Das bisherige Wiener Leihrad-System Citybike gehört der Vergangenheit an. Mit 1. April wird es von "WienMobil Rad" abgelöst, einer Kooperation der Wiener Linien mit dem Leihrad-Unternehmen Nextbike. Am Donnerstag wurde das Projekt bei der U1-Station Rennbahnweg der Öffentlichkeit präsentiert.

Das neue System wird nicht mehr bloß den innerstädtischen Bereich abdecken, sondern bindet erstmals auch die Flächenbezirke Simmering, Floridsdorf, Donaustadt und Liesing ein. "Ab 1. April stehen 1.000 Räder zur Verfügung", sagte Bürgermeister Michael Ludwig bei der Projektpräsentation. "Im Herbst werden es 3.000 Räder sein." Ludwig spricht auch von einem "weiteren Meilenstein im Klimaschutzprogramm." Die WienMobil-Räder würden das Angebot von U-Bahn, Bim und Bus perfekt ergänzen. "Wir setzen die Verkehrswende gemeinsam mit den Wiener Linien um", erklärt der für öffentliche Verkehrsmittel zuständige Stadtrat Peter Hanke (SPÖ). In diesem Jahr habe Wien zudem erstmals mehr Öffi-Jahreskarten-Besitzer, als Autobesitzer.

Die weißen WienMobil-Räder mit 7-Gang-Schaltung und Gepäckträger, die auf 185 fixen Standorten im gesamten Stadtgebiet zu finden sein werden, können über die Nextbike-App oder die Homepage der Wiener Linien ausgeliehen werden. Wer keinen dieser elektronischen Zugänge hat, kann die Leihe auch via Rad-Hotline (01/385 01 89) abwickeln.

Kein Tohuwabohu

Um Chaos und Ärger mit kreuz und quer abgestellten Rädern zu verhindern, wie das einst bei Gratis-Leihradanbietern der Fall war, muss das Rad nicht nur an einer Station abgeholt, sondern dann auch an einer der 185 wienweiten Stellen zurückgegeben werden. Bei jeder Leihstation gibt es eigene Säulen, an denen das Rad mit einem eingebauten elektronischen Rahmenschloss diebstahlsicher abgestellt werden kann.

Die Fahrräder haben zusätzlich ein Zahlenschloss, um es auch bei einer mobilen Radstation abgeben zu können, die etwa für größere Events zum Einsatz kommen sollen. 50 Räder sind zudem mit Kindersitzen ausgestattet.

"Eine Person kann bis zu vier Räder gleichzeitig ausleihen", sagt Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl. Damit soll gewährleistet werden, dass auch Radausflüge mit der ganzen Familie oder mit Freunden gemacht werden können.

Für die Wartung und die Umverteilung der Räder ist die Firma Nextbike zuständig. Geschäftsführer Leonhard von Harrach: "In Wien kümmert sich ein 20-köpfiges Serviceteam fortlaufend um die Räder, die besonders langlebig und explizit für den Verleih konzipiert sind." Der Transport der Räder von oder zu den Abholstationen sowie zur Reparatur wird nach Angaben von Nextbike mittels Lastenfahrrädern und E-Transportern bewerkstelligt.

Gebühren

Der Standardtarif der Leihräder beträgt 60 Cent für 30 Minuten Benutzung. Wer eine Jahreskarte der Wiener Linien besitzt, muss nur 30 Cent bezahlen. Wenn man ein Jahres-Abo um 49 Euro löst, kann man ein WienMobil-Rad die erste halbe Stunde jeweils gratis benutzen. Jede weitere halbe Stunde schlägt mit 30 Cent zu Buche. Stammkunden der Wiener Linien kostet das Abo nur 25 Euro pro Jahr.

Die Errichtung der 185 fixen und der rund 50 mobilen Ausleihstationen lässt sich die Stadt Wien 7,5 Millionen Euro kosten. Hinzu schießt die Stadt dem Betrieb der Fahrradflotte jährlich 2,3 Millionen Euro zu. (gh)