Zumindest in Sachen Aktionismus sorgt das Coronavirus im Wiener Gemeinderat für keinerlei Einschränkungen: Am Dienstag hat die FPÖ mit einem Transparent gegen die neue Sitzordnung, wonach Mandatare zwecks Abstandsregel auch auf die Besuchertribüne ausweichen müssen, ihren Unmut kundgetan. Sie forderte "Zurück zur Demokratie". Die Neos bedachten die Blauen daraufhin mit einem Aluhut.

Seit Ausbruch der Pandemie finden Sitzungen des Gemeinderats und Landtags im Wiener Rathaus unter speziellen Spielregeln statt. Neben verkürzten Redezeiten und einer regelmäßigen Desinfektion des Rednerpults gehört dazu auch eine neue Sitzordnung. Einzelne Abgeordnete müssen seither auf die Tribüne ausweichen, damit die Bänke nicht allzu dicht besetzt sind.

FPÖ ignoriert Sitzplan

Die FPÖ ignorierte den neuen Sitzplan nun erstmals. Sämtliche blauen Mandatare saßen wie vor Corona-Zeiten ohne Abstand an ihren angestammten Plätzen. "Wir wollen zurück zur alten Normalität", erklärte Klubobmann Anton Mahdalik. Als die Fraktionen die Vereinbarung zum geänderten Sitzungsablauf beschlossen hatten - also Mitte März -, sei die Situation eine andere gewesen: "Es wurde der Teufel an die Wand gemalt, es wurde - wie wir heute wissen - bewusst Angst gemacht." Inzwischen sei das aber nicht mehr aktuell.

Während die SPÖ-Abgeordneten mit "Wir halten Abstand aus Respekt"-Taferln konterten, reagierte Neos-Klubobmann Christoph Wiederkehr deftiger. "Das hat nichts mit Demokratie zu tun, sondern das hat mit Dummheit zu tun", richtete er den Blauen aus. Man könne darüber diskutieren, ob oder inwiefern die Sitzungen im Juni wieder nach alter Ordnung abgehalten werden können. Aber es sei "lächerlich und widersinnig", hier darauf zu bestehen, keinen Abstand mehr zu halten: "Sie sind die Aluhut-Fraktion des Gemeinderats" - sprach’s und überreichte Mahdalik eine ebensolche Kopfbedeckung.

Die ÖVP wollte noch am Nachmittag mittels Dringlichen Antrags die Kooperation mit der Bundesregierung erzwingen. "Unser Kampf gilt dem Coronavirus, nicht einer anderen Partei. Daher soll auch Gesundheitsstadtrat Hacker nicht Statistiken bekämpfen, sondern den Ursachen in den Statistiken auf den Grund gehen", sagte der nicht amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch (ÖVP). Obwohl Wien nur 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung habe, entfallen seit 1. Mai 60 Prozent der Neuinfektionen auf Wien, gab er in einer Pressekonferenz zu bedenken.