Bei anderen ist der Blutdruck gestiegen, manche Wiener fühlen sich schikaniert. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zeigt sich hingegen gelassen und hat grundsätzlich Verständnis dafür, dass sein SPÖ-Parteikollege Landeshauptmann Hans Peter Doskozil am Mittwoch eine Beschränkung des Seezutritts am Neusiedlersee angekündigt hat. "Im Gegensatz zu machen Kommentaren sehen wir das nicht so, dass sich diese Maßnahmen gegen ,Nicht-Burgenländer‘ richtet." Denn diese Regulierung gelte auch für Burgenländerinnen und Burgenländer, die außerhalb des Radius zu den Seebädern wohnen.

Ludwig betonte daher ausdrücklich, dass es sich eben nicht um eine "Lex Wien" handle. Umgekehrt ist die Nutzung von Seehütten durch ihre Besitzer, egal aus welchem Bundesland sie kommen, möglich, teilte der Wiener Bürgermeister der "Wiener Zeitung" auf Anfrage hin mit. Die Begrenzung des Seezutritts gilt für Bewohner außerhalb eines Umkreises von 15 Kilometern um ein Seebad beim Neusiedlersee, ausgenommen von diesen Beschränkungen sind insbesondere Besitzer von Seenhütten.

Auch politisch hat die Beschränkung des Seenzugangs, der vor allem auch Ausflügler aus Wien und Niederösterreich trifft, für stürmischen Gegenwind im pannonischen Schilf gesorgt. Vor allem FPÖ-Obmann Norbert Hofer, der aus Pinkafeld im Burgenland kommt und seit wenigen Wochen auch burgenländischer FPÖ-Obmann ist, nahm Burgenlands Landeshauptmann Doskozil ins Visier. Man könne Menschen nicht von einem Tourismusgebiet fernhalten und dann erwarten, dass diese nach der Corona-Krise dankbar wieder als Gäste ins Burgenland kämen, betonte Hofer. Der Seezugang müsse offen bleiben, es sollten aber alle Regeln, die auch in anderen Regionen Österreichs gelten, zur Anwendung kommen und kontrolliert werden. Hofer kritisierte außerdem, dass nicht nur Bewohner anderer Bundesländer, sondern auch eine große Mehrheit der burgenländischen Bevölkerung von der angekündigten Maßnahme betroffen sei.

Der Neusiedlersee ist auch im Frühjahr Ausflugsziel und Erholungsgebiet für Tausende Wiener. Burgenlands SPÖ war am Donnerstag um Beruhigung bemüht, es handle sich um eine Regulierung des Zutritts. Der beschränkte Zugang zum Neusiedlersee soll demnach vorerst bis zum 30. April gelten. Danach werde man aufgrund der weiteren Entwicklung durch die Folgen der Corona-Krise entscheiden.

Innenminister will Rechtsgrundlage anschauen

Der Wiener Bürgermeister hob hingegen ausdrücklich die gute Achse mit dem Burgenland und auch mit Landeshauptmann Doskozil hervor. "Wien und das Burgenland arbeiten sehr eng und hervorragend zusammen. Unsere Verbundenheit mit den Burgenländerinnen und Burgenländern spiegelt sich auch in der ausgesprochen konstruktiven und freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und mir, als Landeshauptmann und Wiener Bürgermeister wider", erklärte Ludwig. "Ich vertraue auch darauf, dass die Behörden im Burgenland - so wie auch in Wien - die angemessenen und richtigen Maßnahmen setzen, wenn diese notwendig sind", stellte der Wiener Stadtchef fest. Der Bürgermeister mische sich grundsätzlich nicht in die Angelegenheiten anderer Bundesländer oder Städte ein, wurde im Wiener Rathaus betont.

Die konkrete Umsetzung und Einhaltung der Zugangsbeschränkungen bei den Seebädern am Neusiedlersee war zunächst noch unklar. Innenminister Karl Nehammer stellte klar: "Die Polizei kann immer dann handeln, wenn es dafür eine Rechtsgrundlage gibt. Und genau die werden wir uns dann anschauen, wenn sie der Landeshauptmann vom Burgenland erlässt." Denn die Exekutive müsse sich für die Handhabe die Rechtsgrundlage "genau anschauen".

Im Büro des Bürgermeisters wurde auch betont, dass ein Vergleich zur Forderung der Wiener Stadtregierung und der SPÖ an die türkis-grüne Bundesregierung zur Öffnung der Bundesgärten "sehr stark hinkt". Denn bei den Bundesgärten, die letztlich in der Bundeshauptstadt am Dienstag nach Ostern geöffnet worden sind, sei es so, dass gleich daneben Grünflächen der Stadt Wien offen gewesen seien. Für diese Unterscheidung habe es keine Erklärung gegeben.