Es ist neben den Organisationsproblemen mit den ausgeweiteten Corona-PCR-Tests seit dem Schulbeginn das für Lehrer, Direktoren und Eltern sowie Schüler brisanteste Thema an Wiens Schulen: die seit dem heurigen Schuljahr geltende neue Stundenverteilung an den Pflichtschulen. Die "Wiener Zeitung" hat in der Bildungsdirektion erstmals Einschau in den umfangreichen Datensatz für die rund 450 betroffenen Schulen erhalten. Fazit: Bei den Volksschulen sind viele von Einsparungen beim Stundenkontingent und damit bei Lehrerplanposten betroffen, bei den Mittelschulen steigt hingegen der größte Teil günstiger aus.

Der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer hebt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" das Besondere dieser Einschau für ein Medium hervor. Es sei überhaupt das erste Mal, dass jemandem "von außen" ein derartiger Einblick in die Aufteilung der Stundenkontingente aller Wiener Volks- und Mittelschulen sowie der Polytechnischen Schulen und der Sonderpädagogischen Schulen gewährt werde.

Projekte werden bis Weihnachten geprüft

Damit soll auch die Transparenz unterstrichen werden, die Wiens Vizebürgermeister und Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) und Himmer bei der vor den Sommerferien angekündigten Neuverteilung der Stundenkontingente versprochen haben. Von der Stundenaufteilung ist die Zahl der Lehrerplanstellen an den einzelnen Schulen abhängig. Dieser Prozess ist laut Himmer noch nicht abgeschlossen, weil die Schulqualitätsmanager bis Weihnachten mit jeder Schule die laufenden Projekte durchgehen müssen.

Nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind die genauen Daten für einzelne Schulstandorte. Im Wesentlichen ergibt sich das Stundenausmaß und damit die Zahl der Lehrer, indem die Schülerzahl je Schule durch die Klassenschülerhöchstzahl von 25 geteilt wird. Weitere Komponenten werden berücksichtigt: dazu zählen unter anderen ein allgemeiner Aufwertungsfaktor, besondere Schulprojekte, der sozial-ökonomische Hintergrund der Schüler, im Klartext, ob es sich um sogenannte "Brennpunktschulen" mit vielen Schülern aus sozial schwachen Familien und Migrantenhaushalten handelt.

Volksschulen von Einsparungen mehr betroffen

Für die 450 Wiener Pflichtschulen hat das folgende Auswirkungen für das neue Schuljahr 2021/22 ergeben: Von Einsparungen sind, wie berichtet, besonders Volksschulen betroffen, was schon vor dem Sommer und zu Schulbeginn vor allem in den einzelnen Schulen für Zündstoff gesorgt hat. 117 von 272 Volksschulen mussten demnach mit weniger zugeteilten Stunden auskommen. 149 Volksschulen erhielten mehr Stunden als bisher, bei den restlichen sechs Volksschulen hat sich keine Änderung ergeben.

Im Büro des Bildungsstadtrats hatte es dennoch geheißen, es seien nicht "viele", sondern lediglich einige Schulen von Einsparungen betroffen. Wiederkehr hat über den Sommer nach Detailgesprächen noch rund 2000 Stunden oder umgerechnet 100 Lehrerposten zusätzlich bereit gestellt. Diese Zugeständnisse sind in den 117 von Einsparungen betroffenen Volksschulen aber schon eingerechnet. Vorerst handelt es sich um vorläufige Zahlen, weil es etwa durch den Religionsunterricht an den einzelen Standorten noch Änderungen geben kann.  

Dabei ist es so, dass in der Liste der Wiener Bildungsdirektion manche Schulen unter dem Strich jeweils nur mit mininalen oder kleinen Änderungen durch die Neuverteilung der Stundenkontingente - etwa ein oder zwei Stunden - betroffen sind. Umgerechnet bedeuten 21/22 Stunden einen vollen Lehrerposten. Es kann auch ein Minus oder Plus mit einem halben Lehrerposten durch die Stundenzahl geben.

Bei den Mittelschulen weit mehr "Gewinner"

Bei den Mittelschulen sind die Gewinner der Neuverteilung der Stundenkontingente gemäß der vorliegenden Liste mit allen Daten eindeutig in der Mehrzahl. 90 der 120 Wiener Mittelschulen profitieren demnach von der Neuverteilung der Stundenkontingente, 28 steigen hingegen schlechter aus als bisher, zwei pari.

Bei den Sonderpädagogischen Schulen, wo die Personalvertreter zuletzt vor allem Einsparungen bei den mobilen Teams mit Beratungslehrern beklagt haben, sind die Auswirkungen auf die jeweiligen Standorte unterschiedlich. In der Bildungsdirektion wird aber darauf hingewiesen, dass es in den Sonderschulen einen besonderen Zuzug von Schülern aus den Bundesländern gebe. Wien gebe in dem Bereich deutlich mehr Mittel aus, als der Bund für diese Schulen bereitstelle. Was allerdings Verschlechterungen an Standorten gegenüber bisher nicht ausschließt.