Im Winter konnte es für Schüler schnell einmal finster werden. "Licht sparen, hat der Kreisky gesagt", tönte es dann, während einem ein Mitschüler die Haube über die Augen zog. Knapp 40 Jahre später diskutieren Österreich, Europa und die Welt erneut über - hoffentlich zielführendere - Energiesparmaßnahmen. Licht sparen ist dabei allerdings auch ein Thema. Linz hat etwa die Aussetzung der nächtlichen Straßenbeleuchtung beschlossen. Der Notfallplan der EU wiederum sieht vor, dass öffentliche Gebäude, Büros und kommerzielle Gebäude ab kommendem Herbst bis maximal 19 Grad beheizt werden sollen.

Auch Wien berät derzeit, wo es Energieeinsparungspotenzial geben könnte. "Wir sind in Gesprächen mit Vertretern aus allen betroffenen Bereichen; mit Handel und Wirtschaft, mit Krankenhäusern, mit der Industrie und so weiter", heißt es aus dem Büro von Stadtrat Peter Hanke. Konkrete Maßnahmen werden gerade evaluiert.

Placebo oder geeignete Sparmaßnahme? Die nächtliche Beleuchtung des Stephansdoms und deren Ausbleiben wird diskutiert. - © Georg Hochmuth
Placebo oder geeignete Sparmaßnahme? Die nächtliche Beleuchtung des Stephansdoms und deren Ausbleiben wird diskutiert. - © Georg Hochmuth

Viele der anderswo angedachten Sparaktionen sieht man in Wien allerdings schon jetzt differenzierter. "Das Licht in sicherheitsrelevanten Gegenden abzudrehen, kommt für uns nicht in Frage", so ein Sprecher des Stadtrats. Hier gebe es auch weniger Handlungsbedarf als in anderen Städten. Wien hat nämlich bereits vor fünf Jahren begonnen, die Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen umzurüsten, was den Stromverbrauch um bis zu 70 Prozent reduziert habe.

Franz Angerer, Geschäftsführer der österreichischen Energieagentur, hat bereits angeregt, die Beleuchtung von historischen Gebäuden zu reduzieren: "Es macht keinen Sinn, den Stephansdom von 24 bis 6 Uhr in der Früh zu bestrahlen, da ist sowieso kaum jemand auf der Straße." Grundsätzlich hält man das im Rathaus für eine denkbare Maßnahme, gibt allerdings zu bedenken, dass dieses Mittel schon in Richtung Placebo gehe. Denn diese Art der Beleuchtung mache nicht einmal ein Prozent des Energieverbrauchs der Stadt aus. Den Löwenanteil daran haben ohnedies eher schwierig zu reduzierende Faktoren. In der Nacht ist dies die öffentliche Infrastruktur wie Krankenhäuser oder U-Bahn und am Tag der Handel.

Homeoffice ist auch keine Lösung

Auch der Plan der EU, Ämter und Büros in geringerem Umfang als bisher zu beheizen wird derzeit auf ihre Sinnhaftigkeit, aber auch auf ihre Vertretbarkeit hin geprüft: "Es soll niemand frieren", heißt es aus dem Büro Hankes. Die in diesem Zusammenhang stehende Überlegung, Mitarbeiter verstärkt ins Homeoffice zu schicken, gehe in Richtung Nullsummenspiel: "Das Ganze wird dann nur verlagert und statt eines Gebäudes, würde dann jede einzelne Wohnung beheizt", so ein Sprecher Peter Hankes. Prinzipiell müsse sich auch niemand Sorgen machen, dass Wien die Energie ausgeht. "Wir haben derzeit eine Preisdiskussion, keine Mangeldiskussion."

Generell dürfte Wien, wie so oft, primär auf weiche Maßnahmen wie Aufklärung setzen. Etwa der Bevölkerung den bewussteren Umgang mit Gas und Strom näher bringen und auf die Vernunft aller Beteiligten setzen.