Wien. Wien ist am gestrigen Sonntag bunter geworden - jedenfalls politisch. War 2017 die SPÖ noch in 19 von 23 Bezirken stärkste Partei, ist sie dies nun nur noch in elf. Zahlreiche Innenbezirke gingen bei der Nationalratswahl an die Grünen. Liesing und Penzing erstrahlt nun hingegen, so wie die City, Döbling und Hietzing, in Türkis.

Für die SPÖ, die in Wien laut vorläufigem Endergebnis auf 28,9 Prozent kam, setzte es durchwegs herbe Verluste. Mit einem Minus von 5,6 Prozentpunkten blieben die Roten zwar stärkste Partei, sie mussten in manchen Bezirken aber massiv Federn lassen. Es waren dies jene Gebiete, in denen die Grünen 2017 ein Debakel erlebten. Nun hat sich der Spieß umgedreht.

Favoriten positiver SPÖ-Ausreißer

In den sogenannten Arbeiterbezirken sieht die Situation eine Spur besser aus, wobei hier Favoriten als für die SPÖ positiver Ausreißer zu sehen ist. Mit mehr als 38 Prozent blieb das Ergebnis dort nahezu unverändert.

Doch alleine in Neubau sackte die SPÖ um 14,5 Prozentpunkte (Ergebnis: 20,7 Prozent) ab. Die Grünen legten dort um 24,3 Prozentpunkte zu, sie kamen auf einen Stimmanteil von 36,4 Prozent. Die Ökopartei ist jetzt in Wieden, in Mariahilf, in Neubau, in der Josefstadt, im Alsergrund sowie in Währing - das sie der ÖVP abknöpfen konnten - auf dem ersten Platz.

Die ÖVP musste zwar "nur" Währing an die Grünen abgeben, hat tatsächlich aber auch in einigen ihrer Hochburgen verloren. Zumindest laut dem vorläufigen Ergebnis ohne Wahlkarten waren Rückgänge in Döbling, Hietzing und der Josefstadt zu verzeichnen. Am deutlichsten fiel dieser in der City mit rund 4,5 Prozentpunkten aus. Im Gegenzug konnten die Stadt-Türkisen aber in jenen größeren Bezirken deutliche Zuwächse verzeichnen, in denen sonst die FPÖ der SPÖ das Leben schwer gemacht hat.

Blaues Wien-Desaster

Die Blauen erlebten ein Desaster in ganz Wien. Stärkste Partei waren sie - zumindest bei einer Nationalratswahl - auch bisher in keinem Bezirk. Nun sind sie aber auch in den Flächenbezirken arg dezimiert worden. In Simmering, wo sie seit 2015 den Bezirksvorsteher stellen, büßten sie etwa mehr als 10 Prozentpunkte ein. Mit 22 Prozent liegen sie dort nun hinter SPÖ und ÖVP auf dem dritten Platz.

Was das Ergebnis für die Wien-Wahl im kommenden Jahr bedeutet, darüber wird nun bereits spekuliert. Auch ob der Wahltermin hält, wird sich weisen. Derzeit ist der Urnengang für den Herbst geplant. Dass Rot-Grün angesichts der Schwäche der FPÖ die Wahl vorverlegen könnte, wurde zuletzt gelegentlich gemunkelt. Allerdings spricht nun das für die SPÖ ernüchternde Resultat wohl gegen diese Theorie. (apa)