Peter Jagsch ist seit 24. März Bezirksvorsteher von Hernals. Er hat das Zepter von Ilse Pfeffer (SPÖ) übernommen, die nach mehr als 20 Jahren ihre Funktionen niedergelegt hat. Der Vater zweier Söhne ist seit einem Vierteljahrhundert im 17. Bezirk tätig und hat Funktionen in der SPÖ bekleidet, in der Gewerkschaft und letztlich auch als Stellvertreter Pfeffers. Die "Wiener Zeitung" hat mit ihm über seine Vision für den Bezirk gesprochen.

"Wiener Zeitung":Sie sind seit rund 25 Jahren in Hernals aktiv. Was hat sich im Bezirk in dieser Zeit verändert?

Peter Jagsch: Vieles. Allein, wenn ich an die Schule am Parhamerplatz denke. Da hat es früher eine kleine Einbahn gegeben, zwei drei Bäume und dann dichtes Buschwerk, hinter dem die Kinder zur Schule gegangen sind. Heute ist das ein offener, freier Raum und ein Ort der Begegnung.

Wie wird Hernals nach Peter Jagsch ausschauen?

Da stellt sich einmal die Frage, wie lange ich Bezirksvorsteher sein werde. Einschneidend wird natürlich der Bau der U5 sein. Aber ich gehe schon davon aus, dass ich länger als bis 2025 in dieser Funktion sein werde. Der Bau der U-Bahn wird Hernals im Kernbereich, also vom Elterleinplatz bis zur S-Bahnstation Hernals, nachhaltig verändern. Der Bau greift massiv in die Gestaltung des öffentlichen Raumes ein: Da geht es nicht einfach nur um ein paar U-Bahnzugänge. Durch umfassende Bautätigkeit werden die Räume neu organisiert und gestaltet.

Wie wird das am Ende aussehen?

Das wissen wir noch nicht. Es ist jetzt erst einmal die erste Planungsstufe bis zum Elterleinplatz übergeben worden. Der Bereich von dort bis zur S-Bahnstation ist hingegen nur in der Phase der generellen Planung: Wo wird die Trassenführung unterirdisch stattfinden, wo sind die Zugänge und Aufgänge, wo braucht es zusätzliche Nebengebäude? Erst, wenn das alles abgeschlossen ist, beginnt man sich Gedanken zu machen, wie die Oberflächengestaltung ausschauen wird. Das wird noch ein wenig länger dauern.

Wie sieht das Konzept für die U5-Station Elterleinplatz aus?

Es gibt ja schon ein Rendering davon, wie das ausschauen soll. Was wir parteiübergreifend eingebracht haben, ist, dass wir gerne auch die andere Seite des Bezirks barrierefrei angeschlossen hätten. Wir haben schon seit Jahren einen Prozess am Laufen, der die Kalvarienberggasse in Richtung 18. Bezirk attraktiver machen soll. Das soll ein Ort der Begegnung werden.

Also eine Begegnungszone?

Ob das eine Begegnungszone wird oder andere verkehrsrechtliche Maßnahmen gesetzt werden, steht gar nicht so sehr im Vordergrund, als dass wir das Ganze attraktiver und erlebbarer machen wollen. Da haben wir auch die Unterstützung der Wiener Wirtschaftskammer und Standortanwalt Alexander Biach.

Was macht Hernals aus?

Hernals ist ein sehr diverser Bezirk mit vielen unterschiedlichen Menschen, die hier gerne leben. Der Bezirk hat topografisch viele Vorteile: Der Gürtelbereich mit seiner Nähe zum AKH und zu den Universitäten; im Westen, Richtung Wienerwald, gibt es eine ländliche Struktur und vielen Villen. Der Weg ins Grüne ist kurz, genauso wie der Weg in die Stadt. Dazu passend gibt es eine gute Verkehrsanbindung. Nicht zuletzt deshalb ist auch die U5 ein Thema geworden - um den 43er zu entlasten. Hernals ist einer der beliebtesten Wohnbezirke Wiens. Das hat mit unserer Bebauungsstruktur zu tun, mit der Topografie und der Lebensqualität. Das Raum- und Platzangebot ist allerdings enden wollend.

Könnten Sie sich vorstellen, Wohnraum im Wienerwald zu schaffen?

Das können und das wollen wir nicht.

Am Grüngürtel wird also nicht gerüttelt?

Der Biosphärenpark bleibt unangetastet, da gibt es bei mir keine Diskussion. Da braucht man gar nicht nachzufragen, ob nicht doch vielleicht ein Häuschen hineingebaut wird. Das ist auch von der MA 49 (Klima, Forst- und Landwirtschaft, Anm.) klar vorgegeben und gut so. Das ist ja unsere natürliche Klimaanlage. Durch den stetigen Westwind gibt es bis ziemlich weit in den Bezirk hinein auch in den heißen Sommermonaten kühlende Luft.

Hernals ist einer der Bezirke, in denen die Immobilienpreise derzeit am stärksten anziehen. Was gibt es hier Lenkungsmöglichkeiten?

Rein legistisch lässt sich da nichts machen. Was ich anbiete, ist, dass Menschen, die das Gefühl haben, zu hohe Miete zu zahlen, sich an die Bezirksvertretung wenden. Wir haben sehr gute Kontakte zur Mieterhilfe und können das auch im Einzelfall gut prüfen lassen.

Es hat Diskussionen um den Wohnungsbau auf dem Gebiet des Postsportplatzes gegeben. Wie ist da der Status quo?

Das ist nach wie vor ein Thema. Die Damen und Herren befinden sich derzeit in einer Nachdenk- und Konsolidierungsphase. Es gibt bei mir keine aktuellen Planungen, die auf besondere Aktivitäten hinweisen. Es passiert allerdings etwas im Hintergrund. Ich habe feststellen können, dass mit Jahreswechsel ein Bohrprüfverfahren zur UVP abgeschlossen wurde. Das heißt: Die Post hat prüfen lassen, ob für diese geplanten Baumaßnahmen eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist.

Mit welchem Ergebnis?

Die Behörde hat festgestellt, dass dem nicht so ist, weil das Gebiet dafür zu klein ist. Das sagt aber über die weiteren Behördengenehmigungsverfahren noch gar nichts aus.

Die Neos haben vor den Wahlen erklärt, den Alsbach wieder an die Oberfläche holen zu wollen. Jetzt sitzen die Pinken in der Stadtregierung. Was halten Sie von der Idee, den Fluss auszugraben?

Die Neos waren nicht die Einzigen, die das vorgeschlagen haben. Das ist so ein moderner Romantismus, der aber völlig unangebracht ist. Denn den Alsbach freizulegen würde bedeuten, dass eine offene Kloake durch den Bezirk schwimmt. Der Alsbach wurde vor Jahren aus gutem Grund eingefasst: Weil er ein Abwassersammelkanal ist. Das macht an der Oberfläche weder geruchlich noch sonst irgendwie erquickende Eindrücke.

Wenn Sie sich drei Sachen wünschen könnten, die sich in Hernals sofort ändern sollen, welche wären das?

Schwierig. Mein Handeln ist ja nicht auf mich als Person ausgerichtet, sondern auf demokratische Prozesse. Wir versuchen, in der Bezirksvertretung gemeinsam mehrheitliche Beschlüsse zu fassen und diese dann mit dem Magistrat zu realisieren.

Wie schwer hat man es eigentlich als Bezirksvorsteher? Das bezirkseigene Budget ist ja überschaubar.

Es gibt Projekte, die kostspieliger sind, als es die Bezirksmittel zulassen, und dann muss man eben zusehen, dass man mit den Fachdienststellen beziehungsweise zuständigen Ressorts ins Gespräch kommt und die entsprechenden Förderungen erhält.

Fällt Ihnen da ein Beispiel ein?

Meine Vorgängerin hat noch erreicht, dass die neue Bewässerung der Alleebäume in der Alszeile in Angriff genommen wird. Das wird fast eine Million Euro kosten. Da geht es vor allem um den Altbaumbestand, den es nachhaltig zu sichern gilt. Diese Bäume leiden durch die Veränderung des Stadtklimas mehr als in den vergangenen Jahrzehnten. Das ist eine sehr schwierige Arbeit, bei der teilweise sogar Wurzelwerk freigelegt werden muss.

Sind Sie Sportklub-Fan?

Ich war sogar mit Udo Huber im Vorstand. Gerade heute, Montag, haben wir das Derby gegen die Vienna im Regionalligacup, das sicherlich ausverkauft sein wird. (Das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest, Anm.) Aber je mehr man sich in die politische Arbeit vertieft, umso mehr muss man sich davon eigentlich emanzipieren. Denn man ist dann ja nicht nur für einen Verein verantwortlich, sondern für viele - übrigens sehr erfolgreiche -, die es im Bezirk gibt. Neben den vielen Sportbereichen des Post SV haben wir im Bezirk den Real Madrid des Landhockeys, den SV Arminen. Aus Hernals kommen auch immer wieder Staats- und Europameister. Im Bowling zum Beispiel; im Eislaufen mit dem Engelmann sowieso.

Was sind Ihre Lieblingsgrätzl in Hernals?

Der St.-Bartholomäus-Platz. Das war der Ort direkt vor meiner früheren Arbeitsstätte.

Welche war das?

Ich war Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Hernals und habe in der Kalvarienberggasse mein Büro gehabt. Ich habe da direkt vor der Tür einen großartigen Freiraum gehabt. Denn wir haben den St.-Bartholomäus-Platz vor vielen Jahren autofrei gemacht. Dort, vor der Kalvarienbergkirche, haben sich nicht nur Schüler zur Mittagszeit gerne aufgehalten, sondern auch Erwachsene, darunter ich. Wenn das Wetter schön war, habe ich mich dort eine halbe Stunde aufs Bankerl gesetzt, etwas gelesen und versucht, meinen Kopf wieder freizubekommen. Ein anderer Platz, der mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen ist, ist der Dornerplatz.

Was gefällt Ihnen an dem?

Ich durfte vor 20 Jahren das Volxkino dort installieren. Seit damals gibt es am Dornerplatz ein Open-Air-Kino im Sommer. Es ist immer eine Riesenfreude, wenn an einem Sommerabend 500 Menschen dort eintrudeln - mit mitgebrachten Decken, Liegen, Picknick-Körben. Das ist eine entspannte Situation. Es zeigt, dass dieser städtische Freiraum Qualitäten hat, wenn man sich richtig nutzt.

Warum wollten Sie Bezirksvorsteher werden?

Es war keine Frage des Wollens. Ich bin gefragt worden, ob ich es mir vorstellen kann. Nach Rücksprache mit meiner Familie habe ich dann zugesagt.