Wien hat sich nun doch dazu entschieden, die bundesweiten Öffnungsschritte der Corona-Restriktionen mitzutragen.

Am 17. Mai:

- Startet für die Schülerinnen und Schüler der volle Präsenzunterricht. An den Schulen soll zusätzlich das Testangebot ausgeweitet werden.

Am 19. Mai:

- Öffnen Gastronomie im Außen- und Innenbereich, Hotels, Kultur und Sport und auch die Bäder unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Welche  Kultureinrichtungen mit welchen Konzepten die Pforten öffnen, ist hier nachzulesen. In der Gastronomie gelten drei Zugangsoptionen: getestet, genesen oder geimpft. Zunächst gilt der gelbe Impfpass als Zugangsberechtigung für Lokale und Restaurants. Liegt der "Erststich" mindestens 21 Tage zurück, kann man die Gastro betreten. Der Grüne Pass ist erst ab Juni geplant. Für alle anderen gilt die Testpflicht und das Vorweisen eines Negativ-Tests. Wie lange die Tests gültig sind, ist noch unklar.

- Lockerungen für die Besuche von Pflegeheimen.

Bürgermeister Michael Ludwig begründete das Vorgehen nach Beratungen mit Experten mit den stärker gesunkenen Infektionszahlen. In einer Pressekonferenz am Donnerstag mit Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr mahnte der Bürgermeister dennoch zur Vorsicht. Die Lage in den Spitälern der Bundeshauptstadt habe sich zwar entspannt, sie sei aber nach wie vor so, dass der Spielraum ein enger sei.

Erneut Beratungen in zwei Wochen

In zwei Wochen sei daher eine weitere Videokonferenz mit Experten geplant. Dass man nun doch schon so weit öffnen könne, sei sicher der Bevölkerung zu verdanken, die sich stark und überwiegend an die Sicherheitsmaßnahmen gehalten habe, so Ludwig.

 

Keine frühere Schanigartenöffnung

Abgesagt sind die ursprünglich angedachten öffentlichen Schanigärten. Diese haben sich aus Ludwigs Sicht mit der vollen Öffnung der Gastronomie erledigt.

Ludwig hat sich zuletzt wiederholt skeptisch hinsichtlich einer gleichzeitigen Öffnung aller Bereiche gezeigt. In Wien galt bis 3. Mai ein strenger Lockdown, der nach einem starken Anstieg bei den Intensivpatienten verhängt worden war. Inzwischen hat sich die Lage in den Spitälern entspannt, auch die Corona-Neuinfektionen sind in Wien zurückgegangen.

Zustimmung zur Wiener Entscheidung kam bereits aus dem Nachbarbundesland: "Wir konnten in Niederösterreich in enger Absprache mit unseren Expertinnen und Experten ja schon vor zwei Wochen grünes Licht für den Öffnungsfahrplan geben. Und damit auch für die Öffnung der Gastronomie indoor und outdoor. Das hat unseren Wirtinnen und Wirten Planungssicherheit und Kalkulierbarkeit gegeben", teilte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit. Sie bezeichnete es als "eine sehr erfreuliche Nachricht, dass der gemeinsame Weg, den wir zum Schutz der Bevölkerung gegangen sind, so erfolgreich war, dass nun auch unsere Wiener Freunde die Öffnungen ab 19. Mai mitgehen können."

Wirtschaftsvertreter erfreut

Von Vertretern der Wirtschaft kamen durchwegs positive Reaktionen. "Ich bin froh, dass sich der Bürgermeister von Wien nach Abwägung aller Für und Wider für eine weitgehende Öffnung des Wirtschaftslebens entschlossen hat. Die in den Raum gestellten Begleitmaßnahmen sind nachvollziehbar und werden von der Wiener Wirtschaft nach Kräften unterstützt," versichert der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck.

Die Begleitmaßnahmen sollten sicherstellen, "dass der nun zu beendende Lockdown der letzte ist, den wir im Zuge dieser Pandemie erleben müssen", hofft Ruck. Durch das gemeinsame Projekt "Alles gurgelt" gebe es in Wien die besten Testvoraussetzungen. Diese PCR-Tests stünden der Wiener Bevölkerung und allen Pendlerinnen und Pendlern kostenlos zur Verfügung. "Damit können wir die Zeit bis zur Durchimpfung überbrücken", sagt Ruck.

Auch Margarete Gumprecht, Spartenobfrau des Handels der Wirtschaftskammer Wien, zeigte sich erfreut: "Jeder Öffnungsschritt ist zu begrüßen", sagte sie Donnerstagnachmittag. Handel und Gastronomie würden sich ergänzen, das Aufsperren der Lokale nach so langer Zeit werde von der Kundschaft der Geschäfte schon herbeigesehnt. "Die Sehnsucht, sich irgendwo hinzusetzen, ist schon sehr groß für die Kunden". Daher erwartet sie sich durch die Öffnung ab 19. Mai einen wechselseitigen Aufschwung für Handel und Gastronomie.

Die Hotels in Wien sollen ebenfalls am 19. Mai wieder aufsperren. "Mit dieser positiven Nachricht kann die Wiener Hotellerie sehr, sehr gut leben", kommentiert Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), die angekündigten Öffnungen. Die Infektionszahlen entwickelten sich besser als erwartet, der Impffortschritt sei ebenfalls überzeugend. Die Hotels würden ihre Verantwortung wahrnehmen: "Wir alle haben das allergrößte Interesse daran, dass die Infektionszahlen niedrig und die Betriebe geöffnet bleiben", versichert Reitterer die volle Kooperation der Wiener Hotellerie: "In Sachen Sicherheit und Hygiene sind die gewerblichen Betriebe der absolute Goldstandard im Tourismus."

Handel und Gastronomie "verbundene Gefäße"

Auch der Handelsverband begrüßte die Öffnungs-Entscheidung. Für die heimischen Händler nähmen damit die Umsatzverluste des "Lockdown light" von rund 250 Millionen Euro pro Woche zu Ende, denn Handel und Gastronomie seien "verbundene Gefäße". Die Menschen hätten gelernt, sich an die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen zu halten, so Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will.

 "Es ist eine großartige Nachricht, dass nun auch Wien bei der österreichweiten Öffnung des Tourismus am 19. Mai mit dabei ist", erklärten auch Robert Seeber, Obmann der Bundessparte Tourismus, Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbands Hotellerie sowie Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, in einer gemeinsamen Aussendung. "Die österreichischen Tourismus-Betriebe – Gastronomie, Hotellerie, Freizeit-, Sport- und Kulturbetriebe - sind bestmöglich auf ein sicheres Öffnen vorbereitet." (apa)