Zehn Tage nachdem im Wiener Austria Center (ACV) das Beratungszentrum für geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Betrieb genommen wurde, ist nun am Montag die "Erfassungsphase" gestartet: Jene Menschen, die bereits im ACV waren und ihre Daten hinterlassen haben, werden nun aktiv zu einem Termin eingeladen und von der Landespolizeidirektion erfasst, um dann die Aufnahme in die Grundversorgung abzuschließen, teilte der Fonds Soziales Wien (FSW) mit. In der Folge wird den Flüchtlingen ein Vertriebenenpass ausgestellt. Haben sie diesen erhalten, sind sie auch für den Arbeitsmarkt verfügbar.

Das ACV richtet sich an Personen, die sich in Wien aufhalten und die vorerst in der Bundeshauptstadt beziehungsweise in Österreich bleiben wollen. Rund 300 geflüchteten Menschen wurden am 4. März zu Beginn Auskünfte erteilt, vergangenen Donnerstag waren es schon 1.200. "Wir sind damit in Vorleistung getreten und erwarten uns jetzt, dass der Bund seinen Verpflichtungen nachkommt und nun rasch und konsequent die Menschen erfasst", erklärte der Leiter des Kundenservices vom Fonds Soziales Wien, Roland Haller.

Seit Samstag sei die dafür notwendige Verordnung zur EU-Richtlinie "Massenzustrom" in Kraft und die geflüchteten Menschen können vom Bund erfasst werden.

Damit dürften auch bald insgesamt die Zahlen, wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine in Österreich bleiben wollten, ein wenig klarer werden.

80 Prozent reisen weiter

Nachdem vergangene Woche das Innenministerium die dafür notwendige Verordnung erlassen hat, kann nun mit der formalen Aufnahme in die Grundversorgung begonnen werden. So wurden etwa in Wien den bereits vorregistrierten Vertriebenen entsprechende Termine in dieser Woche zugewiesen.

Nach Angaben des Bundeskanzleramts sind bisher rund 110.000 Menschen aus der Ukraine in Österreich gelandet. Die wenigsten von ihnen bleiben. Etwa 80 Prozent reisen in andere Länder weiter. Dennoch sei Eile geboten, wie der neue Flüchtlingskoordinator Michael Takacs im Ö1-"Mittagsjournal" betonte, auch weil Nachbarländern der Ukraine, die besonders belastet seien, geholfen werden müsse. Aktuell sind in Österreich laut Takacs 2.990 Bundesbetreuungsplätze verfügbar, dazu 4.500 Ankunftsbetten der Länder. Von Privaten sind in 7.100 Quartieren rund 31.000 Plätze zugesagt.

In Wien stehen 2.500 Notschlafplätze zur Verfügung. Seit der Eröffnung haben sich 12.000 Personen im Ankunftszentrum in der Engerthstraße im 2. Bezirk gemeldet. Das Zentrum richtet sich gezielt an jene Menschen, die weiter reisen wollen. Jene, die im Land bleiben möchten, können sich im Austria Center registrieren lassen und in die Grundversorgung einsteigen. Diese bietet zuerst neben Unterkunft medizinische Versorgung, Verköstigung und Taschengeld. Später dann u.a. auch Mietzuschuss, Verpflegung, Bekleidungshilfe, Schulbedarf und Krankenversicherung.

Zumindest ein Jahr ist der Verbleib der Flüchtlinge laut der Verordnung des Innenministeriums möglich. Sollten sich die Zustände bis dahin nicht gebessert haben, wird das Sonderrecht automatisch um ein halbes Jahr verlängert.

Noch sind nach Auskunft diverser Stellen ausreichend Quartiere verfügbar, um die ukrainischen Flüchtlinge in der Grundversorgung unterzubringen. Aktuell wird diese wie üblich in Wien übererfüllt. Das Land Niederösterreich erfüllt die Quote derzeit nur zu 68 Prozent und Tirol zu 74 Prozent.