Investoren haben ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Sie errichten in Einfamilienhaussiedlungen Mehrparteienhäuser. Die neuen Wohnblöcke zwischen Häuschen und Villen erregten in den vergangenen Jahren Unmut. Ihre Wohnnutzflächen sind bis zum Maximum ausgereizt. Die überproportionalen Bauten verändern das Stadtbild.

Mit einer neuen Bauordnungsnovelle will die rot-pinke Stadtregierung dem Trend ein Ende setzen. Am Mittwoch soll sie im Wiener Landtag beschlossen werden. Sie betrifft Gebiete der Bauklasse 1. Gebäude, die hier errichtet werden, müssen kleiner dimensioniert werden. Ihre Grundfläche wird auf 350 Quadratmeter (bisher 470 Quadratmeter) beschränkt, ihre Firsthöhe auf 4,5 Meter (bisher 7,5 Meter). Die Häuser müssen mindestens drei Meter von der Grundgrenze entfernt stehen. Die erlaubte Größe ihrer Giebelfläche wird reduziert. "Die Maßnahmen sollen die Versiegelung einschränken", heißt es aus dem Büro von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaàl (SPÖ). "Große Mehrparteienhäuser privater Investoren werden hier nicht mehr gebaut werden können."

Höhere Strafen für Abrisse

Ein weiterer Punkt der Novelle soll den Abriss von Gründerzeithäusern stoppen. Der Strafrahmen für illegale Abrisse wird auf eine Höchststrafe von 300.000 Euro (bei einer Mindeststrafe von 30.000) angehoben. Den Wiener Grünen ist das zu wenig. Sie werden zwei Abänderungsvorschläge einbringen. "Das Strafmaß soll auf 700.000 Euro erhöht werden", sagt der grüne Abgeordnete Georg Prack. "Außerdem sollte die wirtschaftliche Abbruchsreife aus der Bauordnung gestrichen werden." Der Passus erlaubt den Abriss von Bauten, deren Zustand so schlecht ist, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht zumutbar ist. "Leider bewirkt das auch, dass Schäden an Gebäuden absichtlich hervorgerufen werden", sagt Prack.(wint)