Erst vor kurzem wurde ein digitales Tool vorgestellt, mit dem die Bauverfahren in der Stadt verkürzt werden sollen: Mit "Brise" ("Building Regulations Information for Submission Envolvement") können Baueinreichungen und Baugenehmigung vollständig online abgewickelt werden - von der Planung bis zur Genehmigung eines Projekts sind alle Arbeitsschritte in einem 3D-Modell einsehbar. Baugenehmigungs-Verfahren sollen damit nur noch halb so lange dauern wie bisher, wird von der Stadt Wien propagiert. Im August 2022 soll das moderne Tool in den Vollbetrieb gehen.

Wenn alles steht, ist es zu spät: Durch Beratung sollen Probleme bereits im Vorfeld der Baueinreichung gelöst werden. - © Rösner
Wenn alles steht, ist es zu spät: Durch Beratung sollen Probleme bereits im Vorfeld der Baueinreichung gelöst werden. - © Rösner

Ganz auf die Digitalisierung verlassen dürfte sich die Stadt Wien aber dann doch nicht wollen - denn am Mittwoch wurde ein "analoges Tool" vorgestellt, um Bauvorhaben zu beschleunigen: Ein neues "Rundum-Service" der Baupolizei soll künftig Beratungen für Bauwerber koordinieren. Laut der zuständigen Stadträtin Kathrin Gaal richtet sich das neue Angebot speziell an komplexe Fälle, für deren Lösung das Zusammenwirken verschiedener Fachbereiche der Stadtverwaltung erforderlich ist. Eine simultane Abstimmung durch persönliche Gespräche mit Vertreter aller für das jeweilige Bauprojekt erforderlichen Magistratsabteilungen soll so mehrfachen Schriftverkehr mit verschiedenen Stellen ersparen. "Wir wollen mit unserem neuen Angebot alle Beteiligten an einen Tisch holen und dadurch den Servicecharakter der Stadt Wien für alle Bauwerberinnen und Bauwerber auf ein neues Niveau weiterentwickeln. Es entsteht dadurch eine beträchtliche Zeitersparnis für alle Beteiligten", so Gaal am Mittwoch.

Mit Misstrauen gegenüber der digitalen Baueinreichung hat die Schaffung des neuen Services nichts zu tun, betont der Chef der Baupolizei, Gerhard Cech in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge: Das eine ist die rein technische Sache, die eine elektronische Einreichung ermöglicht, das andere ist die Möglichkeit, inhaltliche Probleme mit den zuständigen Stellen auf direktem Weg zu lösen."

Teil des Koalitionsabkommens

"Die Planung von Bauprojekten geschieht immer interdisziplinär. Je komplexer die Projekte sind, desto wichtiger ist eine gute Zusammenarbeit mit den einzelnen Fachplanern und den für die Genehmigungsverfahren relevanten Fachdienststellen der Stadt", meint auch Neos-Wohnbausprecherin Selma Arapovic. Deswegen sei es auch so wichtig, dass nun die Möglichkeit geschaffen wird, alle offenen Fragen zum Bauprojekt bei einem einzigen, gemeinsamen Termin zu klären, so Arapovic weiter.

Aber wurde das alles bisher nicht getan? "Doch, sobald eine Einreichung da ist, befassen damit wir alle davon betroffenen Fachabteilungen - von Architektur über Stadtplanung, bis hin zu Straßenbau usw. - und wenn alle einverstanden sind, geht es problemlos weiter. Aber wenn Probleme auftauchen, ist eine Koordination natürlich sinnvoll."

Und bisher wurde nicht koordiniert? "Natürlich wurde koordiniert. Aber jetzt hat das Ding einen Namen bekommen und wurde sozusagen institutionalisiert, so wie das auch im Regierungsprogramm von SPÖ und Neos vorgesehen war", meinte Cech.

Das bedeutet, dass nun allen Bauwerbern einmal im Monat ein Beratungsangebot zur Verfügung steht - und zwar abwechselnd an einem der drei Baupolizei-Standorte Favoritenstraße 211 (10. Bezirk), Spetterbrücke 4 (16. Bezirk) und Dresdner Straße 82 (20. Bezirk). Nach Maßgabe der allgemein gültigen Sicherheitsanforderungen aufgrund von Covid-19 werden auch Onlinebesprechungen durchgeführt. Das Beratungsgespräch zu schwierigen Problemstellungen erfolge in der Regel im Vorfeld einer Baueinreichung. So können die Einreichenden bei Bedarf noch Änderungen an dem Projekt vornehmen.

"Kein zusätzlicher Aufwand"

Probleme ergeben sich laut Cech oft aus den unterschiedlichen Interessen, die von einzelnen Dienststellen wahrgenommen werden. "Beispielsweise können sich Konflikte zwischen der notwendigen Zufahrt für die Müllabfuhr oder der Feuerwehr und dem zu erhaltenden Baumbestand auf der Straße vor dem Bauplatz ergeben. Gemeinsam mit den betroffenen Dienststellen kann auf kurzem Weg die beste Lage für eine solche Zufahrt zum neuen Gebäude erhoben werden", so Cech. Bei konkreten, während der Planung auftretenden Problemstellungen können dann auch andere Dienststellen des Magistrats, das Rechtsreferat oder die Fachgruppen der Baupolizei an der Beratung mitwirken.

Eine Anmeldung ist ab sofort möglich. Über den Verlauf des Beratungsgesprächs werde von der Baupolizei ein Protokoll erstellt. Die darin festgehaltenen Ergebnisse werden bei einer späteren Baueinreichung berücksichtigt. Zusätzlicher Kosten- oder Personalaufwand ergebe sich dadurch keiner. "Im Gegenteil, wir erwarten uns dadurch Zeit- und Kostenersparnisse", sagt Cech.(rös)