Die Haare im Genick federn bei jedem Schritt. Das Bild im gesprungenen Spiegel erinnert am McGyver. Bald sind Haare und Spiegel wieder gerichtet. Denn Frisör und Möbelhaus dürfen ab 3. Mai in Wien wieder aufsperren.

Das verkündeten Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und sein Vize Christoph Wiederkehr (Neos) am Dienstag. Mit Montag öffnet der Handel und die körpernahen Dienstleister. Kunden letzterer müssen allerdings ein negatives Testergebnis vorweisen. Auch Museen und Ausstellungshäuser dürfen wieder aufsperren, wie es aus dem Büro der Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) heißt. Sie können damit wieder zu jenen Regelungen zurückkehren, wie sie bereits vor dem harten Lockdown galten. Es muss kein negatives Corona-Testergebnis vorgewiesen werden, allerdings gibt es eine FFP2-Maskenpflicht. Auf hoch frequentierten Plätzen fällt diese allerdings wieder. Gastronomie und Kultur bleiben vorerst geschlossen. Nach vier Wochen beendet Wien damit den harten Lockdown.

Gemeinsam mit Niederösterreich und dem Burgenland verschrieb die Bundeshauptstadt der Ostregion am 1. April restriktive Maßnahmen – euphemistisch nannte man sie Osterruhe. Handel, Museen, Frisöre, Nagelstudios mussten zusperren, Ausgangsperren wurden verhängt. Die steigenden Infektionszahlen machten das notwendig.

Der Lockdown wirkte

Ostern ist lange vorbei. Seither hat sich Wien gut geschlagen. Die Infektionszahlen sind in Niederösterreich und dem Burgenland seit Anfang April zwar deutlich schneller gefallen, gewirkt hat der Lockdown trotzdem. Lag die Bundeshauptstadt am 30. März – also kurz vor dem harten Lockdown in der Ostregion – mit einer 7-Tages-Inzidenz von 338 noch an der Spitze des Landes, hat sich die Situation nun gedreht. Die Zahl sank in der Bundeshauptstadt bis Dienstagfrüh auf 190 und stieg in Vorarlberg auf 239. Das Ländle gilt mit seinen weitreichenden Öffnungen als Modellregion. Mit einer 7-Tages-Inzidenz von nur 70 sperrten im Westen Österreichs am 15. März Lokale, Restaurant, Kaffeehäuser ihre Gastgärten und Innenräume - unter der Einhaltung gewisser Regeln wie dem Vorweisen eines negativen Corona-Tests wieder auf. Nach dem starken Anstieg der Neuinfektionen wird nun auch in Vorarlberg wieder an der Handbremse gezupft. Wenn auch nicht gezogen. Vorläufig sollen regionale Maßnahmen die Ausbreitung eindämmen.

Das will Wien verhindern. Die Lockerungen sind zaghaft, oder "umsichtig", wie Ludwig sagt. Im Falle steigender Infektionszahlen schließt er eine Rücknahme der Öffnungen nicht aus. Die Lage auf den Intensivstationen – die als Argument für den Lockdown dienten – sei weiterhin kritisch. Nach wie vor sind mehr als 33 Prozent der Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen an Covid-19 erkrankt. Daher gelte es weiterhin, Vorsicht walten zu lassen. Weil man aktuell aber ein "Plateau" auf den Intensivstationen erreicht habe, seien die Öffnung gut zu vertreten.

Schulen im Schichtbetrieb

Den von der Bundesregierung euphorisch Verkündeten weitreichenden Öffnungsschritten Mitte Mai steht Ludwig kritisch gegenüber. "Ich halte eine generelle Öffnung für sehr schwierig, sehe mich da auch eins mit den allermeisten Expertinnen und Experten", so Ludwig. Öffnungsschritte müssten "nachhaltig und andauernd" sein, so auch Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS). Daher plädierte er für eine schrittweise und entsprechend begleitete Öffnung, um nicht wieder im Juni oder im Juli in einem Lockdown zu landen. Er verwies darauf, dass mit der Öffnung der Schulen bereits ein großer Schritt getan sei. In den Schulen gibt es seit Montag wieder gestaffelten Präsenzunterricht. Die Tests in den Schulen seien ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung und sollten weiter ausgebaut werden.

Der Lockdown im Osten ist mit der Öffnung Wiens nun also Geschichte. Niederösterreich hatte ein Ende der harten Maßnahmen mit 3. Mai bereits vor Tagen verkündet. Im Burgenland gelten sie bereits seit Montag nicht mehr. Nun kann man sich auch in Wien die Lockdown-Frisur wieder richten lassen.