Für Aufregung sorgt das neue Prozedere für die Verteilung der Lehrerkontingente an Wiener Pflichtschulen. Eigentlich ist das Ziel der jüngst von Neos-Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr und Bildungsdirektor Heinrich Himmer angekündigten Neuerung, ab dem kommenden Schuljahr für mehr Transparenz bei der Zuteilung der 12.500 Posten zu sorgen. Manche verschränkte Ganztagsschulen fürchten nun allerdings massive Auswirkungen auf ihr pädagogisches Angebot.

Bisher wurden bei der Zuteilung u.a. regionale Zuständigkeiten, Schwerpunkte oder auch Projektplanstellen einbezogen. Künftig soll jede Schule ein Basiskontingent aufgrund ihrer Schülerzahl erhalten, berücksichtigt werden außerdem Faktoren wie Klassengrößen, Deutschförderung, Tagesbetreuung, sonderpädagogische Projekte oder eine überdurchschnittliche Zahl an Kindern, bei denen wegen des sozioökonomischen Hintergrunds erhöhter Förderbedarf angenommen wird.

Bei der Umstellung auf das neue System werde es zu geringfügigen Verschiebungen von maximal zwei Stellen pro Schule kommen, so die Ankündigung. Gleichzeitig sollen für die verschränkten Ganztagsschulen 200 zusätzliche Freizeitpädagogen finanziert werden.

In einer Petition des Elternvereins an der Ganztagsvolksschule Alt Erlaa befürchtet man durch den Systemwechsel jedoch "gravierende Änderungen für verschränkte Ganztagsvolksschulen" und warnt vor einem "Abbau" dieser Schulform. Das Kontingent an Lehrern solle reduziert und über eine Erhöhung der Freizeitpädagogen kompensiert werden, heißt es in dem Aufruf mit derzeit knapp 2.000 Unterschriften, in dem eine "Sistierung der geplanten Kürzungen" gefordert wird. Die Initiatoren befürchten, dass Stunden nach 12 Uhr künftig nicht mehr von Lehrern, sondern von Freizeitpädagogen abgedeckt werden müssten und der für verschränkte Ganztagsschulen typische Wechsel von Unterricht und Betreuung nur noch eingeschränkt möglich wäre. Außerdem würden weniger Lehrer zu weniger pädagogischem Angebot wie Schülerparlament, Schulchor oder klassenbezogenen Angeboten wie Skitagen oder Theaterbesuchen führen.

In der Bildungsdirektion beruhigt man: Lehrer sollten natürlich wie bisher auch am Nachmittag eingesetzt werden, der Wechsel zwischen Lern- und Freizeit sei schließlich das Wesen einer verschränkten Ganztagsschule. "Das Modell selbst bleibt davon unberührt", betont der Sprecher. Neu sei, dass die verschränkten Ganztagsschulen schrittweise mehr Freizeitpädagogen bekommen, die dort den Freizeitteil übernehmen können - von "gelenkter Freizeit" wie Sport- und Kreativangeboten bis zur "ungelenkten Freizeit", in der die Kinder frei spielen und sich entspannen können. Das bedeute aber nicht per se, dass es weniger Lehrer gebe. Diese können außerdem auch weiterhin Freizeitstunden abdecken, allerdings keine Vorbereitung mehr bezahlt.

Die Kritiker bleiben aber skeptisch: Ungelenkte Freizeit mit freiem Spiel gebe es in der Regel erst nach 15.30 Uhr. In den übrigen Freizeitstunden finde sehr wohl pädagogisches Angebot statt, seien es passend zum Klassenschwerpunkt sportliche oder musikalische Angebote, Ausflüge zum Imker oder wenn Lehrern mit Zusatzausbildung Stunden anbieten. Dass sie nicht vollwertig bezahlt werden sollen, sei nicht nachvollziehbar. Außerdem würde das System durch den vermehrten Einsatz von Freizeitpädagogen unflexibler. Immerhin könnten die Lehrer anhand der Bedürfnisse der Schüler entscheiden, ob gerade eine Freizeitstunde nötig ist.

In der Bildungsdirektion Wien will man nun jedenfalls mit den Initiatoren der Petition und anderen Schulen das Gespräch suchen.