Die Strom- und Gaspreise werden in Wien und Niederösterreich ab 1. September angehoben. Die Energieallianz Austria (EAA) beschloss, die Indexanpassung in den Standardtarifen der Wien Energie und der EVN - die Teil der EAA sind - vorzuziehen. Eigentlich war die nächste Preissteigerung erst für 1.1. 2023 geplant, doch die "dramatischen Preisanstiege" erforderten das Vorziehen der Anpassung, so die EAA am Mittwoch. Der Österreichische Strompreisindex sei binnen eines Jahres um 247 Prozent gestiegen und der Österreichische Gaspreisindex um 323 Prozent, argumentiert die EAA. Die Indexanpassungen werde es künftig zwei Mal jährlich geben - zum 1. April und zum 1. Oktober.

Für einen Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch - je nach Haushaltsgröße - von 3.500 Kilowattstunden (kWh) beziehungsweise von 2.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten in Höhe von etwa 57 Euro beziehungsweise 36 Euro (jeweils inklusive USt.). Für Haushaltskunden mit einem jährlichen Gasverbrauch von 15.000 kWh beziehungsweise 8.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von etwa 108 Euro beziehungsweise 60 Euro (jeweils inklusive USt.).

Sowohl die Wien Energie als auch die EVN erklärten, dass der Großteil der Mehrkosten durch Rabatte und Förderungen abgefedert werden könnte. "Mit Bindungs- und Treueaktionen können die Kunden die Steigerung auf 24 Prozent bei Strom und 50 Prozent bei Erdgas reduzieren. Das bedeutet für einen durchschnittlichen Wiener Haushalt monatliche Mehrkosten von rund 10 Euro bei Strom bzw. rund 31 Euro bei Gas", hieß es von der Wien Energie. Die EVN wiederum rechnete vor, dass einer vierköpfigen Familie mit Vergünstigungen wie dem EVN Rabatt und dem NÖ Strompreisrabatt noch Mehrkosten in Höhe von 18 Euro pro Monat verbleiben. Berücksichtigt wurden bei dieser Berechnung auch die Maßnahmen der Bundesregierung zur Abfederung der hohen Energiekosten, zu denen unter anderem der Energiekostenausgleich, die Sonder-Familienbeihilfe oder Einmalzahlung für bedürftige Personen zählen.

Politische Blüten

Die angekündigte Preiserhöhung trieb auch interessante politische Blüten. "Das ist für die niederösterreichischen Familien nicht mehr finanzierbar. Die Landeshauptfrau ist gefordert diesem Preis-Irrsinn nicht tatenlos zuzusehen", sagte der Landesparteivorsitzende der SPÖ Niederösterreich und Landeshauptfraustellvertreter Franz Schnabl in Richtung der ÖVP-geführten Landesregierung. "Die Erhöhung der Preise für Strom und Gas seitens der Wien Energie mit 1. September ist gerade in dieser Zeit ein fataler Schritt und geht wieder einmal zulasten der Bürgerinnen und Bürger", erklärte wiederum der Wiener ÖVP-Landesparteiobmann Stadtrat Karl Mahrer. Er warf dem sozialdemokratischen Bürgermeister Michael Ludwig vor, die Hoffnungen auf überfällige Entlastungen durch diese Entwicklungen jäh zu zerstören.(aum)