Die Sieben-Tages-Inzidenz steigt "rapide", auch bei der Belegung der Spitalsbetten mit Covid-19-Erkrankten sehe man eine "Entwicklung hinauf, eine Steigerung" - und zwar mehr als noch vor einem Jahr, sagt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Er habe zwar die Hoffnung, dass mehr als 50 Prozent gegen Sars-CoV-2-Infektionen Geimpfte in der Stadt diese Entwicklungen einbremse. Aber: "Die Dynamik ist eine sehr starke. Aus meiner Sicht ist die Pandemie nicht vorbei."

Der Bürgermeister verkündete allerdings nicht eine 1G-Regel in der Stadt, wonach nur mehr Geimpften der Zutritt etwa in die Gastronomie erlaubt wäre, wie das Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, ebenfalls SPÖ, noch vor wenigen Tagen für den Herbst in den Raum stellte. In einem ersten Schritt reduziert Wien nun die Dauer der Gültigkeit der Tests. 

PCR-Tests gelten nur mehr 48 Stunden, Antigentests 24

Mit Schulbeginn werde man "beim Testangebot an den Schrauben drehen", sagte Ludwig. Die Gültigkeitsdauer von PCR-Test, dem "Goldstandard", wird mit 1. September von 72 auf 48 Stunden reduziert, bei Kindern unter 12 Jahren werde es bei 72 Stunden bleiben, offenbar weil es hier eine bundesweite Regelung an den Schulen gibt, die die Stadt nicht ändern kann. 

Negative Antigentests, und zwar nach wie vor nur jene von befugten Einrichtungen wie etwa Apotheken, die bisher für 48 Stunden den Zutritt in die Gastronomie ermöglichten, werden das künftig nur mehr für 24 Stunden tun. Selbsttests zu Hause hatten in Wien ohnehin nur mehr den Effekt der Selbstinformation, die Gratisabgabe dieser Tests will der Bürgermeister auslaufen lassen. Man wolle die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt "nicht in falscher Sicherheit wiegen", was das Infektionsgeschehen anbelangt.  

Kinder und Jugendliche seien "sehr stark mit dem Coronavirus konfrontiert". Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo die Sommerferien bereits am 11. August zu Ende waren, zeige, dass die Gefahr das Virus weiterzugeben, mit dem Schulbeginn stark steige. "Dort sehen wir ein rapides Ansteigen der Corona-Infizierten, das dem Schulbeginn und den Reiserückkehrern geschuldet ist". Bei Reiserückkehrern müsse der Bund die Testungen bei der Rückkehr ins Land ausweiten.

Impfen nun auch in Einkaufszentren

Bereits davor war bekannt, dass Wien sein Impfangebot ausweitet. In Kooperation mit Rewe werden künftig vor Supermärkten und bei Supermarkt-Kassen von Billa, Billa Plus und Penny Imfpungen - wohlgemerkt von Ärzten - angeboten. Denn: "Der wichtigste Schutz ist die Impfung", sagt Ludwig einmal mehr. In Wien haben 59 Prozent eine Teilimpfung, 55 Prozent der in der Hauptstadt lebenden Bevölkerung sind laut Daten des elektronischen Impfpasses tagesaktuell bereits vollimmunisiert. Wien liegt damit unter dem österreichischen Durchschnitt von 61 Prozent Erstgeimpften und 57 Vollimmunisierten. 

Die Möglichkeiten der öffentlichen Hand, die Impfquote zu erhöhen, seien "sehr beschränkt, ich bin gegen eine allgemeine Impfpflicht. Es ist besser, Menschen zu motivieren", sagt er auch. Zwar könnten sich auch Geimpfte mit dem Virus anstecken, "wenn auch in einem deutlich niedrigerem Ausmaß". Es gebe darüber hinaus eine Gruppe, die sich nicht impfen lassen kann und eine, die sich nicht impfen lassen will. Bei Letzterer zeigte sich der Bürgermeister "erschreckt" ob der "obskuren Alternativen", die in dieser Gruppe "kursieren, da manche bis hin zur Gesundheitsgefährdung gehen". Es gebe zwar bei Ungeimpften "Frustrationen", "aber auch bei Geimpften, weil sich die Erwartungshaltung auf ein normales Leben wegen vieler Ungeimpfter nicht erfüllt", stellt er diesen die Rute ins Fenster. "Wir wollen weiterhin das Miteinander in den Vordergrund stellen, um diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern", sagt er auch.

Schwere Verläufe auch bei Kindern möglich

Gefahren bestünden nicht nur für Ungeimpfte, mit jeder neuen Welle gebe es neue Mutationen. "Die Delta-Mutation ist so ansteckend wie Feuchtplattern und verbreitet sich deshalb in einem sehr starken Ausmaß." Die Gefahren bei einer Covid-19-Erkrankung seien zwar für Ältere am größten, aber auch bei Kindern und Jugendlichen seien schwere Verläufe möglich. Aus Israel und den USA zeigten Studien bereits, dass es unter Kindern und Jugendlichen "3 bis 5 Prozent schwere Verläufe gibt, ein Drittel davon muss auf Intensivstationen."  

Bürgermeister Ludwig besucht einen "Impfbus" in Wien-Favoriten. 
- © APA / GEORG HOCHMUTH

Bürgermeister Ludwig besucht einen "Impfbus" in Wien-Favoriten.

- © APA / GEORG HOCHMUTH

  


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