Es ist ein imposanter Bau mit 26 Metern Höhe und fast 600 Quadratmetern Landefläche: Das Traumazentrum Wien, besser als UKH Meidling bekannt, verfügt jetzt über eine neue Hubschrauberplattform. Das freut nicht nur den Obmann der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Mario Watz, als Betreiber, sondern auch den Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), weil es sich um eine wichtige Weiterentwicklung bei der Akutversorgung von Unfallopfern aus der Ostregion handelt.

Bei der Erstversorgung von Menschen ist Schnelligkeit alles. "Von der Einlieferung mit dem Rettungshubschrauber in den Schockraum bis zur Überstellung in den OP-Raum dauert es im Traumazentrum Wien 60 Minuten", sagt Primar Christian Fialka, ärztlicher Leiter des Traumazentrums Wien. Stolz schwingt mit. Das wäre ein europäischer Spitzenwert. Das Traumazentrum der AUVA ist rein rechtlich ein Krankenhaus mit zwei Standorten - jenem in Meidling und jenem in der Brigittenau (Lorenz-Böhler-UKH).

Die Hubschrauberplattform ist allerdings nur ein Zwischenschritt im Etappenplan der AUVA für Österreichs größtes Zentrum für traumatologische Versorgung. In Kooperation mit der Stadt Wien gibt es ein Entwicklungskonzept, das der "Wiener Zeitung" vorliegt. Es beinhaltet den Ausbau und eine Aufgabenteilung für die beiden Standorte in Wien, aber auch für das Rehazentrum Weißer Hof im benachbarten Klosterneuburg in Niederösterreich. Dessen Zukunft und die Sorge um den Erhalt hat in der Vergangenheit für Zündstoff nicht nur in Niederösterreich gesorgt, sondern auch das Gesundheits- und Sozialministerium als Aufsichtsorgan beschäftigt. Ein runder Tisch wurde im Sozialressort noch während der Amtszeit von Sozialminister Rudi Anschober in Aussicht gestellt, der sich wegen der Corona-Pandemie verzögerte. Es gebe "nichts Neues", wird dazu auf Anfrage im
Büro von Anschober-Nachfolger Wolfgang Mückstein (Grüne) erklärt.

Das AUVA-Konzept für die kommenden Jahre für die Unfallbehandlung und Nachversorgung in Wien ist allerdings fertig, wie intern von verlässlicher Quelle bestätigt wird: "Die Aufgabenteilung wird Zug um Zug umgesetzt, sodass beide Standorte erhalten bleiben". Es werde daher weder in Meidling noch in der Brigittenau etwas zugesperrt. Beschlüsse für das Setzen der Schwerpunkte wurden bereits gefasst.

Standorte bleiben

Auch eine weit gediehene Idee für die Zukunft des Weißen Hofes, der massiv von der Neustrukturierung betroffen sein wird, liegt bereits in der Schublade. Im Kern geht es darum, dass am Standort Meidling die Akutversorgung verbessert wird und in unmittelbarer Nähe ein neues Rehabilitationszentrum errichtet wird. Das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus wird mit einem Schwerpunkt auf die sogenannte Rekonstruktions-Chirurgie weiterentwickelt und darüber hinaus mit Unterstützung der Wiener Wirtschaftskammer und unter Einbindung des Ludwig Boltzmann Instituts für Traumatologie zum Forschungszentrum ausgebaut. Im Weißen Hof soll ab 2026/27 gemeinsam mit einem privaten Betreiber ein spezielles Reha-Angebot geschaffen werden. Das Personal soll erhalten bleiben. Der Gewerkschaft und den Personalvertretern wird es dennoch nicht schmecken, wenn private Betreiber mit im Spiel sind.

Die nächsten Aktivitäten gibt es am Standort in Meidling. Dort wird auf dem Gelände unterhalb der neuen Hubschrauberlandeplattform ein neuer Gebäudetrakt errichtet. Hier sollen die notwendigen Tätigkeiten für die Sterilisation gebündelt werden. Der Startschuss für den Bau ist im ersten Halbjahr 2022 geplant. Darüber hinaus soll auf diesem Grundstückareal ein Rechenzentrum für die gesamte Sozialversicherung entstehen.

In weiterer Folge sieht das Konzept die Errichtung eines neuen Rehabilitationszentrums unmittelbar neben dem Traumazentrum in Meidling vor. Dafür ist der Kauf eines angrenzenden Grundstücks der Bundesbahnen (ÖBB) notwendig. Die Einrichtung wird 150 Betten fassen. Die bisherigen Aufgaben des Weißen Hofes sollen ab 2025/26 in den zwölften Wiener Gemeindebezirk übersiedeln.

Im Lorenz-Böhler-Krankenhaus soll die Konzentration künftig auf elektiven Eingriffen liegen. Das bedeutet, dass dort chirurgische und orthopädische Behandlungen vorgenommen werden, die es Patienten ermöglichen, leichter ins Alltagsleben zurückzukehren.

Forschung im Lorenz-Böhler

Gemeinsam mit der Stadt Wien und mit den Elisabethinen sowie Wissenschaftern des Ludwig Boltzmann Instituts für Traumatologie ist ein neues Leitprojekt für die Nachversorgung ebenfalls in der Brigittenau in Vorbereitung. Mit dem Erhalt der Unfallambulanz wird im Lorenz-Böhler-Krankenhaus künftig ambulante Erstversorgung bereitstehen. Die Planung sieht außerdem vor, dass bei diesem AUVA-Standort die Forschung in einem Zentrum gebündelt wird. Dabei gibt es auch Schützenhilfe und Unterstützung der Wiener Wirtschaftskammer, vor allem durch den früheren Sozialversicherungschef Alexander Biach. Die Wirtschaftsvertreter sind an dem Vorhaben besonders interessiert, weil damit hochwertige Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt gehalten und geschaffen werden.

Fragt sich, was aus dem Weißen Hof wird, wenn das neue Reha-Zentrum bereitsteht. Auch diesbezüglich gibt es eine Idee. Auf dem Gelände in Klosterneuburg soll zusammen mit dem Land Niederösterreich und der Pensionsversicherungsanstalt eine Nachnutzung mit einem privaten Betreiber auf die Beine gestellt werden. Angestrebt wird ein spezielles Angebot für die Rehabilitation sowie für die Pflege. Demnach soll den Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen, die ihre Lieben daheim betreuen wollen, dort künftig eine Trainings- und Ausbildungsmöglichkeit angeboten werden. Die medizinischen Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Bleibt offen, was Gewerkschaftsvertreter und Arbeiterkammer dazu sagen.