Viele Schulleitungen haben wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres Post von der Wiener Bildungsdirektion bekommen. Im Falle einer Volksschuldirektorin aus einem Arbeiterbezirk ist die Nachricht insofern erfreulich, weil die drohende Einsparung von mehr als einer Lehrerstelle nun vorerst ausgeglichen wird. Die Kürzung von Stundenkontingenten an Wiener Schulen hat knapp vor den Sommerferien für Aufregung und Proteste gesorgt.

Allerdings ist die Sache trügerisch. Denn es handelt sich dabei, wie der "Wiener Zeitung" von Schulleitungen weiterer Volksschulen bestätigt wurde, um Stunden aus dem Förderpaket des Bundes. Dieses wurde von Bildungsminister Heinz Faßmann zur Bewältigung von Lerndefiziten wegen der Corona-Krise auch für das bevorstehende Wintersemester freigegeben.

"So kann man nicht planen"

Mit dem neuen System der Stundenkontingente, das der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) und Bildungsdirektor Heinrich Himmer den Schulen verordnet haben und die zum Teil Einsparungen von Lehrerposten, an manchen Schulstandorten aber auch Aufstockungen zur Folge haben, hat das an sich nichts zu tun. Die Umstellung wurde mit mehr Gerechtigkeit argumentiert.

Nach der vorübergehenden Ruhe während der Sommerferien hat es den Anschein der Ruhe vor dem nächsten Sturm. "So kann man Schule nicht planen. Das sind ja keine fixen Stunden", macht eine von Kürzungen der Stunden und damit Lehrerposten betroffene Schulleitung einer Volksschule ihrem Ärger Luft: "Die Förderstunden, die sind ja ein anderer Kaffee." Namentlich möchten angesichts der heiklen Materie kein Direktor oder Direktorin genannt werden.

Bisweilen kann man sich in Schulen mit Übergangslösungen behelfen. "Der Hammer kommt im nächsten Jahr", heißt es in einer Pflichtschule, weil die neuen Kontingente dann voll zum Tragen kommen. Aber Genaues wisse man noch nicht. Dieses Szenario wird auch von einem Wiener Schulmanager bestätigt.

Tatsächlich sind die Auswirkungen von Schule zu Schule unterschiedlich. Manche profitieren, der Großteil müsse aber Kürzungen verkraften, erläutert ein Direktor. Auch die Mittelschulen seien davon betroffen. Im SPÖ-dominierten Wiener Rathaus werden seit Jahren Ganztagsschulen, in denen Unterricht und Freizeit verschränkt sind, forciert. Wie es von Kennern des Schulsystems heißt, seien genau diese Schulen bei Stundenkontingenten bevorzugt worden. "Es ist trotz allem nicht transparent, wo die Posten wirklich hingehen", wird betont.

Unmut in Schuldirektionen herrscht auch, weil Informationen einmal mehr so spät erfolgen. "Wir dürfen wieder neu planen", kritisiert eine Schulleiterin - nicht einmal eine Woche vor Schulbeginn in Ostösterreich. Es gebe einfach "keine Planungssicherheit".

Lehrer wandern ab

Der oberste Personalvertreter der Pflichtschullehrer, Thomas Krebs, erwartet, dass die Personalsorgen das ganze Schuljahr Thema bleiben werden. Dazu kommt, dass Lehrer fehlen. "Wir finden keine Lehrer", sagt ein Schulmanager. Der Grund: Viele melden sich in zwei Bundesländern für einen Posten. So mancher entscheide sich dann lieber für Niederösterreich als für Wien. 300 bis 400 seien so abgewandert, schildert der Insider.

Die Bildungsdirektion versucht, mit Sonderverträgen für nicht fertig ausgebildete Lehramtsstudenten gegenzusteuern. Rund 1.800 Sonderverträge gebe es, wird in der Bildungsdirektion bestätigt.