Wien wird den Lockdown nicht am kommenden Sonntag beenden, sondern ihn bis 2. Mai verlängern. Handel und persönliche Dienstleister werden so lange geschlossen bleiben. Die Schulen werden hingegen früher wieder öffnen, sie bleiben bis 25. April im Distance Learning. Das hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Montagnachmittag mitgeteilt.

Er hatte zuvor zu einer Videokonferenz geladen, an der neben Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS) auch Medizinerinnen und Mediziner teilgenommen haben. Besprochen wurde dabei vor allem die Lage in den Spitälern. In Wien sind vor allem die Zahlen bei den Intensivpatienten zuletzt wieder auf einen neuen Höchststand geklettert, aktuell sind es fast 250 Betroffene. An den heutigen Beratungen haben auch Intensivmediziner teilgenommen.

"Ich weiß, dass das unpopuläre Maßnahmen sind", betonte Ludwig in seinem Pressestatement. Angesichts der Lage in den Spitälern gebe es aber keine andere Möglichkeit. 778 an Covid erkrankte Menschen würden derzeit eine Behandlung im Krankenhaus benötigen, gab Ludwig zu bedenken. Vor allem mache das veränderte Virus dem Gesundheitssystem zu schaffen: "Wir befinden uns durch die sogenannte britische Mutation in einer völlig neuen Situation."

Immer mehr jüngere Patienten seien nun betroffen. Die Mutation würde sich rasch verbreiten und sei sehr aggressiv. "Es kann jede und jeden treffen", warnte der Stadtchef. Die Steigerung bei den Intensivpatienten betrage täglich zwischen zwei und fünf Personen.

Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen bleibt aufrecht

In Wien bleiben Maßnahmen wie die Maskenpflicht an einigen öffentlichen Plätzen aufrecht. In welcher Form und unter welchen Voraussetzungen Handel und persönliche Dienstleistungen dann im Mai wieder öffnen werden, werde noch zwischen dem Bund und den Ländern besprochen, sagte der SPÖ-Politiker. Ludwig schloss auch nicht aus, dass die Gastronomie dann wieder aufsperren wird.

Wie es in den Schulen nun weitergeht, wird laut Ludwig noch fixiert. Es werde hier Gespräche des Wiener Bildungsstadtrats Christoph Wiederkehr (NEOS) mit - dem bereits ebenfalls informierten - Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) geben. Fraglich ist etwa noch, wie mit den derzeit geltenden Ausnahmen für Abschlussklassen umgegangen wird, hieß es. Für diese ist aktuell Präsenzunterricht vorgesehen.

Bildungsminister Faßmann betonte in einer Stellungnahme gegenüber der APA, dass er sich mit Bürgermeister Ludwig darauf geeinigt habe, dass die Schulen am 26. April und damit als erste wieder öffnen. "Jeder gewonnene Schultag zählt in dieser Pandemie doppelt", so der Minister. Er sei mit Ludwig einig, dass die Bildungsschere nicht weiter aufgehen dürfe. Außerdem würden die Schulen auch einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten. An den Volksschulen werde dreimal in der Woche getestet, großteils würden nun auch qualitativ hochwertigere Tests eingesetzt. "So erreichen wir Gruppen, die sonst nie zu den Testungen gehen."

Niederösterreich zieht mit

Niederösterreich verlängert wie Wien den Lockdown bis 2. Mai. "Die Lage ist in Teilen der Ostregion nach wie vor kritisch", teilten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, LHStv. Stephan Pernkopf (beide ÖVP) und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) zur Lage auf den Intensivstationen am Montagabend mit. "Bis auf Weiteres schließt sich Niederösterreich daher Wien bei der Verlängerung der Schutzmaßnahmen an." Das Burgenland entscheidet am Mittwoch.

"Laut den Prognosen der Experten könnte ab kommender Woche eine Entspannung auf den Intensivstationen in Niederösterreich möglich werden. Noch warnen die Gesundheitsexperten aber vor Alleingängen in der Ostregion", hieß es in einer Stellungnahme der niederösterreichischen Spitzenpolitik. Das Gesundheitsministerium gebe daher die dringende Empfehlung ab, die Maßnahmen in der Ostregion im Gleichklang zu verlängern. "Gleichzeitig erwarten wir uns vom Bund rasch einen klaren Pfad für darüber hinausgehende Öffnungsschritte im Mai in der Gastronomie, in der Kultur und im Sport", teilten die beiden ÖVP-Politiker und die SPÖ-Gesundheitslandesrätin der APA mit.

Burgenland wartet ab

Das Burgenland will anders als die Bundeshauptstadt und Niederösterreich noch nicht über die Fortsetzung oder das Ende des Lockdowns entscheiden, sondern die weitere Entwicklung der Corona-Zahlen noch beobachten. Die Situation auf den Intensivstationen sei weiterhin angespannt, gleichzeitig sei aber eine stark sinkende Sieben-Tage-Inzidenz zu verzeichnen. Entschieden werden soll am Mittwoch, hieß es aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Montagabend gegenüber der APA.

Man habe ein großes Verständnis dafür, dass sich Wien angesichts neuer Höchststände bei den Intensivpatienten schon jetzt für eine Verlängerung des Lockdowns entschieden habe. Aus burgenländischer Sicht sei aber eine sinkende Inzidenz zu verzeichnen: "Wir liegen deutlich unter 200. Es gibt derzeit nur drei Bundesländer mit niedrigerer Inzidenz."

Das Burgenland habe auch nach wie vor eine hohe Testintensität, die rückläufige Infektionsentwicklung sei daher auch nicht auf ein gesunkenes Testniveau zurückzuführen. Nun soll bewertet werden, ob die positive Tendenz wirklich nachhaltig ist und zu einer absehbaren Entlastung führen kann. Es werden weitere Gespräche mit Experten sowie der Wirtschaftskammer geführt mit dem Ziel, das Testangebot weiter zu verdichten.

Abstimmen werde man sich auch eng mit Niederösterreich und da der Weg der Regionalisierung eingeschlagen worden sei, werde es letztlich eine Entscheidung nach regionalen Gesichtspunkten geben, hieß es weiters. Der Lockdown im Burgenland gilt aktuell zunächst bis Sonntag, den 18. April.

Kritik vom Handelsverband

Der Handelsverband kritisiert die Verlängerung des harten Lockdowns in Wien und Niederösterreich um weitere zwei Wochen bis 2. Mai. Jeder zusätzliche Lockdown-Tag verschlimmere die Lage der betroffenen Handelsbetriebe, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer Aussendung am Montagabend. Viele Händler würden vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz stehen. Der Handelsverband fordert nun ein Nachbessern bei den Coronahilfen.

Unter anderem drängen die Handels-Interessensvertreter auf eine Ausweitung des Kurzarbeitsbonus pro Mitarbeiter für die Händler in Ostösterreich und eine Erhöhung des Ausfallsbonus.

Laut Handelsverband gehen den Wiener Händlern mit dem verlängerten Lockdown bis 2. Mai Erlöse in der Höhe von 420 Mio. Euro verloren. Der geschätzte Gesamtumsatzverlust für den vierten Lockdown beläuft sich für die Handelsbetriebe in Wien auf rund 1 Mrd. Euro. (apa)