Die Gemeinde Wien geht einen weiteren Schritt bei der Pandemie-Bekämpfung und erlässt eine FFP2-Maskenpflicht an belebten und beliebten Plätzen in der Innenstadt. Wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Gespräch mit der APA bekannt gab, sind davon der Donaukanal, der Schweden- und der Stephansplatz, der Karlsplatz mit dem anschließenden Resselpark sowie der Maria-Theresien-Platz zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum betroffen. Die Regel gilt bereits ab Donnerstag.

Ob es bei diesen Plätzen bleibt, ist indes noch unklar. Wie Ludwig unterstrich, würde man bei Ausweichen auf andere Orte auch dort entsprechende Maßnahmen umsetzen. Dauern soll die Maskenpflicht wie die gesamte "Oster-Ruhe", die ja unter anderem auch den Handel und die persönlichen Dienstleister betrifft, mindestens bis 10. April.

Ab morgen gilt in Wien an belebten öffentlichen Plätzen in der Innenstadt eine Maskenpflicht. - © APA / Helmut Fohringer
Ab morgen gilt in Wien an belebten öffentlichen Plätzen in der Innenstadt eine Maskenpflicht. - © APA / Helmut Fohringer

Ludwig appelliert: "Zu Ostern daheim bleiben"

Der Bürgermeister betonte, dass es dabei natürlich nicht darum gehe, jemanden "zu sekkieren". Den Menschen müsse vielmehr klar sein, dass es um ihre Gesundheit und die ihrer Mitmenschen gehe. Auch junge Menschen seien mittlerweile oft hart getroffen mit mehrwöchigen Aufenthalten auf den Intensivstationen. Er appelliere daher an alle, die Situation ernst zu nehmen und zu Ostern daheim zu bleiben, da aber soziale Kontakte über Telefon und soziale Medien zu halten.

Um der dramatischen Situation an den Spitälern Herr zu werden, wird die Stadtregierung auch eine Änderung des Krankenanstaltengesetzes vornehmen. Diese soll es ermöglichen, mehr Plätze zu schaffen. Dies soll über einen flexibleren Einsatz des Personals funktionieren, jedoch ohne Qualitätsverlust, wie Ludwig versicherte.

Niederösterreich und das Burgenland sollen folgen

Noch steht Wien mit seiner verlängerten "Oster-Ruhe" alleine da, doch ist Ludwig überzeugt dass auch Niederösterreich und das Burgenland folgen werde. Entsprechende Maßnahmen zu setzen, sei "alternativlos". Er habe den Eindruck, dass manche Bundesländer sich denken würden, dass man im Notfall immer noch Wien habe, doch helfe man zwar gerne, die Ressourcen seien aber auch in der Bundeshauptstadt irgendwann erschöpft, warnte der Bürgermeister.

Das Burgenland betonte indes am Mittwoch einmal mehr, mit Niederösterreich und Wien eine gemeinsame Lockdown-Lösung finden zu wollen. Nachdem die Bundeshauptstadt die "Oster-Ruhe" schon verlängert hat, wolle man sich mit Niederösterreich bis Freitag abstimmen, hieß es am Mittwoch aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). Es brauche einen Schulterschluss der Länder, wurde gegenüber der APA bekräftigt. Die Ausweitung der FFP2-Maskenpflicht auch auf den Arbeitsplatz steht ebenfalls noch in Verhandlung.

Wien bis 10. April im Lockdown

Angesichts stark gestiegener Corona-Zahlen gilt in Ostösterreich - Wien, Niederösterreich und dem Burgenland - ab Gründonnerstag und bis Dienstag nach Ostern ein kurzer Lockdown. Die Bundeshauptstadt hat bereits bekannt gegeben, diesen bis 11. April zu verlängern. Formal reichen die Verordnungen zunächst nur bis 10. April.

Zur Frage, wie es in den anderen beiden Bundesländern weitergeht, soll die Situation bei den Corona-Infektionen sowie in den Spitälern und vor allem auf den Intensivstationen noch bis Freitag beobachtet und dann eine Entscheidung getroffen werden, hieß es im Burgenland. Näheres war zunächst nicht zu erfahren. Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen in burgenländischen Spitälern war indes ein wenig gesunken. Nach dem Höchststand am Sonntag mit 25 Erkrankten betrug die Zahl derer, die intensivmedizinische Versorgung benötigen, am Mittwoch 19. Allerdings wurden auch weitere Todesfälle verzeichnet.

Auch wenn mit einer Entscheidung vor Freitag nicht zu rechnen ist, tauschen sich die Länder - mit dem Gesundheitsministerium - täglich aus. Die laufende Abstimmung zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung sei "auf jeden Fall zielführend", teilte das Büro von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Mittwoch auf Anfrage mit. Dementsprechend "sind wir täglich miteinander im Kontakt".

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hielte die Ausweitung der Maßnahmen, wie er in den vergangenen Tagen mehrfach betonte, für dringend geboten - und zwar nicht nur der Dauer im Burgenland und Niederösterreich, sondern auch auf andere Bundesländer.

Weiterhin keine FFP2-Pflicht am Arbeitsplatz

Definitiv nicht - wie geplant - mit Gründonnerstag in Kraft treten wird die Ausweitung der FFP2-Maskenpflicht auch auf Innenräume. Dies würde vor allem die Arbeitswelt betreffen - und sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmervertreter haben sich quergelegt. Das Gesundheitsministerium steht deshalb in Verhandlung mit den Sozialpartnern.

Gebremst hat das Vorhaben auch, dass FFP2-Pflicht am Arbeitsplatz und verpflichtende Berufsgruppentests (mit denen die Maskenpflicht ja wegfallen könnte) als Schutzmaßnahmen-Paket gesehen werden. Die Pflicht zur wöchentlichen Testung für bestimmte Berufsgruppen liegt aber - mit der Blockade der Epidemie- und Coronagesetzes-Novellen durch die Oppositionsmehrheit im Bundesrat - für acht Wochen auf Eis. Auch die geplanten Zutrittstests im Handel kommen so vorerst nicht. Ludwig sieht hier ein Problem der Praktikabilität.

Impfziel revididiert

Zuvor hatte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz erneut einen Mangel an verfügbaren Impfstoffen zum Schutz vor SARS-CoV-2 beklagt und das ursprüngliche Impfziel für die Bundeshauptstadt revidiert. Das ursprüngliche Vorhaben, bis Ende Juni 70 Prozent der impfbaren Wiener Bevölkerung geschützt zu haben, sei nicht mehr einzuhalten, sagte Hacker.

"Es schaut im Augenblick so aus, dass wir 60 Prozent der Bevölkerung, die für die Impfung infrage kommt, bis Ende Juni geimpft haben werden. Das ist weniger als erwartet", sagte Hacker. Es habe sich gezeigt, dass die avisierten Liefermengen nicht zur Verfügung stehen. Das neben dem Austria Center zweite angedachte Impfzentrum am Standort Messe wird daher vorerst nicht aufsperren, kündigte Hacker an. Mangels ausreichend verfügbarer Impfdosen wäre das "sinnlos".

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. - © APA / Herbert Neubauer
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. - © APA / Herbert Neubauer

"Laufen Gefahr, Match in Nachspielzeit zu verlieren"

Der Wiener Gesundheitsverbund hat am Mittwoch einen Appell an die Bevölkerung gerichtet. "Stellvertretend für unsere Ärztinnen und Ärzte bitten wir jeden Einzelnen, sich wirklich noch einmal an die Covid-Regeln zu halten. Es ist fast so wie bei einem Fußball-Match. Wir sind jetzt in der Nachspielzeit eines Fußball-Matches, wo wir alle bis dato tapfer gekämpft haben und jetzt Gefahr laufen, das Match in der Nachspielzeit zu verlieren", warnte ein Sprecher im APA-Gespräch.

Laut aktuellen Daten des Innen- und des Gesundheitsministeriums müssen derzeit insgesamt 741 Personen aufgrund einer Corona-Infektion in einem Spital betreut werden. Das sind um 13 mehr als noch am gestrigen Dienstag. Intensivmedizinische Betreuung benötigen davon 208 Personen, um zwei mehr als am Dienstag.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet wird das beträchtliche Patientenplus auf den Stationen in Wiens Krankenhäusern besonders deutlich. Im Wochenvergleich müssen um 102 Personen bzw. 16 Prozent mehr im Spital versorgt werden. Auf den Intensivstationen sind es um 32 Menschen bzw. um 18,2 Prozent mehr.

Um die Patientenversorgung in den Wiener Krankenhäusern zu managen, gibt es einen speziellen Covid-Stufenplan. Dabei wird die Planung der Spitalskapazitäten mit dem laufenden Monitoring der Auslastung der Covid-Versorgungsbereiche kombiniert. Das erlaubt, bei steigendem Bedarf ausreichend Kapazitäten rasch zur Verfügung zu stellen und umgekehrt wieder für die Regelversorgung sicherzustellen. Dabei wird bei der Betreuung von Corona-Infizierten mit den Ordensspitälern und bei der Auslagerung von Operationen mit den Privatspitälern kooperiert.

Der Stufenplan umfasst acht Stufen. Im Moment befinden sich die Spitäler weiterhin im Normalbettenbereich auf Stufe fünf, wo 550 Normalbetten für die Betreuung Covid-Erkrankter vorgesehen sind. Im Intensivbettenbereich wird in den Spitälern weiter auf Stufe sieben agiert, wo circa 260 intensivmedizinische Betten für Corona-Patientinnen und -Patienten freigehalten werden. Darin enthalten sind 90 Betten, die mit High-Flow-Oxygen-Geräten ausgestattet sind. Damit ist eine spezielle Sauerstoff-Therapie bei Corona-Patientinnen und -Patienten möglich.

Die Geräte wurden speziell für Corona-Kranke angeschafft und haben während der ersten und zweiten Welle gute Dienste geleistet. Im Moment sind allerdings viele dieser speziellen Betten frei, da diese Therapie bei viele Patientinnen und Patienten, die sich mit der britischen Mutation angesteckt haben, nicht mehr hilft. "Viele, die zu uns kommen, müssen invasiv oder mit Vollbetreuung beatmet werden", sagte der Sprecher des Gesundheitsverbundes der APA.

Im Intensivbettenbereich wird derzeit die - höchste - Stufe acht vorbereitet. In dieser Stufe sind 310 intensivmedizinische Betten (davon rund 100 Betten mit High-Flow-Oxygen-Geräten) und 768 Normalbetten für die Betreuung Corona-Kranker vorgesehen. Insgesamt verfügt der Gesundheitsverbund über rund 6.000 Normalbetten sowie 550 Intensivbetten - allerdings in Summe und nicht nur für an Covid-19 erkrankte Menschen. Der Preis des Bettenfreimachens für Corona-Patientinnen und -Patienten ist die weitere Reduktion von Leistungen. Die Aktuversorgung bleibt aber jedenfalls immer aufrecht.

Neu an der Versorgung von Corona-Infizierten ist nun ab sofort das zur Vinzenz Gruppe gehörende Orthopädische Spital Speising beteiligt, das dafür einen eigenen Bereich eingerichtet hat, wie in einer Aussendung mitgeteilt wurde. Die dortigen vier Intensivbetten werden von den Speisinger Fachärztinnen und Fachärzten für Anästhesie und Intensivmedizin, sowie der Intensiv-und Anästhesiepflege betreut. Bisher wurden in Speising Nicht-Covid-Intensivpatienten von anderen Spitälern übernommen, um deren Intensivstationen für die Betreuung von Covid-Erkrankten frei zu halten und in weiterer Folge zu entlasten.

Auswirkungen auf die Leistungen soll es laut Aussendung nicht geben. Nach derzeitigem Stand werden wie bisher operative und ambulante orthopädische Leistungen angeboten, hieß es. Die Intensivstation und der Aufwachraum würden weiterhin als Versorgungseinheiten für eigene wie auch externe Nicht-Covid-Patienten bestehen bleiben.

Was das Infektionsgeschehen in Wien betrifft, so gibt es mittlerweile laut medizinischem Krisenstab der Stadt seit Beginn der Pandemie 115.520 positive bestätigte Testungen. Darin enthalten sind 1.076 neue Fälle, inklusive Nachmeldungen der vergangenen Tage, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. Weiters sind 1.910 Todesfälle aufgrund von bzw. an den Folgen von Covid-19 dokumentiert. In den vergangenen 24 Stunden gab es dabei erneut elf Todesfälle zu beklagen. Wieder gesund sind 103.592 Personen.

Am gestrigen Dienstag wurden in Wien 78.155 Corona-Testbefunde eingemeldet, davon 45.932 PCR-Tests und 32.223 Antigen-Schnelltests. Der Anteil der britischen Variante (B.1.1.7) am Wiener Infektionsgeschehen liegt derzeit bei 93 Prozent. (apa)