Olga wollte helfen. Als russische Truppen vergangene Woche in ihr Geburtsland einmarschierten, wäre sie am liebsten zu ihren Verwandten in die Ukraine gefahren und ihnen in dieser Ausnahmesituation beigestanden. Stattdessen hat sie sich als freiwillige Helferin für das neue Ankunftszentrum der Stadt Wien gemeldet, das am Freitag in einer Sporthalle nahe dem Ernst-Happel-Stadion in Vollbetrieb gegangen ist. An ihrem ersten Tag im Zentrum betreut Olga einen Essensstand, führt ukrainische Geflüchtete in ihrer Muttersprache durch das Snack-Angebot. Sie ist froh, auf diese Weise einen kleinen Beitrag leisten zu können.

Ukrainische Geflüchtete, die gerade in Österreich angekommen sind, können sich in der umfunktionierten Sporthalle einige Stunden lang aufhalten, bekommen eine Mahlzeit, Hygieneartikel, frische Unterwäsche. Es geht um humanitäre Grundbedürfnisse, betonen die Organisatoren. Während Wien für manche Flüchtlinge nur ein Zwischenstopp ist, werden andere von freiwilligen Helfern im Zentrum an Notschlafstellen vermittelt. Derzeit stellt die Stadt rund 300 Betten zur Verfügung, bald sollen es deutlich mehr sein, um auch für einen größeren Ansturm als bisher gerüstet zu sein.

Zweites Ankunftszentrum in Wien geplant

Für Menschen aus der Ukraine, die längerfristig in Wien bleiben wollen, bereitet die Stadt bereits einen zweiten Standort im Austria Center vor. Hier sollen die Geflüchteten Unterstützung bei administrativen Aufgaben wie der Registrierung in Österreich bekommen, außerdem werden sie bei der Suche von dauerhaften Unterkünften unterstützt.

Im ersten Ankunftszentrum, der Sporthalle, ist am Freitag alles bereit für die Neuankömmlinge. Basketballkörbe und Fußballtische wurden hinter einen Bauzaun verbannt, stattdessen haben die Helfer Tische und orange Plastiksessel aufgestellt, eine Teststraße ebenso eingerichtet wie eine Spielecke für Kinder und Stände, an denen sich die Ankommenden Sachspenden abholen können.

Derzeit kommen die Menschen einzeln oder in kleinen Gruppen. Zwischen Donnerstag- und Freitagfrüh waren es rund 250, das ist mehr, als die Helfer erwartet hatten, schließlich ging das Zentrum erst am Freitag in Vollbetrieb.

Eine Familie mit zwei kleinen Töchtern zieht ihre Rollkoffer zum Eingang, die Erwachsenen wechseln ein paar Worte mit einem Security-Mitarbeiter, der ihre Pässe kontrolliert. Eines der Mädchen stellt sich auf die Zehenspitzen, streckt den Hals und späht neugierig in die Halle. Der Mitarbeiter lacht, gibt die Pässe zurück, die Eltern lächeln und gehen mit ihren Kindern weiter zur Corona-Teststation. Es sind unaufgeregte Szenen, doch sind viele der Ankommenden traumatisiert und kommen direkt aus dem Kriegsgebiet. Viele seien zwar physisch in Wien, sagt Saskia Schwaiger, eine Sprecherin der Stadt Wien, doch im Kopf ständig im Krieg, bei ihren Verwandten, die noch in Kiew oder Charkiw in einem Luftschutzkeller ausharren. In der Ankunftshalle steht den Geflüchteten daher auch psychologische Unterstützung zu Verfügung, auch ein Arzt ist immer vor Ort.

Vorbereitungen auch in anderen Bundesländern

Auch andere Bundesländer bereiten sich auf einen Zustrom von ukrainischen Flüchtlingen vor. Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellte am Freitag die Plattform "Niederösterreich hilft" vor, über die Abgabe und Verteilung von Spenden ebenso koordiniert werden sollen wie die Vermittlung von Quartieren für die Geflüchteten.

In Salzburg entsteht in Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutz in einer Halle des Messezentrums ein ähnliches Ankunftszentrum wie in Wien, gemeinsam mit dem Roten Kreuz bereitet das Land außerdem die psychologische Erstversorgung für die Ankommenden vor. Oberösterreich gab bekannt, dass ukrainischen Flüchtlingen am Wochenende 650 Notschlafplätze zur Verfügung stehen werden.

Hilfsbereitschaft ist in Österreich groß

Viele Menschen wollen jedenfalls helfen, sagt einer der Freiwilligen vom Verein "Train of Hope", der während der Flüchtlingsbewegung 2015 gegründet wurde und im Wiener Ankunftszentrum besonders präsent ist. "Das ist ein Krieg mitten in Europa, das ist für die Österreicher viel weniger abstrakt als die Situation 2015."

Wer seine Unterstützung anbieten möchte, kann das in Wien beispielsweise über die Plattform "Where2Help" tun, wo Spenden und Freiwillige vermittelt werden. Direkt in der Ankunftshalle können keine Hilfsgüter angenommen oder Helfer registriert werden.

Von großer Hilfsbereitschaft zeugen auch die Stapel von Duschgel, Windeln, Kleidung und Spielzeug, die in der Wiener Ankunftshalle auf die Geflüchteten warten. All diese Sachspenden seien von Freiwilligen aufgebracht worden, bestätigt Schwaiger. Die Stadt Wien habe lediglich Schutzausrüstung wie FFP2-Masken beisteuern müssen.

Doch nicht alle Menschen, die in der Halle ankommen, benötigen materielle Hilfsgüter. "Manche wollen ein Glas Wasser und einfach ein paar Stunden schlafen", sagt die freiwillige Helferin Olga. "Und sie sind froh, wenn sie reden können. Wenn ich ihnen sagen kann, dass sie hier in Sicherheit sind."