Der zweite Tag der Wiener SPÖ-Klubklausur zum Thema "Die Zukunft der Arbeit" wurde bei der Pressekonferenz mit allen roten Stadtregierungsmitgliedern einmal mehr von der Teststrategie des Bundes überschattet - an welcher Gesundheitsstadtrat Peter Hacker kein gutes Haar gelassen hat:

"Wir haben gerade eine Höchstzahl an Infektionen, eine unfassbar hohe Anzahl an erkrankten Personen in den Spitälern, haben 10 bis 15 Prozent Personalausfälle im gesamten Gesundheits-, Pflege, Schul- und Kindergartenbereich. Und nur mit Staunen kann man wahrnehmen, wie diese Bundesregierung mit unglaublichem Geschwindigkeitsgalopp noch weitere Maßnahmen reduziert und jetzt das Testen auch noch aufgeben will. Ich bin fassungslos, wie hier gerade ein Experiment an acht Millionen Österreichern durchgeführt wird", polterte der Gesundheitsstadtrat.

Die Umfrageergebnisse zum Wiener Arbeitsmarkt 2022, welche die Arbeitsgrundlage für die Klubklausur - und damit auch die Basis für das bereits am Dienstag präsentierte Energiehilfspaket - bildeten, traten damit ein wenig in den Hintergrund, wurden aber dennoch präsentiert: Zwar würden die Wienerinnen und Wiener zum überwiegenden Teil gerne im Homeoffice arbeiten, andererseits würde es ihnen Angst machen, weil die Arbeitszeiten verschwimmen. Immerhin motiviert 35 Prozent der Befragten die Freiheit, sich die Arbeit selbst einteilen zu können, so die Studie der Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung.

Frauen als Pandemie-Verlierer

Die Verlierer der Pandemie seien vor allem die Frauen, weil es vor allem sie sind, die unter anderem während der Lockdowns durch das Homeschooling bei gleichzeitigem Homeoffice doppelt und mehrfach belastet wurden, erklärte SPÖ-Klubchef Josef Taucher. 43 Prozent der befragten Frauen sehen laut Studie eine starke Verschlechterung am Arbeitsmarkt seit Beginn der Corona-Pandemie. Jede vierte befragte Person ist der Meinung, dass ihr Vorgesetzter nicht genug auf die Work-Life-Balance der Mitarbeiter achtet.

"61 Prozent bekommen Arbeit und Familie aber durchaus (sehr) gut unter einen Hut", heißt in der Umfrage. Aber ebenso hat jeder Vierte Angst davor, sich beruflich nicht weiterentwickeln zu können. Dass Weiterbildung und Weiterentwicklung miteinander einhergehen, wird von allen Befragten noch stärker befürwortet. 65 Prozent stimmen dem voll und ganz beziehungsweise eher zu. Männer und über 50-Jährige liegen leicht über dem Durchschnitt.

"Zweifellos befindet sich die Arbeitswelt im Wandel und zweifellos hat die Corona-Pandemie das noch maßgeblich verstärkt", erklärte Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal. Neben dem Wohnbau als Beschäftigungsmotor sei mittlerweile auch der Wohnort zum Arbeitsplatz geworden - und dem würde die Stadt bereits mit entsprechenden Projekten in den Stadterweiterungsgebieten Rechnung tragen.

Spezielle Grundrisse

In der Seestadt wurden laut Gaal Arbeits- und Wohnmaisonetten sowie auch Co-Working Spaces errichtet und es gebe extra zumietbare Arbeitsräume - ein Weg, den man nun weitergehen wolle, wie Gaal versicherte. Auch in Favoriten am Alten Landgut würden tausende neue Wohnungen entstehen, wo bereits im Grundriss auf das Thema Arbeiten und Wohnen Rücksicht genommen werde - inklusive sozialer Infrastruktur, damit Homeoffice gut funktionieren könne. Und auch der Gemeindebau werde zunehmend zum Arbeitsplatz - von 5.000 Geschäftslokalen von Wiener Wohnen seien trotz Pandemie alle mit Ausnahme von 250 wiederbelebt und vermietet worden, berichtete Gaal.

Stadtentwicklung an sich sei ein bedeutender Investitionsfaktor und damit ein wichtiger Job-Motor, meinte Planungsstadträtin Ulli Sima. Allein die Widmungsverfahren der kommenden fünf Jahre würden Investitionen von mehr als 2 Milliarden Euro pro Jahr mit sich bringen und bis zu 35.000 Arbeitsplätze pro Jahr sichern.

21.000 Jobs bis 2030

Dass sich die Arbeitswelt massiv gewandelt hat, sei neben der Pandemie auch dem Klimawandel und der aktuellen Energiekrise zuzuschreiben, erklärte Klima- und Personalstadtrat Jürgen Czernohorszky. Um, wie geplant, bis 2040 Klimaneutral zu werden, müssen die Energiesysteme umgebaut werden - was wiederum Arbeitsplätze schaffe: "Wir werden bis 2030 aufgrund von Pensionierungen bis zu 21.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen", meinte der Stadtrat. Im Zusammenhang mit dem Klimaschutz werde es etwa im Bereich Energie, der Kreislaufwirtschaft, beim Thema Reparatur-Handwerk, Wartung und Instandhaltung sowie dem nachhaltigen Bauen und Sanieren zu neuen Jobs kommen. Und auch die Förderschienen der Stadt, unter anderem mit dem Schwerpunkt auf EPUs und Gründer, mache den Wiener Arbeitsmarkt zukunftsfit, ergänzte wiederum Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke.