Der umstrittene Lobautunnel, der als Teil der Wiener Außenring-Schnellstraße vorgesehen war, wird nicht gebaut. Nach verlässlichen Informationen der "Wiener Zeitung" wird es für das zentrale Verkehrsprojekt in Wien kein grünes Licht geben. Die von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Frühjahr eingeleitete Evaluierung einer Reihe großer Straßenbauvorhaben ist abgeschlossen. Noch weiter geprüft wird allerdings eine Alternative zur S 18 in Vorarlberg und die Notwendigkeit eines großen Tunnelprojekts in Tirol.

Seitens des Klimaschutzministeriums wollte man allerdings auf Anfrage Berichte über ein Aus für das Straßenbauvorhaben "weder dementieren noch bestätigen". Zuvor hatte die Tageszeitung "Heute" am Dienstag berichtet, dass sich die von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) eingeleitete Projektevaluierung gegen einen Bau in dem Naturschutzgebiet ausgesprochen habe.

Der Lobautunnel ist Teil der geplanten Wiener Außenring-Schnellstraße. Auf acht Kilometern sollte die Straße im Tunnel verlaufen - 60 Meter unter der Lobau, einem ökologisch hochsensiblen Gebiet und Teil des Nationalparks Donau-Auen. Seit 20 Jahren wird über diese Pläne gestritten. Umweltschützer befürchten massive Auswirkungen auf Flora und Fauna. Die Stadt und die Asfinag beteuern hingegen, dass man weit unter dem Grundwasserstrom hindurchgräbt und keine Beeinträchtigung zu befürchten ist. Die Kosten für die Nordostumfahrung werden von der Asfinag mit 1,9 Mrd. Euro beziffert.

Welche Straßen nicht gebaut werden

Bei einigen weiteren großen Straßenbauprojekten sind die Entscheidungen der Evaulierung bereits publik geworden. Demnach ist der Bau der Schnellstraße S 8 von Wien durch das Marchfeld nach Gänserndorf nicht mehr vorgesehen, was allerdings unter anderem vom Land Niederösterreich vor dem Höchstgericht bekämpft wird.

Gestrichen wird weiters der dreispurige Ausbau der Pyhrnautobahn A 9 zwischen Graz und Spielfeld an der slowenischen Grenze. Ebenfalls nicht umgesetzt wird der Ausbau der Schnellstraße zwischen Scheifling in der Steiermark und St. Veit an der Glan in Kärnten im Zuge der bisherigen B 317. Gefallen ist schließlich der Weiterbau der A 3 in Richtung Klingenbach an der ungarischen Grenze.

Errichtet wird hingegen die Schnellstraße S 10 durch das Mühlviertel. Damit erfolgt der Lückenschließung zwischen der Mühlkreisautobahn A 7 in von Linz in Richtung des tschechischen Autobahnanschlusses, wie das in Oberösterreich massiv gefordert wurde.

Umstrittene Anschlussstellen

Die Verfahren dauerten Jahre, immer wieder kam es zu Einsprüchen. Gegner des Projekts versuchten zudem bereits 2006, Probebohrungen mittels Besetzung zu stoppen. Aktuell campieren Klimaaktivsten an zwei Orten in der Donaustadt, an denen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Megabauvorhaben anstehen.

Im Zusammenhang mit der Nordostumfahrung sollen in Wien Anschlussstraßen entstehen, die keinesfalls weniger umstritten sind. Da ist etwa die Spange Aspern. Diese 4,6 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Knoten Raasdorf und dem Stadtteil Seestadt gehört noch zur S1. Das Projekt fällt damit wie die Umfahrung selbst in die Zuständigkeit des Bundes.

Von der Seestadt soll daran anschließend quer durch den Bezirk die Stadtstraße errichtet werden. Die 3,2 Kilometer lange Strecke soll die Südosttangente (A23, Anschlussstelle Hirschstetten) mit der S1-Spange verknüpfen. Gegner sprechen von einer Stadtautobahn. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat hingegen erst kürzlich im Gemeinderat versichert, dass diese Bezeichnung falsch sei. Er beteuerte, dass auf der 3,2 Kilometer langen Verbindung Tempo 50 gelten soll. Auch werde die Straße zur Hälfte untertunnelt sein. Der Rest werde tiefer gelegt und mit Lärmschutzwänden ausgestattet, hielt er fest.

Generieren Straßen Autos?

Die Stadtstraße wird von den Kritikern vor allem deswegen ins Visier genommen, weil befürchtet wird, dass massiv Verkehr direkt von der S1 über die Tangente in Richtung Innenstadt geleitet wird. Im Rathaus wird hingegen argumentiert, dass die alten Ortskerne im 22. Bezirk damit vom Durchzugsverkehr entlastet werden. Wie Entlastung ohnehin eines der Hauptargumente für das Gesamtprojekt darstellt. 77.000 Autos sollen täglich auf der Südosttangente (A23) weniger unterwegs sein, wenn die Umfahrung kommt, sagen Stadt und Asfinag. Die Gegener des Projekts argumentieren, dass die Straße noch mehr Autos anziehen würde: Je mehr Straßen es gibt, desto mehr Autos gibt es. Straßen generieren Autos. Die Nordostumfahrung würde das Problem nicht lösen. (ett)