Wien sucht nach privaten, strategischen Partnern für die geplante Wien Holding Arena in Neu Marx - das haben Finanzstadtrat Peter Hanke und Wien Holding-Geschäftsführer Kurt Gollowitzer nun bekanntgegeben. Konkret geht es um die Bereiche Finanzierung, Bau und Betrieb - wobei die Stadt ein Partner "auf Augenhöhe" sein wolle. "Die Stadt wird nie nur Gast in der eigenen Halle sein", betonte Hanke bei einem Hintergrundgespräch.

Mit dieser Ansage hat der Finanzstadtrat in Sachen Multifunktionsarena die Karten neu gemischt. Zwar hat Hanke keine Investitionssumme genannt ("damit würden wir hinsichtlich der EU-weiten Ausschreibung ein Präjudiz schaffen"), er verhehlte aber nicht, dass Qualität ihren Preis habe. Und die Qualität müsse die beste sein: Man wolle mit der Wien Holding Arena nicht nur ein architektonisches Denkmal setzen, sondern auch ein ökologisches Vorzeigeprojekt schaffen. Das Ziel sei klar: "Wir wollen eine der Top-3-Hallen Europas haben", betonte Hanke gegenüber Journalisten.

Kritik von ÖVP und Stadtrechnungshof

Das bedeutet, dass die Stadt mit den ursprünglich kolportierten 250 Millionen Euro wohl bei weitem nicht auskommen werde. Vielmehr wurden bereits in einer Machbarkeitsstudie Gesamtkosten in der Höhe von 742 Millionen Euro genannt - valorisiert bis zum Jahr 2026. Angesichts der Tatsache, dass sich die Fertigstellung der Halle bis zum Jahr 2029 verzögern könnte, geht die Wiener ÖVP sogar davon aus, dass der Aufwand sogar noch auf fast eine Milliarde Euro steigen wird. "Es ist vollkommen unverständlich, warum nach all den Skandalen und U-Kommissionen rund um Großprojekte in Wien schon wieder so begonnen wurde wie immer", meinte Wiens VP-Klubobmann Markus Wölbitsch am Mittwoch.

Auch der Stadtrechnungshof drückt in einem aktuellen Prüfbericht seine Sorge um mögliche Kostensteigerungen in Sachen Halle aus: Aus Sicht der Prüfer kommt nämlich die Suche nach Partnern zu spät. Sie hätte zugleich mit dem bereits abgeschlossenen Architekturwettbewerb stattfinden sollen, heißt es u.a. in dem Bericht. Die mangelnde Abstimmung zwischen den Vorstellungen der Architekten und des Kooperationspartners könnten die Kosten in die Höhe treiben, so die Befürchtung. Generell vermissen die Prüfer laut Bericht ein konkretes Finanzierungsziel.

"Jeder investierte Euro kommt zweifach zurück"

Vonseiten der Stadt gibt es diese Befürchtung aber nicht. Nicht zuletzt weil sie die Halle nicht alleine verantworten wird - "mit der EU-weiten Ausschreibung fragen wir den gesamten Markt ab und holen uns die Besten an Bord", meinte Hanke. Natürlich könne sich der Fertigstellungstermin nach hinten verschieben, doch er wolle an seinem Ziel festhalten: Spatenstich 2023, Ende 2026 Fertigstellung, 2027 Vollbetrieb - für eine 20.000 Menschen fassende Mehrzweckhalle mit regelmäßigen Kultur- und Sportevents. Jeder investierte Euro solle dann "zwei bis dreifach" wieder zurückkommen, versicherte Hanke.

Das bestätigte auch der frisch angeheuerte Geschäftsführer der WH Arena Projektentwicklung GmbH, Peter van Gent, der eigenen Angaben zufolge schon bei der Errichtung von rund 30 Multifunktionshallen in Europa beteiligt war und viel Erfahrung auf dem Gebiet vorweisen könne. Dass die Wien Holding Arena zu den Top-3-Hallen Europas gehören wird, sei "mathematisch ganz logisch", den Wien sei "die größte Bühne Europas mit 200-jähriger Bühnenkultur". Die Stadt sei aufgrund ihrer Lage Einzugsgebiet von 40 Millionen Menschen, außerhalb der Pandemie würden 15 Millionen Touristen die Metropole besuchen. "Da ist schon eine Wertschöpfung vom 1,2- bis zum 3,5-Fachen jedes investierten Euros möglich - abhängig vom Angebot", meinte Van Gent.

In den vergangenen 15 Jahren sind laut Hanke 1,5 Milliarden Euro in Neu Marx im 3. Bezirk investiert worden. Noch einmal so viel soll es in den kommenden zehn Jahren sein. Bereits jetzt haben sich in diesem Stadtteil mit den Nutzungsschwerpunkten Medien, Kultur und Kreativwirtschaft sowie Technologie, Digitalisierung und Wissenschaft mehr als 100 Unternehmen und Institutionen mit mehr als 7.000 Mitarbeiter angesiedelt. Neu Marx sei mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn verkehrstechnisch gut erschlossen, im direkten Umfeld der künftigen Arena gebe es bereits jetzt mehr als 2.000 Stellplätze.

Kosten und Zeitplan erst nach Vergabeverfahren fix

Für den Bau der Halle wird nun im Jänner 2022 ein zweistufiges Verhandlungsverfahren mit vorheriger unionsweiter und nationaler Bekanntmachung durchgeführt. "Eine Vorinformation über diese Ausschreibung wurde bereits im Amtsblatt der EU veröffentlicht, um den Bietermarkt frühestmöglich zu informieren", erklärte Gollowitzer. Im Vergabeverfahren sollen die Kosten des Arena-Projekts abgefragt und verhandelt werden. "Auch der konkrete Zeitplan für Baubeginn und Fertigstellung wird gemeinsam festgelegt werden", so Gollowitzer.