Am Mittwoch jährt sich zum zweiten Mal der Terroranschlag in Wien, bei dem drei Männer und eine Frau in der Innenstadt ihr Leben verloren haben. 23 weitere Menschen verletzte der Attentäter teilweise schwer, ehe er von der Polizei erschossen wurde. Aus den Mitteln des beim Weißen Ring eingerichteten Terroropferfonds sind bisher rund 1,95 Mio. Euro an Hinterbliebene und Opfer ausbezahlt worden, gab nun das Sozialministerium bekannt.


   Die Bundesregierung habe von Beginn an ihre Verantwortung gegenüber den Opfern und Hinterbliebenen betont und daher für jene Betroffene, die auch nach dem Verbrechensopfergesetz (VOG) anspruchsberechtigt sind, finanzielle Mittel für zusätzliche Hilfeleistungen in Höhe von zunächst 2,2 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, hieß es gegenüber der APA. Damit kann den Betroffenen ein angemessenes, den zivilrechtlichen Grundsätzen entsprechendes Schmerzensgeld ausbezahlt werden. Überdies werden die Bestattungs-und Überführungskosten übernommen.


   Die Bemessung und Auszahlung der Hilfeleistungen erfolgt durch die fachkundige Opferhilfe-Organisation Weißer Ring, der dafür ein Gremium aus Expertinnen und Experten unter dem Vorsitz des pensionierten OGH-Vizepräsidenten Ronald Rohrer zur Seite steht. Diese Kommission hat Empfehlungen für die Zuerkennung von Hilfeleistungen unter Einbindung medizinischer Expertisen erarbeitet, auf deren Grundlage der Weiße Ring die finanziellen Leistungen vergibt.


Weitere Auszahlungen erwartet

   Mit weiteren, über die bisher geleisteten 1,95 Mio. Euro hinausreichenden Auszahlungen ist laut Sozialministerium in Kürze zu rechnen. Bis Mitte Oktober hatten 75 Personen um Hilfeleistungen aus dem Fonds angesucht, davon haben 51 bereits Zahlungen erhalten. Die verbleibenden 24 Ansuchen sollen bis Jahresende erledigt sein. "Es ist denkbar, dass sich noch vereinzelt weitere Personen melden", hielt das Ministerium fest.


   Neben dem Opferfonds sind bisher auch knapp 300.000 Euro gemäß Verbrechensopfergesetz (VOG) ausbezahlt worden. 116 Anspruchsberechtigte erhielten diverse Hilfeleistungen, in 93 Fällen wurde eine Pauschalentschädigung für Schmerzensgeld zuerkannt. Psychotherapeutische Betreuung, die für etliche Überlebende des Attentats unerlässlich war, konnte über das VOG beim Sozialministeriumsservice beantragt werden.


   Der Attentäter hatte bei seinem neunminütigen Anschlag in der Innenstadt 17 Menschen angeschossen, wovon 13 mit dem Leben davonkamen. Zehn weitere verletzten sich auf der Flucht oder durch Glassplitter. Etliche Personen, die damals in der Innenstadt unterwegs waren oder in Lokalen bzw. Gastgärten saßen - es war ein lauer und der letzte Abend vor einem weiteren coronabedingten Lockdown - litten danach unter den psychischen Folgen jener Nacht und taten sich schwer, die traumatischen Ereignisse zu verarbeiten. Sie benötigten Hilfe.


   "Die Arbeit mit Terroropfern stellte für alle Beteiligten über weite Strecken Pionierarbeit dar. Vieles musste neu gedacht und erarbeitet werden. Das reichte von der Opferdefinition im Zusammenhang mit einem Terroranschlag bis zu den Kriterien, die den finanziellen Hilfeleistungen zugrunde gelegt werden", hatte Weißer Ring-Geschäftsführerin Natascha Smertnig erst vor einigen Wochen gegenüber der APA festgestellt. (apa)