Der Fall einer Lehrerin, die im Vorjahr noch in Niederösterreich unterrichtet hat und seit Anfang September in Wien angestellt ist, macht den Verantwortlichen in der Wiener Bildungsdirektion Beine. Die betroffene Pädagogin hat seit Wochen kein Gehalt ausbezahlt bekommen. Wie viele weitere im heurigen Schuljahr eingestellte Lehrkräfte betroffen sind, war am Dienstag offen. Bildungsdirektor Heinrich Himmer hat aber, wie der "Wiener Zeitung" erklärt wurde, eine Überprüfung und im Eiltempo für diese Woche die Vorlage eines Konzepts angeordnet, um den Missstand bei der Auszahlung der Gehälter zu beenden.

In einem Punkt konnte die Bildungsdirektion beruhigen: Die Lehrerin sei versichert, hieß es auf Anfrage. Sie werde von der zuständigen Abteilung kontaktiert, um vorerst mit einem Gehaltsvorschuss eine Zwischenlösung zu schaffen. Die Betroffene hatte zuvor ihr Unverständnis darüber, wochenlang auf den Lohn warten zu müssen, via Twitter kundgetan. Dies auch deswegen, weil es finanziell für sie eng geworden war.

Schon 2010 gab es das gleiche Auszahlungsproblem

Gleichzeitig ist die Bildungsdirektion bemüht, etwaige Probleme bei weiteren zu Schulbeginn eingestellte Lehrerinnen und Lehrer zu bereinigen. "Ja, man muss ganz ehrlich sagen, diesen Rückstau gibt es", wurde in der Bildungsdirektion zerknirscht eingeräumt. Schon bisher wäre ein Gehaltsvorschuss möglich gewesen.

Bildungsdirektor Himmer will es nicht bei der Überprüfung allein belassen. Für diese Woche hat er intern die Vorlage eines Konzepts verlangt. Dieses müsste einen Plan für eine zeitnahe Lösung beinhalten, war zu erfahren.

Neu ist die Problematik, dass frisch eingestellte Lehrer lang auf ihr Gehalt warten müssen, keineswegs. Schon im November 2010 hat die "Wiener Zeitung" ebenfalls berichtet, dass Junglehrer wochenlang auf ihr Gehalt warten mussten. Damals war davon die Rede, dass 20 bis 30 Pädagogen von dem Problem betroffen seien. Als Begründung wurden Schwierigkeiten mit der Computersoftware angeführt, weswegen sich die Auszahlung verzögert hatte.

Demonstration für bessere Schule statt Einsparungen

Während diese ausstehende Gehaltsüberweisung für Aufsehen und intern bei den Verantwortlichen für Hektik sorgt, kommt es nun zu Protesten wegen der Einsparungen in den Pflichtschulen - vor allem in Wiener Volksschulen. Diese ergeben sich aus der Neuzuteilung der Stundenkontingente. Aus Unterlagen der Bildungsdirektion, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, geht hervor, dass deswegen 117 von 272 Volksschulen seit dem laufenden Schuljahr weniger Stunden und damit Lehrer zugeteilt erhalten.

Die Initiative "Bessere Schule jetzt" hat deswegen Eltern, Lehrer und Direktoren für den späten Dienstagnachmittag zu einer Demonstration vom Heldenplatz zum Minoritenplatz in der Innenstadt, dem Sitz des Bildungsministeriums, aufgerufen. Eine der Hauptforderungen zielt auf mehr Ressourcen für die Wiener Volksschulen. Demnach soll die Basisförderung jeweils für 15 statt bisher für 25 Schüler pro Klasse gewährt werden, womit sich die Zahl der Lehrer erhöhen würde.

"Wir schreien so lange, bis ihr uns hört", lautet die zentrale Parole der von Elternvertretern getragenen Initiative. Generell wollen die Organisatoren einem "Kahlschlag" im Bildungswesen der Bundeshauptstadt entgegentreten.

Gefordert werden unter anderem auch kleinere Klassen für die Integration von Kindern Die einzelnen Schulen müssten bei Entscheidungen der Bildungsdirektion ein Mitspracherecht erhalten. Vor allem befürchten Kritiker, dass sich die Situation durch die Neuzuteilung der Stundenkontingente im September 2022 verschärfen werde. Im heurigen Schuljahr konnte die Einsparung teils durch Förderpakete wegen der Corona-Krise im ersten Semester abgefangen werden.