Skatepark im Zentrum der Neubauten unerwünscht

Nachdem der Mietvertrag mit den ÖBB ausgelaufen war, waren auch die Fürsprecher im Rathaus weg. "Plötzlich war keine Rede mehr davon, dass wir bleiben können", sagt Ben. Der Wind hatte sich gedreht. Er blies den Skatern frontal ins Gesicht. Die Fläche des Skateparks soll ein Teil der "Freien Mitte" werden - so der Name der Grünfläche, die nach abgeschlossener Stadtentwicklung auf der Brache bleiben soll - hieß es nun. "Selbstverständlich ohne Skatepark. Die Herrn Investoren können uns im Zentrum ihrer Neubauten nicht brauchen", sagt Ben. Also wurde das Areal 2016 gesperrt. Eine private Security-Firma vertrieb Nachbarskinder, die hier weiter Skatebordfahren wollten. Im September 2017 wurde er schließlich geschleift. Zum zweiten Mal. Von Bürgern geschaffen, von Behörden niedergewalzt. Was blieb, waren Schutthaufen. Und die grüne Bezirksvorsteherin Ursula Lichtenegger, die sich über den Abriss medienwirksam empörte, aber nichts dagegen tat.

Diese Divergenz der Stadt ist symptomatisch für ihren Umgang mit emanzipiert agierenden Bürgern. Sie kann nicht loslassen. Sie wird unsicher angesichts echter, autonomer Beteiligung. Ihr Hadern mit den eigenen Positionen manifestiert sich nur wenige Meter neben dem zerstörten Skatepark ein weiteres Mal.

Die Nordbahnhalle steht verwaist zwischen wild gewachsenen Pappeln und Baukränen. Der Betrieb im Kultur- und Nachbarschaftszentrum wurde eingestellt. Um die Halle entsteht ein nagelneues Viertel. 20.000 Menschen sollen bis 2030 hier leben. Vor dem verriegelten Eingangstor steht ein Schild. Darauf verschreibt sich die Stadtregierung eine einjährige "Nachdenkpause". Erst danach wird entschieden, ob die Nordbahnhalle eine Zukunft hat.

Eine Vergangenheit hatte sie. Und was für eine. Vor rund zweieinhalb Jahren entdeckte die TU Wien die Nordbahnhalle. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung wurde die alte Lagerhalle für unterschiedliche Nutzungen adaptiert. Die Studierenden richteten eine Werkstatt ein, bauten Co-Working-Büros, eröffneten eine Veranstaltungshalle mit Gastro-Bereich. Die Idee dahinter war einfach, aber gut. "Die geschaffene Infrastruktur sollte Kreative schon vor der Fertigstellung des Stadtviertels anlocken", sagt Peter Fattinger, Professor am Wohnbau-Institut der TU Wien. Nach der vereinbarten Zwischennutzung von zwei Jahren, sollten die EPUs, Handwerker, Akteure dem Viertel weiter treu bleiben und in die Neubauten umziehen. So funktioniert vorausschauende Belebung.