In Wien dürfen die Lokale und Hotels nun wieder öffnen. Sie mussten aufgrund der strengeren Corona-Verordnung in der Bundeshauptstadt eine längere Pause einlegen. Der Handel sperrte bereits vor einer Woche wieder auf, Lebensmittelgeschäfte und Apotheken waren durchgängig offen. In der Gastronomie blieben bereits viele Kleinbetriebe auf der Strecke. Der Stadthotellerie geht es seit Pandemie-Beginn schlecht, bis zu einem Viertel der Häuser bleibt vorerst weiterhin geschlossen.

Die Umsatzverluste, die sich während der Schließung angehäuft haben, sind laut Branchensprecher Mario Pulker nicht mehr aufzuholen. "Was wir machen, ist eine Schadensbegrenzung und ein Dienst am Kunden", sagte der Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Montag zur APA. "Davon, dass man irgendetwas erreicht, was wirtschaftlich sinnvoll ist, ist keine Rede." Aber man könne die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen und für Stammgäste zum Alltag beitragen.

Zudem handelt es sich um eine vorsichtige Öffnung. Neben der 2G-Regel - Zutritt nur für Geimpfte und Genesene - bleibt es für die Lokale und Restaurants gemäß der bundesweiten Covid-19-Regelung bei der Sperrstunde um 23 Uhr. Nur zu Silvester (31. Dezember) wird diese ausnahmsweise aufgehoben. Es gelten dann die üblichen Sperrstunden der Bundesländer. Im Lokal selbst gilt weiters - wie bisher - eine FFP2-Maskenpflicht, außer am Sitzplatz selbst. Außerdem muss man seine Kontaktdaten angeben. "Es wird auch noch die Feiertage ordentlich schwierig", hielt Pulker fest. "Und bei den Hotels ist ja auch Feuer am Dach." Die Nachtgastronomie bleibt in ganz Österreich überhaupt noch zu.

Schon vor dem Lockdown, als die 2G-Regel gekommen sei, hätten sich die Gastro-Umsätze mehr als halbiert. "Vieles findet einfach nicht statt wegen '2G'", betonte der Branchensprecher. PCR-Tests und Maske reichen nicht mehr aus. "Das ist für uns ein Desaster, dass man in der Gastronomie nur sein kann, wenn man geimpft ist", so Pulker.

"Fast hoffnungslose Lage" bei Hotels

Bei einigen wenigen vibriert das Geschäft aber - in Haubenlokalen zum Beispiel. "Die gehobenen Speiserestaurants sind gut gebucht", höre man aus der Branche. "Aber alles, was mit internationalem Tourismus zusammenhängt, ist tot", setzte Pulker nach. Manche Lokale, die Verträge mit Gruppen abgeschlossen hätten, verbuchten über 90 Prozent Umsatzeinbruch. Außerdem bestehe "die Breite der Gastronomie aus ganz normalen Lokalen wie Pubs und Kaffeehäusern". Und denen gehe es insgesamt schlecht.

Auch die Wiener Hotel-Branche sieht sich einer "dramatischen Lage" gegenüber, die "fast hoffnungslos" sei, so der Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wiener Wirtschaftskammer, Dominic Schmid. Trotz Lockdown-Endes betrage die Buchungslage aktuell nur 16 bis 20 Prozent. Der Grund: Viele Gäste hätten bereits im Lockdown storniert. Er schätzt, dass 20 bis 25 Prozent der Hotels vorerst gar nicht aufmachen, also weiter zu bleiben.

Bis Mitte November sei man in der Beherbergungsbranche noch zuversichtlich gewesen, damals habe man über Buchungen im Ausmaß von 50 bis 60 Prozent verfügt. "Wir sind verzweifelt", erklärte Schmid am Montag im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radios.

Roman Mayrhofer, Chef des Hotels Wilhelmshof in Wien-Leopoldsdorf, bestätigte für sein Haus eine geringe Auslastung. Bei ihm seien derzeit nur zehn von rund hundert Zimmern belegt - wenn man Glück habe, werde die Buchungslage Richtung Weihnachten und Silvester auf 20 bis 25 Prozent ansteigen. Ansonsten gebe es um diese Zeit 90 Prozent Auslastung. Hinzu komme, dass der momentane "dramatische Rückgang" trotz niedriger Preise erfolgt sei - denn die normalen Preise könnte man derzeit ohnedies nicht durchsetzen, so Mayrhofer.

Hinzu kommt, dass das Lockdown-Ende auch nur eine Verschnaufpause im Kampf gegen die Pandemie sein könnte. Virologen befürchten durch die Verbreitung der neuen Corona-Variante Omikron einen rasanten Anstieg bei den Infektionszahlen. Vielen Betrieben ist die Luft leider bereits ausgegangen. Ein Fünftel aller Hotels in Wien hat den Angaben Schmids zufolge seit Pandemie-Beginn bereits für immer geschlossen. (apa)