Zuerst haben wir uns sehr solidarisch erklärt beim Zusperren, jetzt beim Aufsperren sind wir nicht solidarisch." Petra Hirnschall, Buffetbetreiber im Theater am Spittelberg, die jetzt auch beim Weihnachtsmarkt in dem Grätzl im 7. Bezirk ausschenkt, hat im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" kein Verständnis dafür, dass in der Bundeshauptstadt trotz niedriger Corona-Inzidenzen Gastronomie und Hotellerie noch bis kommenden Montag anders als in den Bundesländern gesperrt bleiben.

Man müsse die "Konsumentenströme entzerren", bekräftigte hingegen Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, warum nach dem allgemeinen Lockdown ab 22. November, seit Montag in Wien nur Handelsgeschäfte und Anbieter persönlicher Dienstleistungen wie Friseure offen haben dürfen.

Auf die massive Kritik von Vertretern der Gastronomie und der Stadthotellerie an der Verlängerung des Lockdowns in Wien bis 20. Dezember hat die Stadt Wien am Mittwoch reagiert, um aufgebrachte Lokalbesitzer zu besänftigen. Nach dem Vorbild der Gastro-Gutscheine im Sommer des Vorjahres kommt es jetzt in Wien zu einer weiteren ähnlichen Gutscheinaktion. Wer am kommenden Samstag oder am Sonntag, an dem heuer die Geschäfte ebenfalls geöffnet sein werden, Einkäufe in Wien macht, kann die Rechnungen dafür bei einer Lotterie einlösen. Er muss die Rechnung auf der Homepage der Wiener Wirtschaftskammer hochladen. Für die Tombola-Gewinner gibt es insgesamt rund 40.000 Gutscheine, die bei der Wiener Gastronomie dann eingelöst werden können, jeweils maximal 100 Euro.

Die Gutscheinaktion wird in dieser Form wiederbelebt und wurde von Ludwig gemeinsam mit Finanzstadtrat Peter Hanke und Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck als "Wiener Weihnachtszuckerl" vorgestellt. Stadt Wien und Wirtschaftskammer machen dafür je zwei Millionen Euro locker. Damit solle ein "Schub" zur Unterstützung des Handels und der Gastronomie kommen.

"Gegenteil eines Schubes"

Das Gegenteil eines Schubes beklagt hingegen Hirnschall als Event- und Kleinunternehmerin in Neubau. Vielmehr sei die Vorgangsweise "ruinös" und "schikanös". Denn zunächst musste nach der Lockdown-Entscheidung der Bundesregierung mit den Landeshauptleuten im November innerhalb von nur zwei Tagen zugesperrt werden, schon eingekaufte verderbliche Ware musste vernichtet werden. Finanzielle Entschädigung gebe es dafür "mitnichten", bedauert sie.

Nach der Erlaubnis, den Stand am Weihnachtsmarkt am Spittelberg ab 12. Dezember wieder zu öffnen, sei die Information über Details durch den Newsletter der Wirtschaftskammer erst Stunden davor erfolgt. Darunter, dass Getränke nur in "handelsüblichen Gebinden" verkauft werden dürften. Fassbier dürfe demnach so nicht verkauft werden. Und was den bei Weihnachtsmärkten beliebten Punsch betrifft, dürfe diese nur in Tassen mit Deckel ausgeschenkt werden. Was das genau bedeute, sei bisher unklar. Ganz zu schweigen davon, wie der 50-Meter-Abstand vom Stand bei der Konsumation eingehalten werden könne. Gerade weil sich am Spittelberg viele Besucher drängen. Gleichzeitig habe sie schon in der Vorwochen einen Wochen-Bauernmarkt in der nahen Lindengasse gesehen, wo das Ausschenken von Punsch und Glühwein bereits erlaubt war.

Verweis auf Omikron

Hirnschall spricht deswegen von einer "Farce". In dieses Bild passt, dass sie auf Mails von Bürgermeister Ludwig und Peter Dobczak, den Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, nach eigener Aussage keine Antwort erhalten habe. Der Bürgermeister begründete die Entscheidung für den längeren Lockdown der Gastronomie mit Hinweis auf Experten, von denen er bisher gut beraten worden sei. Wegen der Omikron-Coronavariante sei ein neuer Höhepunkt im Februar möglich. Ludwig verwies mit Hanke und Ruck außerdem nach der jüngsten Kritik auf bisherige Corona-Hilfsaktionen der Stadt Wien. Es seien bereits fünf Corona-Pakete mit einem Gesamtvolumen von 600 Millionen Euro geschnürt worden.