundrisse ungewöhnlich schrägen Verlauf entlang der Abbruchkante des Plateaus zur Donau hin. Weil es aber als sicher galt, dass das ursprüngliche Legionslager aus dem 1. Jh. einen rechteckigen Grundriss hatte, suchte man den Grund für diese Anomalie.

Großer Erdrutsch im 3. Jh.

Wie Geologen anhand von Bohrprofilen im Bereich Gonzagagasse-Morzinplatz erkannten, hatten dauernde Unterspülung durch einen Donauarm (heutiger Donaukanal) den ganzen Nord-West-Bereich des Lagers abrutschen lassen und somit vernichtet. Steht man heute vor der Kirche Maria am Gestade die sich genau an die damals entstandene Außenlinie des Plateaus schmiegt, kann man diesen Einschnitt zwar kaum noch erahnen, für die Rekonstruktion des antiken Geländes spielt jene Naturkatastrophe aber eine große Rolle.

94 Hektar Lagervorstadt

Vor den Mauern des Legionslagers ließen sich schon während dessen Errichtung zum Legions-Tross gehörende Handwerker und Händler nieder. Die erste Ansiedlung wird im Bereich von der Freyung bis zum Michaelerplatz angenommen. Der Michaelerplatz wurde bereits 1990/1991 eingehend archäologisch untersucht, heuer ist es Wiens engagierter Stadtarchäologin Karin Fischer Ausserer sogar gelungen, in Kooperation mit dem Wien Museum eine Ausstellung zu gestalten, die vom 3. August bis 3. Oktober alle faszinierenden Ergebnisse dieser Ausgrabung zeigt. Eine entscheidende Rolle in Vindobona spielte die zentrale Verkehrsader der Siedlung, die Limesstraße, an der sich die Bauten orientieren. Richtung Südosten etwa findet man die frühesten, sehr bald wieder aufgelassenen Grabstätten des Stützpunktes im Bereich Stallburggasse. Die Lagervorstadt umfasste in ihrer Blütezeit über 94 Hektar.

Gelände-Rekonstruktion

Die Nachbildung des antiken Geländes im und um das Legionslager gelang vor allem durch Daten aus Karten des

1. Bezirks im 19. Jahrhundert. Entscheidender Vorteil: moderne Bauprojekte fehlen gänzlich. Damit wurden drei Geländemodelle erzeugt: Das erste spiegelt die topografische Situation Ende des 19. Jahrhunderts wider, das zweite rekonstruiert den spätantiken Zustand nach der Hochwasserkatastrophe und das dritte stellt schließlich das Plateau der Stadtterrasse in seiner (hypothetisch) ursprünglichen Form dar, wie sie sich den Römern bei ihrer Ankunft in Wien dargeboten haben könnte.

Der Weg zum 3D-Modell

In einer ersten Phase dieses faszinierenden Kooperationsprojektes zwischen Stadtarchäologie und zugezogenen Fach-Institutionen wurde der Zustand vor dem Hochwasserereignis rekonstruiert. Die wichtigste Grundlage für das dreidimensionale Modell des mittelkaiserzeitlichen Legionslagers bildete Stadtarchäologe Martin Mosser´s Plan der bekannten Strukturen des Legionslagers Vindobona, daneben existierten bereits eine dreidimensionale Rekonstruktion der porta principalis dextra und einige bisher unpublizierte Vorarbeiten zur Rekonstruktion der spätrömischen Strukturen entlang des Donauabbruchs.

Damit konnte Partner "7reasons Digital Graphics" dann einige der Lager-Hauptgebäude wie die principia, die Tribunenhäuser (Offiziersquartiere), die Kasernen südlich der via principalis und die portae principales mit relativer Sicherheit modelliert werden, bei anderen Bauwerken stützte man sich auf Pläne ähnlicher Lager.