Laut Arbeiterkammer (AK) stehen in Wien rund 10.000 Menschen vor der Delogierung. Zum Vergleich: Vor der Pandemie seien es "nur" 5.000 Menschen gewesen.

Bereits im Frühjahr hat die AK Alarm geschlagen und einen Hilfsfonds von der Bundesregierung eingefordert, der auch tatsächlich im Juni beschlossen wurde. Denn die geschätzten Folgekosten nach einer Delogierung machen laut AK rund 30.900 Euro aus. Werden Mietrückstände übernommen und dadurch Delogierungen umgangen, dann vermeidet ein Euro aus einem Hilfsfonds Folgekosten von 12,40 Euro. "Mit vergleichsweise geringen Hilfsbeträgen können tausende Delogierungen vermieden werden, rund 26.000 Menschen bliebe so viel Leid erspart. Überdies würden damit Folgekosten von über 500 Millionen Euro gespart", erklärte man damals bei AK. Der Haken an der Sache: Die Hilfsgelder können erst Ende das Jahres ausbezahlt werden. Da ist es für viele Mieter schon zu spät.

Eigenes Präventionsteam

In Wien betrifft das Problem vor allem private Mietverhältnisse. Bei Wiener Wohnen hingegen gab es während der Pandemie sogar einen Rückgang bei Delogierungen. So verzeichnete die Stadt im 1. Quartal 2019 insgesamt 229 Delogierungsfälle. Im selben Vergleichszeitraum 2020 waren es 192 und heuer 97, wie Wiener Wohnen-Sprecherin Andrea Janousek erklärte. Sie verwies auf die speziellen Hilfsangebote der Stadt, um Härtefälle zu verhindern: So gebe es etwa ein eigenes Delogierungspräventions-Team, das Betroffene aufsucht, um gemeinsam Lösungswege zu finden - wobei u.a. auch eng mit der Fachstelle für Wohnungssicherung zusammengearbeitet werde. Außerdem werde jedem Mahnschreiben ein Begleitfolder beigelegt, wo Hilfsangebote die Stadt Wien für Betroffene aufgelistet sind. Und für die Hausverwaltungen gibt es laut Janousek jetzt sogar einen eigenen neuen Lehrgang zur Delogierungsprävention der am 13. September startet.

Und was die Situation am privaten Wohnungsmarkt betrifft, nimmt die Stadt einmal mehr den Bund in die Pflicht: "Nicht zuletzt hat die Corona-Situation gezeigt, dass die Bundesregierung endlich das Mietrecht reformieren muss - und dass damit auch der inflationäre Einsatz von befristeten Mietverträgen zu beenden ist. Die Bundesregierung muss hier dringend handeln", betonte Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál gegenüber der "Wiener Zeitung".