Ein wahrer Shitstorm hat sich über den Donaustädter Bezirkschef Ernst Nevrivy am Wochenende ergossen, nachdem er am SPÖ-Landesparteitag die Frage gestellt hat, "ob wir hinter unserem Bürgermeister stehen, der wochen- und monatelang von den Grünen und den ganzen anderen Heisln da draußen beleidigt und beschuldigt wird". Damit nicht genug, hat Bürgermeister Michael Ludwig mit vielen anderen Parteigenossen auch noch darüber gelacht. Dadurch fühlten sich wohl die meisten Lobautunnel-Gegner beleidigt und taten das auch ausreichend in den Social Media-Kanälen kund.

Dass die Aussage von Nevrivy - der im Übrigen bekannt dafür ist, dass er sein Herz auf der Zunge trägt - nicht besonders freundlich war, bleibt unbestritten - aber einem gelernten Wiener fällt es schwer, hier einen Skandal zu sehen. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Jetzt haben wir halt die parteiübergreifende "G.B.H.-Dreifaltigkeit" der jüngsten Vergangenheit erreicht: 2016 bezeichnete Johanna Mikl Leitner (ÖVP) die Sozialdemokraten als "rotes Gsindl". 2019 hieß Wolfgang Zanger (FPÖ) die Betriebsräte "Beidl". Und jetzt ist für ungeliebte Personen der Ausdruck "Heisln" dazugekommen - im Übrigen für alle Nichtwiener übersetzt: Heisl = Haus, Toilette oder eben auch Ausdruck für einen ungeliebten Menschen.

Immer wieder kommen in Österreich solche Sager in die Schlagzeilen - man denke etwa an Alt-Bürgermeister Michael Häupl, der 2004 die anderen Parteien als "mieselsüchtige Koffer" bezeichnet hatte. Dass dieser Stil nun immer weniger salonfähig ist, dürfte wohl an der Veränderung der Sprache liegen - die Zeiten der derben Mundl-Sprüche sind vorbei und die öffentliche Aufregung darüber wohl eher ein Zeichen dafür, dass die Parteien immer mehr den Kontakt zur Jugend verlieren. Und es sind vor allem die jungen Menschen, die sich gerade sehr beherzt für den Umweltschutz einsetzen. Und mit denen sollte man besser reden, als ihnen das Gefühl zu geben, sie beleidigen zu wollen.