Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" unterstützt der Jurist und Volksanwalt Bernhard Achitz die Forderungen der ehemaligen Heimkinder nach einer Wiederaufnahme der in Wien 2016 abgeschafften Entschädigungen für Misshandlungen und Missbrauch. Er spricht über Beispiele aus anderen Bundesländern und hofft, dass jetzt alles getan wird, "dass das nicht mehr passieren kann".

Bernhard Achitz, geboren 1965 in Wien, ist seit 2019 Volksanwalt. Er ist unter anderem für Soziales, Pflege und Jugendwohlfahrt zuständig. Achitz war für den Gewerk-schaftsbund und den Haupt-verband der Sozialversiche-rungsträger tätig. 2013 und 2017 kandidierte er bei den Nationalratswahlen für die SPÖ. apa / Helmut Fohringer 
- © APA/HELMUT FOHRINGER

Bernhard Achitz, geboren 1965 in Wien, ist seit 2019 Volksanwalt. Er ist unter anderem für Soziales, Pflege und Jugendwohlfahrt zuständig. Achitz war für den Gewerk-schaftsbund und den Haupt-verband der Sozialversiche-rungsträger tätig. 2013 und 2017 kandidierte er bei den Nationalratswahlen für die SPÖ. apa / Helmut Fohringer

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"Wiener Zeitung":Herr Achitz, der Verein ehemaliger Heimkinder sagt, dass Sie deren Forderung nach Wiederaufnahme der Entschädigungen unterstützen.

Bernhard Achitz: Wir sind schon mehrfach an die Stadt Wien herangetreten und haben sie dazu aufgefordert, ehemaligen Heimkindern wieder Entschädigungen zu zahlen. Wir können ja nur auf konkrete Beschwerden hin mit der Politik in Kontakt treten. Es haben sich schon mehrfach Leute bei uns gemeldet, die sich über die Einstellung der Entschädigungszahlungen beschwert haben. Das betrifft die Stadt Wien aber auch den Bund.

Gibt es schon Hinweise, dass sich etwas in die Richtung bewegt?

Wir sind der Meinung, dass man das sofort wieder aufnehmen sollte. Aber es gibt auch positive Entwicklungen. Wien hat die Entschädigungen für die Opfer der Pavillons 15 und 17 der psychiatrischen Anstalt am Steinhof wieder aufgemacht. Betroffene können sich an den Gesundheitsverbund wenden. Aber unsere Forderung für Betroffene der Jugendwohlfahrt besteht weiter. Wir werden der Politik jedenfalls auf die Finger schauen, dass sich hier rasch etwas tut.

In anderen Bundesländern sieht es besser aus?

Die Stadt Wien und der Bund sollten die Zahlungen wieder aufnehmen. Die anderen Länder haben die Entschädigungen wieder im Programm. Obwohl es auch da Schwächen gibt, wenn etwa nicht dass Land, sondern eine Gemeinde Träger eines Heimes war.

Sie sitzen selbst in dem Beirat, der für die Zuteilung der Heimopferrente zuständig ist. Wie gehen Sie mit den persönlichen Schicksalen der ehemaligen Heimkinder um?

In Zeiten, als ich mein Kind bekommen habe, haben am Wilhelminenberg Zustände geherrscht, die man sich nicht vorstellen konnte. Das macht betroffen und ratlos. Aber ich hoffe, dass man jetzt alles dazu tut, dass das nicht mehr passieren kann. Wir treten jedenfalls dafür ein, dass jedes Heimopfer neben der Rente auch einen Anspruch auf Entschädigung hat. In ganz Österreich.

Wie ist die jetzige Situation in den österreichischen Heimen?

Heute ist die Volksanwaltschaft im Zuge der präventiven Menschenrechtskontrolle für die Prüfung solcher Einrichtungen zuständig. Unsere Kommissionen gehen an Orte, an denen es potenziellen Freiheitsentzug geben könnte. Wir kontrollieren Psychiatrien, Pflegeheime und Wohngemeinschaften von betreuten Jugendlichen in allen Bundesländern. Große Kinderheime gibt es eigentlich nicht mehr.