Wie kann der Wiener Tourismus gestärkt werden? Nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie stellt die Wiener ÖVP Forderungen, die den Tourismus in der Bundeshauptstadt wieder ankurbeln sollen. Am Mittwoch schilderten Klubobmann Markus Wölbitsch und Tourismussprecher Markus Grießler ihre Vorschläge.

"Die Tourismusbranche ist ein wichtiges Rückgrat für die Wirtschaft in unserer Stadt", sagt
Wölbitsch. Er mache 3,8 Prozent des Wiener BIP aus, 2019 sei erstmals eine Umsatzmarke von einer Milliarde Euro übertroffen worden. "Die Stadthotellerie hat die Pandemie jedoch stark gebeutelt", sagt Wölbitsch. Laut Grießler ist das Tourismus-Gesamtvolumen bei nicht einmal 40 Prozent des Wertes von 2019. "Kaum ein Hotel hat mehr als 40 Prozent Auslastung", so Grießler. Es könne bis 2024 oder 2025 dauern, bis man wieder das Niveau von 2019 erreicht.

Kein Messetourismus

Wien fehle vor allem der Messe- und Kongresstourismus. Er sei ein Zukunftstreiber und wichtig, um die urbane Hotellerie zu füllen. "Face-to-face-Treffen sind auch nach der Pandemie der Hauptgrund, warum Konferenzen stattfinden", sagt Grießler. Für die Hotellerie brauche es auch kurzfristige Prognosen für diesen Herbst. Wien solle nicht nach Insellösungen suchen, es brauche österreichweite Regelungen.

"Der Weg um aus der Pandemie zu kommen, ist die Impfung", so Grießler weiter. Jede Maßnahme die getroffen werde, um die stagnierende Impfbereitschaft zu erhöhen, sei besser als ein Lockdown. "Der wäre aus wirtschaftlicher Sicht eine Katastrophe." Auch unterschiedliche europäische Entwicklungen kämen einem Lockdown gleich. Eine deutsche Reisewarnung für Österreich wäre etwa wie "ein Lockdown für die Stadthotellerie". Zur Stärkung des Tourismus stellt die ÖVP Wien daher die Forderung nach einem "Freizeithunderter" in Form eines Gutscheins nach erfolgter Impfung. Anders als der Gastrogutschein der Wiener Stadtregierung im vergangenen Sommer, solle dieser aber in ganz Österreich gültig sein - etwa für die Freizeitwirtschaft, Hotels, Pensionen, den Tourismus. Als Beispiel nennt Grießler auch Konzerte.

Außerdem fordern Wölbitsch und Grießler ein Aussetzen der Ortstaxe. "Das würde die Wiener Hotellerie sehr unterstützen." Konkret soll die Hotellerie die Ortstaxe einbehalten können und so eine Abgeltung für den zusätzlichen Arbeitsaufwand erhalten, den die Branche habe, um Gäste in die Stadt zu holen. Diese Ortstaxe solle zweckgebunden sein und dem Wien Tourismus zugutekommen. Vor Corona habe die Ortstaxe rund 30 Millionen Euro gebracht. 2020 seien diese Einnahmen jedoch auf ein Drittel, auf 10 Millionen Euro, gesunken.

Kein Personal

Außerdem solle die Stadt auf Tourismuszonen setzen - also Orte, an denen Touristen auch am Sonntag einkaufen können. Man könne so zusätzliche 140 Millionen Euro Umsatz schaffen.

Grießler nennt die Tourismuswirtschaft zudem als Zweig, in dem es immer schwierig sei, Personal zu finden. "In Ausbildungsstätten gibt es um 40 Prozent weniger Anmeldungen in den ersten Klassen." Es gehe um schnellere Umschulungsphasen und darum, Tourismusschulen mit Schülern zu füllen. Für Grießler ist gut ausgebildetes Personal eine "Visitenkarte" des Wiener Tourismus und ein "Multiplikator", der Gäste bringt. In der Pandemie gäbe es keine Blaupause, viele Ansätze der Wiener Stadtregierung seien in Ordnung. Grießler nennt etwa die Erhöhung des Wiener Fonds für Kongressveranstalter.

Von einem Aussetzen der Ortstaxe hält man im Büro von Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) wenig. "Eine pauschale Aussetzung der Ortstaxe sehen wir aufgrund der Rechtslage als nicht sinnvoll. Der Gast ist Steuerschuldner und auch Steuerträger der Ortstaxe."