Mit Ende Februar soll der Mietvertrag von Großinvestor Siegfried Wolf auslaufen - für seine Gemeindewohnung in Favoriten, in der er jahrelang nicht gewohnt hat. Auf diesen Fall angesprochen sagte Wiens Wohnbaustadträting Kathrin Gaal, dass die Stadt Wien auch weiterhin bei der missbräuchlichen Verwendung von Gemeindewohnungen einschreiten werde.

Detektive im Einsatz

"Natürlich ist der Wiener Gemeindebau zum Wohnen da und für keine andere Verwendung. Wer sich nicht daran hält, der muss mit Konsequenzen rechnen", versicherte Gaal. Die Folgen könnten bis zum Verlust der Gemeindewohnung gehen. Wiener Wohnen setzt laut der Ressortchefin inzwischen Detektive ein, um beim Verdacht von Weitervermietung, Untervermietung oder Nichtbenutzung Nachforschungen anzustellen.

"Und das mit großem Erfolg. Bei einem Großteil der Fälle hat sich der Verdacht verdichtet", berichtete Gaal - die hinzufügte, dass sich der "absolut überwiegende Großteil" der Mieterinnen und Mieter an die Hausordnung und die Regeln halte. Schwierig sei es jedoch, herauszufinden, ob jemand etwa einen Nebenwohnsitz angemeldet habe. Es gebe keine rechtliche Grundlage für einen Abgleich mit dem zentralen Melderegister.

Vorwiegend Buchungsplattformen im Fokus

Im Fokus der Recherchen stehen aktuell jedoch vor allem Buchungsplattformen wie Airbnb. Deren Angebote würden regelmäßig dahingehend geprüft, ob es unerlaubte Weitervermietungen gebe. Wien hat zuletzt auch durchgesetzt, dass Adressen von Gemeindebauten gesperrt werden.

Eine Absage erteilte Gaal einmal mehr Vorschlägen, dass Gemeindebaumieter regelmäßig ihr Einkommen offen legen müssen - um sie bei Gehaltssteigerungen zur Kasse zu beten. Wien wolle niemanden bestrafen, der sich den Lebensstandard verbessern könne. Es sei wichtig, das Miteinander zu stärken und soziale Brennpunkte zu verhindern, zeigte sich die Stadträtin überzeugt. "Es gibt für mich keinen Grund, bewährtes aufs Spiel zu setzen."

Wohnung an Wolf als Lehrling

Die Kronenzeitung hatte am Dienstag online über die Gemeindewohnung von Siegfried Wolf berichtet. Die Wohnung habe er demnach Ende der 1970er-Jahre als Lehrling bekommen.

Hätte Wolf die Wohnung als Hauptwohnsitz genutzt, hätte er sie auch weiterhin behalten können, wie die Kronenzeitung schreibt. Grund dafür sei das Ziel der sozialen Durchmischung im Gemeindebau. Da Wolf an der Adresse keinen Hauptwohnsitz angemeldet hatte, hat Wiener Wohnen ihn nun aber dazu aufgefordert, das Quartier, mangels "begründetem Wohnbedarf", zurückzugeben. Über die Jahre waren laut Kronenzeitung immer wieder Verwandte des Investors an der Adresse gemeldet. (apa)